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DFB-Elf: Viele Optionen für Jogi Löws Problemposition Innenverteidigung

Seit Amtsantritt von Joachim Löw lief zu den großen Turnieren immer eine andere Innenverteidiger-Kombination auf. Wer schafft 2014 zur Weltmeisterschaft in Brasilien den Sprung?

Nürnberg. Die Zeiten, in denen sich Innenverteidiger-Paare bei der deutschen Nationalmannschaft über einen Zeitraum von Jahren herauskristallieren, scheinen vorbei. 2008 schenkte Bundestrainer Joachim Löw noch einem anderen Duo das Vertrauen als 2010. Bei der Euro 2012 waren es dann zwei ganz neue Akteure, die Löw ins defensive Zentrum berief. Wer hat aktuell die Nase vorne? Und wer darf sich Hoffnungen auf einen Aufstieg bis zum kommenden Sommer machen? Goal.com beleuchtet die aktuelle Situation.

Die aktuellen Stammspieler: Mats Hummels und Holger Badstuber

Bei der EM 2012 mehr oder minder zusammengewürfelt, präsentierten sich der Dortmunder und der Münchner als solides Duo. Hummels, der in der vorangegangenen Bundesliga-Saison den endgültigen Aufstieg geschafft hatte, überzeugte bei der EM durch überzeugendes Stellungsspiel, mutigen Spielaufbau und eine beeindruckende Unbekümmertheit. Badstuber durfte, im Gegensatz zu 2010 (damals hinten links) das Turnier zu Ende spielen.

Auch bei den Münchnern hat sich Badstuber mittlerweile zur festen Größe entwickelt. Bei den Finaleinzügen in der Champions League 2010 und 2012 war der Youngster fester Bestandteil des harmonierenden Teams. Er hatte sich in München und beim DFB festgespielt – bis ihn ein Kreuzbandriss Anfang Dezember stoppte. Wie stark Badstuber zurückkehrt, ist fraglich. Sein Vorteil ist allerdings: er hat noch ein Jahr Zeit, wieder in Form und Formation zu kommen. Das sollte machbar sein.

 Für Hummels wechselten sich in dieser Saison Licht und Schatten ab. Galaspiele wechselten sich mit haarsträubenden Fehlern ab, auf Glanz folgte Grauen. Der Dortmunder scheint aus dem Kreis der Innenverteidiger das größte Potenzial aufbieten zu können. Wenn er bis 2014 lernt, Effizienz über Spektakel zu stellen und das Maximum aus seinem Talent herausholt, führt an Abwehrchef Hummels kein Weg vorbei.

Die ersten Alternativen: Benedikt Höwedes und Per Mertesacker

Sollten beide Stammspieler nicht zur Verfügung stehen, wie das für den aktuellen Doppelpack gegen Kasachstan der Fall ist, kommen Benedikt Höwedes und Per Mertesacker ins Spiel. Auf sie setzte Löw zuletzt beim 0:3 in Kasachstan. Wird der Schalker fit, dürfte das Duo auch in Nürnberg wieder auf den Rasen.

Doch wie sehen die Perspektiven für das Duo aus? Benedikt Höwedes ist jung und vielseitig, spielte auch schon auf der linken und der rechten Verteidigerposition. Als Stammspieler und Kapitän des Champions-League-Teilnehmers Schalke sammelt Höwedes auch als Führungsspieler wichtige Erfahrungen. Mit seiner Vielseitigkeit und einer Menge Potenzial ist der Knappe sicherer WM-Fahrer 2014. Ob es dort schon für die Startformation reicht, ist allerdings ungewiss.

Wesentlich enger begrenzt wirken da die Chancen von Mertesacker, der 2006, 2008 (jeweils mit Metzelder) und 2010 (mit Friedrich) als Innenverteidiger für die DFB-Elf gesetzt war. Vor der EM im vergangenen Sommer entschied sich Löw dann für Hummels statt Merte – und beerdigte damit vorerst alle Hoffnungen des Arsenal-Verteidigers. Aktuell steht der Hüne als Alternative bereit – und setzt sich auch ohne zu murren auf die Bank. Dabei sollte es bis zur WM auch bleiben.

Notnagel: Jerome Boateng und Heiko Westermann

Ebenfalls unterschiedliche Situationen gibt es für Jerome Boateng und Heiko Westermann. Während Boateng sich nach vielversprechendem Anlauf der Nationalmannschaftskarriere, dürfte der Hamburger Westermann in der Nationalmannschaft nur noch ein Füllspieler sein.

Sowohl 2010 als auch 2012 stand Boateng in der DFB-Elf in der Startformation - doch nie auf der angestammten Wunschposition. Lief er in Südafrika als Linksverteidiger auf, war er in Polen und der Ukraine als Rechtsverteidiger gefordert. Das Ziel bleibt weiter das Defensivzentrum. Boateng gilt als vielseitiger Spieler mit tollen Anlagen. Er ist dynamisch, zweikampf- und kopfballstark. Sich häufende Aussetzer machten ihm zuletzt einen Strich durch die Rechnung. Der Trend ist aktuell nicht Freund von Boateng, der Geduld wahren muss.

Eher geringe Aussichten auf eine WM-Teilnahme 2014 dürfte Heiko Westermann haben. Zwar wurde der Hamburger zuletzt für die Länderspiele gegen Irland, Schweden und Kasachstan (2x) nominiert, doch war dies eher eine Notlösung. Mit Hummels, Badstuber, Mertesacker, Boateng und Höwedes gibt es innen genug junge Qualität. Westermann dürfte im Hinblick auf die WM wohl eher ein Auslaufmodell darstellen.

 

Neue Hoffnungen: Philipp Wollscheid und Matthias Ginter

Hatten die bisherigen sechs Akteure alle schon ihre Einsätze und Nominierungen unter Jogi Löw, handelt die letzte Kategorie von zwei Spielern, die sich bisher nur auf nationaler Ebene durchgesetzt und etabliert haben. Die Rede ist von Philipp Wollscheid (24) und Matthias Ginter (19)

Wollscheid wechselte vor der Saison von Nürnberg nach Leverkusen, um internationale Erfahrungen zu sammeln. Auf Anhieb setzte sich der 24-Jährige durch und wurde im Rheinland zum gesetzten Abwehrchef. Löw thematisierte Wollscheid bislang aber nicht. Kann dieser weiter an seine Leistungen anknüpfen und in der Saison 2013/2014 auch international überzeugen, könnte ihm das Ticket nach Brasilien winken. Mehr aber auch nicht.

Anders sieht die derzeitige Situation bei Ginter aus. Der 19-Jährige mausert sich zwar in extrem jungen Jahren zur Konstanten bei einem aufsteigenden Verein, ein Kandidat für die Nationalelf dürfte er allerdings für 2014 noch nicht sein. Derweil wird derzeit eher diskutiert, ob Ginter von U20 zur U21 hochgezogen werden soll. Langfristig gehört dem Freiburger sicher die Zukunft. 2016 oder 2018 wird man dann kaum noch an Ginter vorbeikommen. Sofern dieser an seine derzeitigen Leistungen konstant anknüpfen kann.    


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