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Der vorzeitige Halbfinal-Einzug des Gastgebers Brasilien beim Confed Cup hatte viele Facetten: emotionale, gewalttätige, patriotische. Und ein Gesicht: Neymar.

Fortaleza. Die Fans sangen ihren Stolz, Brasilianer zu sein, lauthals heraus - Superstar Neymar und seine Teamkollegen stimmten am Mittelkreis Hand in Hand mit ein: "Eu sou brasileiro, com muito orgulho!" Ob auf dem Rasen oder auf der Tribüne, alle genossen den Moment der Verbundenheit, des gemeinsamen Sieges nach dem 2:0 (1:0) beim Confed Cup gegen Mexiko. "Ich bin Brasilianer, voller Stolz!"

Mit dem vorzeitigen Halbfinal-Einzug ist die Fortsetzung bis zum Turnierschluss am 30. Juni garantiert. Ein Fußballspiel, auf das Proteste mit Gewalt-Exzessen unweit der Arena Castelão in Fortaleza einen Schatten legten, wurde zur Demonstration des Nationalstolzes. Auf die Seleção, die wieder patriotisches Gut wird, auf Neymar, der endlich im kanariengelben Trikot zaubert, auf die jungen Leute, die überall im Land Schilder tragen.

"Der Gigant ist erwacht"

Auf einigen ist zu lesen: "O gigante acordou - Der Gigant ist erwacht." Das gilt auch für Neymar, den Jungstar mit der Nummer 10, dessen Dienste der FC Barcelona sich 57 Millionen Euro kosten ließ. "Neymar ist einer der drei besten Spieler der Welt, und das mit 21 Jahren. Fantastisch", lobte Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari. Angesichts zweier Meisterwerke seines Schülers - ein Tor per sehenswertem Volleyschuss (9.) und ein freches Dribbling vor dem Pass zum 2:0 durch Jo (90.+3) - legte er sich fest: "Jetzt ist seine Zeit gekommen."

Doch die Partie war mehr als eine One-Man-Show. Es waren die 50.791 meist in Gelb gekleideten Zuschauer, die an diesem schwül-warmen Nachmittag das "Wir sind das Volk"-Gefühl von den Straßen ins Stadion trugen. "Brasilien hat heute das Spiel schon bei der Hymne gewonnen", sagte WM-Rekordtorjäger Ronaldo. Als die Musik vom Band abbrach, sangen die Fans demonstrativ weiter, bis zum finalen Vers "Pátria amada, Brasil" - Geliebtes Vaterland, Brasilien.

Dante: "Einfach alles geil"

Triple-Gewinner Dante von Bayern München, der auf der Bank die Stimmung genoss, fand "einfach alles geil". Und Klubkollege Luiz Gustavo, über 90 Minuten einer der Verantwortlichen dafür, dass Brasilien zum dritten Mal in Folge (inklusive des Testspiels gegen Frankreich) zu Null spielte, meinte gar: "Der Sieg gehört dem brasilianischen Volk, das uns unterstützt, mit uns leidet."

Scolari fand aber dann doch noch ein Haar in der Suppe. "In einigen Momenten waren wir nicht aufmerksam genug", bemängelte der 64-Jährige und deutete Personaländerungen für das prestigeträchtige Duell um den Gruppensieg am Samstag gegen Italien an. Der Vize-Europameister qualifizierte sich mit einem 4:3 gegen Japan ebenfalls vorzeitig für das Halbfinale.

Luiz und Paulinho drohen auszufallen

Auf brasilianischer Seite drohen David Luiz (Verdacht auf Nasenbeinbruch) und Paulinho (linkes Fußgelenk verdreht) auszufallen. Jo machte mit seinem zweiten Tor Werbung in eigener Sache. "Wer reinkommt und die Erwartungen erfüllt, pflanzt schon einen kleinen Samen", philosophierte der Weltmeister-Coach Scolari vielsagend.

Sein mexikanischer Kollege muss dagegen um seinen Job bangen. "Ein Ergebnis untergräbt nicht ein ganzes Projekt. Die Verbandsführung gibt mir Rückendeckung und die Spieler auch", verkündete der in die Schusslinie geratene Coach José de la Torre. Er vergaß dabei wohl, dass es von Januar bis heute in elf Länderspielen nur einen Sieg bei acht Unentschieden und jetzt zwei Niederlagen in Folge gab. Die Bilanz kann am Samstag zum Vorrundenabschluss gegen Japan trotz der Bedeutungslosigkeit der Partie immerhin aufpoliert werden.

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