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Der Confed Cup ist ein Testlauf für die WM - sportlich, für die Organisatoren und für die "Geheimpolizei" der FIFA.

Rio de Janeiro. Spieltag beim Confed Cup. Die Fans feiern schon lange vor der Begegnung in Brasiliens Fußball-Tempel Maracana auf den Straßen, das Wetter im beginnenden brasilianischen Winter passt ja. Aus Sicht eines Mitteleuropäers: Es ist heiß! Dazu kommt noch die Luftfeuchtigkeit. 74 Prozent! Es muss etwas zu trinken her, gerne ein Bier, am liebsten "estupidamente gelada", kalt wie blöd, so wie es der Brasilianer trinkt. Wie gut, dass Mario in seiner Bar direkt gegenüber dem Maracana welches im Angebot hat. Dazu zwei mit Hackfleisch gefüllte Teigtäschchen im Straßenverkauf für fünf Reais (etwa 1,70 Euro). Lecker! Aber was sagt die FIFA dazu?

Marios Kneipe liegt keine 150 Meter von den Tribünen des Maracana entfernt und damit locker innerhalb der Bannmeile des Weltverbandes. In diesem Bereich ist bei Confed Cup und WM 2014 alles verboten, was nicht von der FIFA genehmigt wurde. Natürlich auch Demonstrationen, aber nicht nur: Dass Mario Bier verkauft, das nicht vom offiziellen Sponsor der FIFA gebraut wurde, kann der Marketing-"Geheimpolizei" der FIFA nicht gefallen. Und doch: Sie toleriert es. Weil sie muss.

"FIFA kümmert sich vor allem um ihre Sponsoren"

"Die FIFA ist eine private Institution, die sich vor allem um die Interessen ihrer Sponsoren kümmert", sagt Sportminister Aldo Rebelo. Die Regierung aber habe "die öffentlichen und nationalen Interessen zu wahren". Dazu gehört, dass der kleine Mann vom Milliardengeschäft etwas hat. Naja, ein bisschen was.

Rebelo und seine Mitstreiter haben der FIFA abgerungen, dass der eine oder andere Brasilianer im Umfeld der Stadien verdienen darf. In Salvador dürfen sie nach zähem Kampf traditionelle Acaraje-Kroketten verkaufen. Auch Mario hat Frittiertes im Angebot. Und vor der Arena in Fortaleza bietet ein Restaurant Mittagessen für 8,50 Reais (drei Euro) an, ein Getränk inklusive. In den Stadien muss der Fan allein für die Brause des FIFA-Sponsors sechs Reais (zwei Euro) berappen.

Doch nicht überall ist die FIFA so generös. Die Polizei in den Spielorten ist angehalten, an Spieltagen rigoros gegen fliegende Händler vorzugehen. Die "vendedores ambulantes" bieten ihre Waren meist in einer Art Einkaufswagen feil. In eigens montierten Boxen aus Styropor lagern gekühlte Getränke, zudem führen sie Kaugummis oder Süßkram. Laut FIFA erschweren sie durch ihre bloße Anwesenheit den Zugang zum Stadion und sind deshalb ein Sicherheitsrisiko.

Teils skurrile Szenen

Noch weniger Spaß versteht die FIFA, wenn es um das offizielle Logo, das Maskottchen, die WM-Trophäe oder um Begriffe wie 'Brazil 2014' und 'Copa 2014' geht. Die sind der FIFA, dem OK und Sponsoren vorbehalten. "Wer auf Kosten der FIFA mit unseren Wettbewerben Geld verdienen will, wird von uns verfolgt", sagt FIFA-Marketing-Direktor Thierry Weil.

Das führte in der Vergangenheit zu skurrilen Szenen. Bei der WM 2006 in Deutschland und 2010 in Südafrika mussten Fans ihre Kleidung abgeben. Weil: "Wenn Sie so Aufmerksamkeit für einen Nicht-Sponsor wecken wollen, können Sie nach der Einlasskontrolle gebeten werden, den Firmennamen abzudecken oder ihr Kleidungsstück zu hinterlegen."

Die FIFA macht es beim Confed Cup selbst vor: Der Markenname auf den Fernsehschirmen, die den Reportern aus aller Welt in den Stadien die Berichterstattung erleichtern sollen, ist überklebt. Die Firma, die die Technik stellt, ist kein FIFA-Sponsor.

Dass Besitzer kleiner Läden wie Mario bleiben dürfen, verkauft die FIFA als großmütige Geste. Weil sagt stolz: "Die können von der WM profitieren!" So lange sie keine Fahnen mit WM-Pokal verkaufen.

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