Brasilien beendet Leidenszeit – und Maradona gibt den Beckenbauer

Der Rekord-Weltmeister Brasilien gewann zum ersten Mal nach einer gefühlten Ewigkeit wieder in Uruguay und in Buenos Aires stürmt Maradona die Kabine. Paraguay indes leistete sich eine überraschende Pleite gegen Chile.

Robinho - Maximiliano Pereira - Brazil-Uruguay (Mexsport)

Von Christoph VOGEL

Montevideo. Als der Schlusspfiff ertönte, war der Fluch gebrochen: seit dem 25. Februar 1976 hatte Brasilien nicht mehr in Uruguay gewinnen können – nach nun 33 Jahren war es wieder soweit. Mit 4:0 fiel der Sieg deutlicher aus als der Erfolg Argentiniens, die Kolumbien deutlich mehr Mühe hatten. Zur Pause nahm Maradona beim Stand von 0:0 die Initiative an sich und gab dem Team in der Kabine einen regelrechten Einlauf.

„Fußball ist nicht treten“

Dani Alves und Juan vor der Pause sowie Luis Fabiano und Kaká per Elfmeter nach dem Wiederanpfiff besiegelten die Niederlage Uruguays, die über weite Strecken des Spiels mehr druch Härte als durch spielerische Gegenwehr auffielen. „Das war nicht mein größter Sieg, sondern der der Spieler,“ gab sich Nationaltrainer Dunga bescheiden nach dem Schlusspfiff. Egal wem der Sieg jetzt auch gebührt, ein historischer ist es jedenfalls: Nach acht Niederlagen und neun Unentschieden hatte es endlich wieder zu einem Erfolg gereicht. Zur harten Gangart des Gegners fand der Ex-Stuttgarter jedoch klarere Worte: „Unsere Spieler haben Willen, Kampfkraft und Technik gezeigt. Fußball ist nicht treten, sondern spielen,“ so Dunga.

Maradona wird zum Orkan

Zur Pause noch gänzlich offen war die Partie Argentiniens gegen Kolumbien. Die Zuschauer in Buenos Aires waren mit höheren Erwartungen ins Stadion gegangen, denn sie hatten sich eine Wiedergutmachung für die bittere Pleite gegen Bolivien (1:6) erhofft. Auch Teamchef Maradona hatte sich mehr Einsatz seiner Elf gewünscht und stürmte in der Halbzeitpause wie einst Franz Beckenbauer im Spiel der Bayern gegen Lyon die Kabine und ließ seinem Ärger freien Lauf. Daniel Diaz war es dann, der in der zweiten Hälfte wenigstens das nackte Ergebnis noch zum Guten wendete. Vor den nächsten Aufgaben in Ecuador (10.6.) und gegen Brasilien (5.9.) wartet noch viel Arbeit auf Maradonna.

Chile vor Qualifikation

Während für Bolivien nach der 0:1 (0:1)-Niederlage gegen Venezuela der WM-Zug abgefahren ist, darf sich Chile nach dem 0:2 (0:1)-Auswärtssieg gegen den bis dato Tabellenführer aus Paraguay mehr als berechtigte Hoffnungen auf die Qualifikation für Südafrika machen. Durch den Dreier bleiben sie in der Tabelle vor Argentinien, doch sind die Abstände zu gering, um Prognosen zu machen (den 1. Brasilien und den 4. Argentinien trennen nur zwei Punkte). Um den fünften Platz werden sich wohl Uruguay (17 Punkte) und Venezuela (16) streiten, da zu Platz Vier schon eine Lücke von fünf Punkten klafft.

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