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Die Fußball-Länder dieser Welt eint das Ziel, das WM-Finale am 13. Juli 2014 zu erreichen. Die spielerischen Wege dorthin verschmelzen zunehmend - doch gewisse Eigenheiten bleiben.

Köln. "Es gibt keine Kleinen mehr" - das wusste Rudi Völler schon vor mehr als zehn Jahren. Wenn es auch aus dem Mund des ehemaligen Bundestrainers nach einer Entschuldigung für den damaligen Rumpelfußball der deutschen Nationalmannschaft klang: Im Grunde hatte er Recht. Die Fußball-Welt rückt seit Jahrzehnten zusammen, die Wege zum WM-Finale am 13. Juli 2014 in Brasilien werden so ähnlich sein wie nie zuvor. Die Globalisierung hat längst auch den Fußball erfasst.

Taktik, Technik, Physis - diese drei Säulen bilden den Unterbau des erfolgreichen Spiels. Zu dieser Erkenntnis kommt die Technische Studiengruppe (TSG) des Weltverbandes FIFA, der unter anderem der deutsche Trainer Holger Osieck (Nationaltrainer Australiens) und Carlos Alberto Parreira (Ex-Nationaltrainer Brasiliens) angehören. "Die erfolgreichen Teams spielen von einem Strafraum zum anderen als Einheit", heißt es im Bericht der TSG zur WM 2010 in Südafrika, dazu komme "Flexibilität, gepaart mit einer gesunden Aggressivität und ausgefeilter Technik der Spieler".

Deutschland war innovativ

Und die Welt orientiert sich längst an diesen Paradigmen. "Die Nationalteams haben sich dem modernen Fußball angepasst", bestätigt Italiens Nationaltrainer Cesare Prandelli. Exemplarisch nennt der Taktik-Guru ein Land, das im vergangenen Jahrzehnt durch eine komplette Umstrukturierung vor allem in den Bereichen Technik und Taktik eine wahnsinnige Entwicklung genommen hat: "Ein Beispiel ist Deutschlands Nationalmannschaft, die den Mut bewiesen hat, stark auf Innovation zu setzen."

Bezeichnend dafür ist ein Leitsatz des Bundestrainers Joachim Löw, der den Puristen im Land böse aufgestoßen war: "Unsere Abwehrspieler müssen auf den Beinen bleiben." Grätschverbot. Damit ist die DFB-Elf längst kein Vorreiter mehr, nahezu jede Auswahl verzichtet mittlerweile auf das rauschende Tackling.

Brasilien ist deutsch und Deutschland brasilianisch

Auf den ersten Blick kurios, welches Land die Grätsche vor kurzem für sich entdeckt hat: Brasilien. Der Rekord-Weltmeister, der stets für Jogo Bonito, das schöne Spiel, stand, musste einsehen, dass Technik allein nicht mehr genügt. Jüngst beim Confed-Cup-Sieg arbeitete die Selecao geradezu Fußball, sodass man meinen könnte, Brasilien habe sich zu Deutschland entwickelt - und Deutschland zu Brasilien.

Doch laut des jüngsten TSG-Berichts hat die Nation längst nicht jeglichen Glanz verloren, der "kulturelle Einfluss" spiegele sich immer noch in der Spielerausbildung: "Die Südamerikaner produzieren weiterhin hochklassige Zehner", so die Studie zur laufenden U20-WM in der Türkei.

Afrika und Asien entwickeln sich schnell

Wiederum eine andere Entwicklung vollzieht sich derzeit im afrikanischen Fußball - die jedoch ebenfalls auf die Symbiose von Taktik, Technik und Physis abzielt. Nachdem man auf dem Schwarzen Kontinent lange nahezu allein von der Physis gelebt hatte, sind die spieltaktischen Fortschritte beispielsweise bei Afrika-Cup-Gewinner Nigeria enorm.

Die Globalisierung greift hier auf andere Weise: Wie die TSG errechnete, haben 2010 85 Prozent der afrikanischen WM-Spieler bei europäischen Klubs unter Vertrag gestanden. Zudem wurden fünf der sechs Vertreter von ausländischen Trainern betreut. Doch trotz aller kontinent-übergreifenden Einflüsse behält auch der afrikanische Fußball eine seiner prägenden Eigenheiten: frei bewegliche Spieler, die mehr ihrem Instinkt vertrauen als taktischen Leitlinien.

In Asien ist Japan quasi aus dem Nichts in allen Bereichen nach vorne geprescht - auch dank vieler Bundesligaprofis. Schon bei den olympischen Spielen in London habe Japan "mit einer modernen Spielweise überzeugt", schrieb die TSG 2012 und zählte das Team des italienischen Spitzentrainers Alberto Zaccheroni gar zu den Titelkandidaten für die WM 2014. Kein Wunder: Das ehemals "kleine" Japan spielt mittlerweile auch wie die "Großen".

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