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Die Proteste in Brasilien haben auch die Stippvisite von Joachim Löw beim Confed Cup geprägt. Dennoch hat er wichtige Erkenntnisse gesammelt, die 2014 zum WM-Titel führen sollen.

Rio de Janeiro. Als sich am Samstag in Salvador da Bahia Brasilien und Italien zu einer weiteren Auflage dieses ewig jungen Fußball-Klassikers trafen, war Joachim Löwschon wieder weg. Bereits am Freitag verließ der Bundestrainer nach fünftägiger Bildungs- und Inspektionsreise das von Massenprotesten geprägte Gastgeberland der WM 2014 und die Region Bahia. Er hatte genug gesehen.

Auch Löw bekam die Demonstrationen hautnah mit. Doch dass es in Brasilien große soziale Probleme gibt, war nicht seine einzige und für Löw auch nicht die wichtigste Erkenntnis. Der Coach der DFB-Elf hat vielmehr wertvolle Erfahrungen gemacht, die helfen sollen, der Fußball-Nation nach 18 Jahren wieder einen großen Titel zu bringen. In der wichtigen Quartierfrage dagegen ist noch keine Entscheidung gefallen. Die soll nun zeitnah zu Hause getroffen werden.

"Es herrscht eine unglaubliche Stimmung"

Trotz der Massen-Demonstrationen auch gegen Confed Cup und WM war Löw bei seiner ersten Reise durch das flächenmäßig fünftgrößte Land der Erde "begeistert". Die Freude der Brasilianer am Fußball, sagte er dem SID, "ist etwas Wunderbares. Egal, wo man hinkommt: Die Stadien sind gefüllt, es herrscht eine unglaubliche Stimmung. Bei mir ist die Vorfreude auf die WM noch einmal extrem gestiegen."

Trotz der Proteste? Ja, sagte Löw. Doch auch er fühlte mit den Menschen auf der Straße. "Es ist schon verständlich, wenn die Leute für mehr Bildung und bessere Lebensbedingungen protestieren", sagte er. Deshalb unterstützten sein brasilianischer Trainerkollege Luiz Felipe Scolari und dessen Selecao die Demonstranten ja. Sorge, dass es 2014 erneut Proteste geben und die Sicherheit der DFB-Delegation gefährdet sein könnte, hat Löw nicht.

Logistische Schwierigkeiten drohen

Und das, obwohl die Proteste auch seine Reise störten. Als er am vergangenen Mittwoch nach kurzem Aufenthalt in der Region São Paulo mit seinem Assistenten Hansi Flick auf dem Weg zum Estadio Castelao in Fortaleza war, sei fast der Verkehr zusammengebrochen. Überhaupt hat Löw beobachtet, dass es in Brasilien "organisatorisch die eine oder andere Schwierigkeit" gibt. Die droht auch bei der WM - und ist nicht das einzige Hindernis auf dem Weg zum Titel.

Löws Mannschaft wird im Falle der Qualifikation zwar als einer der Gruppenköpfe gesetzt sein, muss aber dennoch allein in der Vorrunde zu drei verschiedenen Spielorten und möglicherweise auch durch mehere Klimazonen reisen. Was das bedeutet, spielte Löw schon einmal durch. In fünf Tagen jettete er zunächst nach Sao Paulo, dann nach Fortaleza, schließlich nach Salvador. Dort traf er auf Manager Oliver Bierhoff, der in der Region auf Quartiersuche war. Strapaziös war das, dabei war Löw selbst gar nicht auf dem Platz gefordert.

Klima erfordert taktisches Umdenken

Was dort 2014 für Probleme lauern, von den Gegnern gar nicht zu reden, erlebten etwa die Italiener bei ihrem erschöpfenden 4:3 gegen Japan in Recife. Auf die mitunter extrem hohe Luftfeuchtigkeit im brasilianischen Winter müsse man "sich einstellen, auch taktisch", sagte Löw. Die Süd- und Mittelamerikaner hätten da Vorteile, "aber ich mache mir da keine großen Sorgen, wir haben vor dem Turnier ja auch ein bisschen Eingewöhnungszeit vor Ort". Dieser Phase komme große Bedeutung zu, für Löw sind "gute körperliche Voraussetzungen entscheidend" für den Erfolg.

Insgeheim glaubt Löw, dass sein Team von den Herausforderungen sogar profitieren kann. Er habe bei der "Mini-WM" beobachtet, "dass man nur spielerisch eine Chance hat" - also so, wie er das Spiel seiner Mannschaft versteht. "Wir werden sicher nicht unseren Spielstil umstellen können", sagte er deshalb, "sondern wir müssen versuchen, ihn auf den Platz zu bringen." Schnelles Umschalten, zügiger Torabschluss - darauf werde es in Brasilien ankommen.

Noch keine Entscheidung für ein Quartier

Die Voraussetzungen dafür werden bereits bei der Quartierwahl gelegt. Der DFB bewies dabei zuletzt immer ein glückliches Händchen. Wohin es gehen soll, da konnte sich Löw noch nicht entscheiden. Die Reiseplanung lässt aber darauf schließen, dass Salvador oder die Region Sao Paulo den Zuschlag bekommen wird.

Doch egal, ob Touristen- oder Finanzmetropole: Am Ende, auch das hat Löw im fußballverrückten Brasilien wieder gespürt, zählt nur der Titel.

EURE MEINUNG: Kann die DFB-Elf den Titel bei der WM in Brasilien holen?

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