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Spielbericht WM-Qualifikation CONMEBOL: Argentinien - Brasilien
Das Spiel der Spiele stand an und Brasilien hatte zuvor noch nie ein Qualifikationsspiel auf argentinischen Boden gewonnen – aber jede Serie hat bekanntlich ein Ende.
Von Christoph VOGEL
Rosario. Mit 1:3 (0:2) verlor Argentinien das traditionsreiche Duell gegen Brasilien und musste somit einen weiteren Dämpfer in der WM-Qualifikation hinnehmen. Die Elf von Trainer Maradona fand durch eine gut aufgestellte Hintermannschaft Brasiliens keine Wege und patzte vor dem eigenen Kasten. Die Mannschaft von Carlos Dunga hingegen feierte nach Spielschluss das Erreichen der Endrunde.
PERSONAL & TAKTIK
Diego Maradona ließ seine Elf mit einem klassischen 4-4-2 auflaufen mit einer Doppel-6 vor der Abwehr. Routinier Verón übernahm den etwas defensiveren Part, während sich Mascherano mehr in der Offensive zeigen sollte. Im Angriff spielte Carlos Tévez neben Lionel Messi.
Brasiliens Innnenverteidigung bildeten die beiden 'Ls', nämlich Lucio und Luisao. Maicon von Meister Inter Mailand und Felipe Melo von Juventus Turin bildeten eine italienische rechte Außenbahn, während Robinho und Luis Fabiano im Angriff agierten. Superstar Kaká ordnete sich eher auf Links ein, während Elano und Thiago Silva vor der Abwehr agierten. Auf der Bank: Der in die Heimat zurückgekehrte Adriano.
SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE
In einer lautstarken Atmosphäre hatte Argentinien den etwas besseren Beginn: Nachdem Julio César im Tor der Brasilianer schon früh die erste Gefahr in Form von Tevez bannen musste (2.), versuchte sich auch Messi mit einem Schuss aus 20 Metern, dem es aber noch an Genauigkeit fehlte (12.). Brasilien begann bedächtig und wartete erst einmal ab, während der Gastgeber mehr Spielanteile besaß. Der Superstar vom FC Barcelona hatte nach gut 20 Minuten eine weitere Chance: Messi bahnte sich seinen Weg durch unzählige Beine der Brasilien-Hintermannschaft und konnte im letzten Moment von Luisao geblockt werden (19.).
Die Selecao hatte sich die Lage nun genug angesehen – und schlug zu: Elano brachte einen Freistoß punktgenau in den Strafraum zu Luisao, der da sträflich alleingelassen zum 0:1 in die lange Ecke einköpfen konnte (23.). Argentinien ließ sich den Schock nach dem Gegentor anmerken und bemühte sich in Form vom erfahrenen Veron, den Rückstand zu verdauen. Doch bevor dies so richtig geschehen konnte, schlug Brasilien ein zweites Mal zu: Ein Freistoß wurde abgefälscht und Argentinien bekam den Ball nicht unter Kontrolle, sodass Melo aus kurzer Distanz abziehen konnte. Anduja ließ das Leder nach vorne abprallen und Luis Fabiano stand da, wo ein Stürmer stehen muss und markierte das 2:0 (31.).
Die Zuschauer auf den Rängen mussten schlucken, um den erneuten Schlag zu verkraften. Balsam für die Seele hätte Maxi Rodriguez besorgen können, aber nach Pass von Tevez reagierte Julio Cesar gedankenschnell und parierte dessen Ball (38.). Einen weiteren Gegentreffer wollte sich die Albiceleste nicht einfangen und machte das Spiel in der eigenen Hälfte sehr eng. Resultat war, dass sich nur wenig Platz für die schnellen Spieler bot und Brasilien mit der körperlich robusten Abwehr gut dagegen halten konnte. Vor der Pause hätte der Rekordweltmeister gar noch einmal das Ergebnis hochschrauben können, doch Anduja parierte dieses Mal stark gegen einen Kopfball von Luis Fabiano (43.). Mit dem 0:2 ging es dann in die Kabinen.
SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE
Zu Beginn der zweiten Hälfte brachte Maradona Kun Agüero für Maxi Rodriguez und damit eine frische Offensivkraft. Deutlich war, dass sich Argentinien noch längst nicht aufgegeben hatte und weiter den Weg in Richtung des gegnerischen Tores suchte. Knapp war es, als Agüero die Hereingabe von Tevez verpasste und am Ball vorbeirutschte (52.). Argentinien kombinierte bis zum Strafraum gefällig, doch Brasiliens Hintermannschaft stand sehr kompakt und massiert, sodass ein Durchkommen schwierig war. Die Albiceleste probierte es zu selten über die Außen und versuchte stattdessen durch die Mitte zum Erfolg zu kommen.
Messi tat sich als echter Führungsspieler hervor und forderte stets den Ball, jedoch waren die Räume meist zugestellt und immer mindestens ein Gegenspieler dem Mann vom FC Barcelona auf den Fersen. Brasilien verlegte sich aufs Kontern und probierte es auch mal aus der Distanz: Luis Fabiano zog ab, verfehlte aber links den Kasten von Keeper Andujar (64.). Bald schon sollte jedoch das Stadion erbeben, denn Jesus Datolo sorgte mit einem Traumtor für den Anschlusstreffer: Der Mann vom SSC Neapel hielt aus gut und gerne 20 Metern einfach mal drauf und bugsierte den Ball ohne Chance für Julio Cesar zum 1:2 in die Maschen (66.). Der Jubel hatte sich noch nicht gelegt, da schlug Brasilien erbarmunglos zurück: Kaká passte wunderbar in den Lauf von Fabiano, der mit einem Heber aus vollem Lauf über den herausstürmenden Andujar mit seinem zweiten Treffer an diesem Abend das postwendende 1:3 erzielte (68.).
Argentinien reagierte auf diesen erneuten Rückschlag mit wütenden Angriffen. Spielstark bahnten sich die Mannen in Blau-Weiß den Weg in Richtung Tor, doch im Abschluss fehlten die entscheidenden Prozente. Der eingewechselte Milito erhielt die Riesenchance, doch schön im Strafraum freigespielt versagten ihm freistehend vor Julio Cesar die Nerven und er brachte den Ball nicht im Tor unter (73.). Der Wille war beim Gastgeber deutlich erkennbar und auch die Ansätze waren gut, doch Argentinien versuchte es immer noch stets durch die Mitte, wo einfach kein Durchkommen war und die Flügel waren eine spielerische Grauzone.
Die Zeit lief Argentinien in der Folge davon und die Aktionen litten mehr und mehr der aufkommenden Hektik und Nervosität. Nickeligkeiten und kleine Fouls häuften sich und ließen kaum Spielfluss aufkommen. Im Spiel nach vorne packte Argentinien die Brechstange aus und rannte nunmehr mit wenig Plan an, doch Brasilien hatte alles im Griff und nur wenig Probleme. Es kam im Endeffekt einfach zu wenig, um die stabile Hintermannschaft Brasiliens noch einmal ernsthaft in Gefahr zu bringen, sodass Diego Maradona gegen Ende mit versteifter Miene am Seitenrand stand und den Schlusspfiff beim Endstand von 1:3 erleben musste. Unter Pfiffen der Fans feierte Brasilien die Fahrkarte nach Südafrika.
SCHLÜSSELSPIELER
Elano und Silva räumten vor der Abwehr ab, was es abzuräumen gab und machten den Argentiniern das Leben schwer. Das Innenverteidigerpaar Lucio und Luisao hielt bei hohen Bällen die Gefahr vom eigenen Tor fern und war auch am Boden gegen die quirligen Angreifer auf dem Posten. Bei Argentinien überzeugte Messi, der stets anzutreiben versuchte, jedoch allzu oft den Weg durch die zugestellte Mitte suchte.
SCHLÜSSELSZENE
Der postwendende Gegenschlag durch Fabiano nach der Pause ließ erst gar kein Wiederauferstehen Argentiniens zu. Datolo hatte zuvor mit einem wunderbaren Fernschuss den Anschlusstreffer erzielt, der Angreifer Brasiliens aber zeigte sich nervenstark und technisch versiert und brachte den Ball im Tor von Andujar unter.
SPIELER DES SPIELS: Luis Fabiano
Mit seinen beiden Toren erlegte der Brasilianer die Albiceleste fast im Alleingang. Besonders sein zweiter Treffer kam zu einem psychologisch perfekten Zeitpunkt, als er direkt nach dem Anschlusstreffer technische Klasse zeigte und mit einem klasse Heber zum 1:3 traf.
SCHIEDSRICHTER – NOTE: 7
Anmerkung: Die Notenskala reicht wie bei der Spielnote von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).
Oscar Ruiz aus Kolumbien vergab früh zwei gelbe Karten für Brasilien und ließ sich dabei von den Worten von Weltstar Kaka nicht beeindrucken. Diesem zeigte er prompt Gelb für Meckern und setzte ein Zeichen für den Rest der Partie. Ruiz ließ sich von der Atmosphäre nicht abschrecken und pfiff solide ohne einen großen Fehler.
SPIELNOTE: 6
Die Historie und allein der Flair rund um das Superclasico garantierten im Vorfeld alleine schon eine Mindestnote im mittleren Bereich, doch das Spiel selber bot zwar einige Tore, jedoch nur wenig spielerische Glanzpunkte.
STATISTIK
Anstoß: Sonntag, den 06. September um 2.30 Uhr
Stadion: El Gigante De Arroyita, Rosario
Zuschauer: ca. 40.000
Tore: 0:1 Luisao (23.), 0:2 Fabiano (30.), 1:2 Datolo (64.), 1:3 Fabiano (66.)
FAZIT
Während Argentinien sich glücklos im Angriff zeigte und taktisch einige Fehler aufwies, feierte Brasilien am Ende nicht unverdient das Ticket für die WM in Südafrika. Die Abwehr der Albiceleste patzte einige Male und konnte auch den Anschlusstreffer nicht für eine Aufholjagd nutzen. Carlos Dunga kann das Hotel für Südafrika buchen, während Maradona sich nach dem Spiel einiger Kritik wird stellen müssen.
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