thumbnail Hallo,

Confed-Cup: Drohnen, Strandverkäufer und Wirbel um Maracana

Unbemannte Luftfahrzeuge, ein chancenloser Inselstaat und jede Menge Ärger um das Finalstadion: Der Confed-Cup bietet Gesprächsstoff satt. 5 Fakten zur WM-Generalprobe in Brasilien

Brasilien. Der Confed Cup 2013 soll zur gelungenen Generalprobe für die WM-Endrunde 2014 in Brasilien werden. Die Gastgeber haben sich viel vorgenommen: Neue Torlinientechnik und fliegende Drohnen sollen für mehr Fairness und Sicherheit sorgen.

Während Japan eine Bundesliga-Auswahl ins Rennen schickt, wartet auf Tahitis Amateurteam ein unvergessliches Abenteuer. Dazu: Der Confed-Fluch und Wirbel um Maracana - fünf Fakten zum Turnier.

Der Underdog: "Wer wusste vorher schon, dass Tahiti ein Fußballteam hat", fragte Angreifer Steevy Chong Hue vor dem Debüt seines Landes beim Confed-Cup. Der 138. der FIFA-Weltrangliste qualifizierte sich bei der Ozeanien-Meisterschaft durch einen 1:0-Endspielsieg gegen Neukaledonien sensationell für seinen ersten großen Auftritt auf der Bühne des Weltfußballs und bekommt es in Gruppe B nun mit Spanien, Nigeria und Uruguay zu tun. Statt wie gewohnt vor 200 Zuschauern zu spielen, darf sich das aus Strandverkäufern und Arbeitslosen bestehende Amateurteam nun in Rio vor womöglich 80.000 Zuschauern präsentieren.

Mit dem 33-jährigen Angreifer Marama Vahirua vom griechischen Klub Panthrakikos Komotini steht der No-Name-Truppe dabei lediglich ein Profi zur Verfügung. Die jüngsten Testspiele verhießen für den Inselstaat aus sportlicher Perspektive dementsprechend auch nichts Gutes: Einem 0:1 gegen den brasilianischen Zweitligisten America Mineiro folgte eine 0:7-Klatsche gegen Chiles U-20-Auswahl. Coach Eddy Etaeta sieht den Wettbewerb daher als einmaliges Abenteuer an: "Auf dem Weg hierher sind meine Spieler zum ersten Mal in ihrem Leben Business Class geflogen. Viele waren noch nie auf einem anderen Kontinent oder haben vor der Presse gesprochen. Daher habe ich ihnen gesagt: Ihr erlebt jetzt ein Märchen, aber schnappt nicht über, denn es endet auch wieder."

Fortschritt durch Technik? Bei Brasiliens organisatorischer WM-Generalprobe wird es diverse technische Neuheiten zu bestaunen geben. Eine der wesentlichen Errungenschaften wird dabei die Torlinientechnologie der deutschen Firma "GoalControl" sein, die beim Cup zum Einsatz kommt.

Sieben Hochgeschwindigkeitskameras auf jeder Spielfeldseite sind dabei mit einem Kontrollraum verbunden, in dem ein System die genaue Position des Spielgeräts ermittelt. Landet der Ball hinter der Torlinie, wird der Schiedsrichter innerhalb einer Sekunde mit einem Signal auf seiner Armbanduhr informiert. Fehlentscheidungen wie Frank Lampards aberkanntes "Wembley Tor" bei Englands 1:4-Pleite im WM-Achtelfinale 2010 sollen damit der Vergangenheit angehören.

Auch beim Thema Sicherheit beschreitet der Confed-Cup neue Wege: Die brasilianische Regierung will beim Turnier erstmals Drohnen einsetzen, die sowohl bei der Eröffnungs- als auch bei der Schlussfeier über den Stadien in Rio de Janeiro und Brasilia patroullieren sollen. Durch ein Radarsystem und hochauflösende Kameras sollen verdächtige Bewegungen von Fahrzeugen und Personen rund um die Stadien erspäht werden.

Bundesliga goes Brasilien: Zwar findet der Confed-Cup ohne das DFB-Team statt, eine gehörige Portion Bundesliga wird in Brasilien aber dennoch zu sehen sein. Vor allem die Japaner gehen mit zahlreichen Deutschland-Legionären an den Start: Mit Makoto Hasebe (Wolfsburg), Shinji Okazaki und Goku Sakai (beide Stuttgart), Atsuto Uchida (Schalke), Hiroki Sakai (Hannover) sowie Takashi Inui (Frankfurt), Nürnbergs Hiroshi Kiyotake und Hertha-Neuzugang Hajime Hosogai stehen neben Ex-Dortmunder Shinji Kagawa gleich acht Bundesliga-Kicker im Kader der Blue Samurai.

Mit Javi Martinez (Spanien), Luiz Gustavo und Dante (beide Brasilien) sind zudem drei Triple-Sieger vom FC Bayern München am Start. Dazu gesellen sich Bremens Joseph Akpala und Köln-Profi Anthony Ujah, die für Nigeria auf Torejagd gehen.

Wirbel um Maracana: Für Negativschlagzeilen sorgte im Vorfeld der WM-Generalprobe vor allem das Maracana-Stadion von Rio de Janeiro. Wegen fehlender Sicherheit für das Publikum drohte die am 1. Juni ausgetragene Partie zwischen Gastgeber Brasilien und England (2:2) kurzfristig abgesagt zu werden. Eine Richterin hatte die Austragung zunächst untersagt, eine zweite gerichtliche Instanz hob die Entscheidung nur wenige Stunden danach jedoch wieder auf. Für weiteren Ärger sorgt nun eine Klagewelle von 4500 Mitinhabern des Stadions, die trotz ihres bestehenden Sitzplatzrechts sowohl beim Confed-Cup als auch bei der WM 2014 auf ihre angestammten Plätze verzichten müssen, um so Platz für zahlende Ticketkäufer zu machen.

Im Jahre 1950 waren eben diese 4500 Sitzplätze zur unbegrenzten Nutzung für einen unbegrenzten Zeitraum verkauft worden, um so den Bau der Arena zu finanzieren. In ersten Verfahren bekamen die Kläger recht, die brasilianische Regierung nahm diese Entscheidungen in diversen Revisionsverfahren jedoch wieder zurück, obwohl das Recht der Platzeigner laut Vertrag auch für sämtliche Sportveranstaltungen und Konzerte gilt . Die für viele unverständliche Begründung: Es drohe ein Verlust von Ansehen. Am 30. Juni steigt im Maracana das Finale des Cups - so wie es aussieht ohne die Eigner der 4500 Plätze.

Der Confed-Fluch: Was haben alle bisherigen Sieger des Confederation Cups gemeinsam? Nicht einer von ihnen holte nach der erfolgreichen WM-Generalprobe auch den Titel in der folgenden Endrunde. Besonders schmerzlich musste das bislang Brasilien erfahren, das mit seinen drei Triumphen (1997, 2005, 2009) zwar Rekordchampion ist, seine letzten WM-Siege jedoch ausgerechnet 1994 und 2002 feierte - also in den Jahren, in denen man beim Confed-Cup weniger erfolgreich abschnitt.

Auch Frankreich brachte der Gewinn des Pokals bislang wenig Glück: Nach dem ersten Triumph 2001 schied man bei der WM im Folgejahr sang- und klanglos als Gruppenletzter in der Vorrunde aus. Auch der Heimsieg beim Confed Cup 2003 verhieß nichts Gutes für die Equipe Tricolore: Im folgenden Jahr war bei der EM bereits im Viertelfinale gegen den späteren Turniersieger Griechenland Schluss.

EURE MEINUNG: Wir der Confed-Cup ein Happening oder regieren Pleiten, Pech und Pannen?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf
oder werde Fan von Goal.com auf !

Dazugehörig