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Warum Joachim Löws Vertragsverlängerung vollkommen richtig ist

Der 53-Jährige hat die Nationalmannschaft komplett umgestrickt. Nun soll er auch die Früchte seiner Arbeit ernten dürfen!

KOMMENTAR
Von Enis Köylü

Es ist eine Entscheidung, die viele Menschen erfreut, viele aber auch nicht unbedingt in Verzückung versetzt: Trotz sieben Jahren ohne Titel mit einer hochkarätigen Mannschaft hat der DFB den Vertrag mit Nationaltrainer Joachim Löw bis 2016 verlängert.

Es gibt Fans, für die ist der 53-Jährige mit seinem fußballerischen Idealismus, seinem Auftreten in der Öffentlichkeit und seinen stets gut gekämmten Haaren nicht mehr der richtige für den Job. Auch dank ihm, so seine Kritiker, habe die Nationalelf nicht mehr den Ruf einer unzerstörbaren Maschine. In einigem Umfragen wurde gar sein Rauswurf gefordert. Das EM-Aus gegen Italien und eine miserable Halbzeit in der WM-Quali gegen Schweden haben dafür ausgereicht...

Um den Wert seiner Arbeit indes zu verstehen, sollte man untersuchen, welchen Wandel das Team unter seiner Führung erlebt hat.


Visionär | Löw half Schweinsteiger bei seiner Entwicklung zum zentralen Mittelfeldspieler

Als Löw seine Arbeit beim DFB als Assistent Jürgen Klinsmanns 2004 aufnahm hatte der Deutsche Fußball seinen Tiefpunkt erreicht. Mit einer Mannschaft voller 30-Jähriger, die ihren Zenit überschritten hatten, war Deutschland bei der EM 2004 in der Vorrunde krachend gescheitert.

Binnen zwei Jahren hauchten Klinsmann und Löw dem Team neuen Atem ein. Sie wollten einen neuen Spielstil einführen und vertrauten einer neue Generation von Spielern. 2006 führte das zu einem respektablen dritten Platz bei der Heim-WM dank des erfrischenden Angriffsfußballs.

Nach dem Ende des Turniers zog sich Klinsmann zurück, Löw war fortan alleiniger Chef. Nun begann sich sein Stil erst richtig durchzusetzen: 2008 wurde Deutschland Vize-Europameister und schaffte es bei der WM 2010 und der EM 2012 jeweils in die Runde der letzten Vier.

Fehler wie das Aufstellen von Toni Kroos im Halbfinale von Warschau, die Kontroversen um den Abschied von Michael Ballack 2010 und die konstante Nichtberücksichtigung von Torschützenkönig Stefan Kießling sind Punkte, die seine Kritiker gerne anführen.

 DIE BILANZEN DER NATIONALTRAINER

Name
Spiele Jahre Titel %
O. Nerz 70 '26-'36 0 60
S. Herberger 167 '36-'64 1 56
H. Schön 139 '64-'78 2 63
J. Derwall 67 '78-'84 1 66
F. Beckenbauer 66 '84-'90 1 52
B. Vogts 102 '90-'98 1 65
E. Ribbeck 24 '98-'00 0 42
R. Völler 53 '00-'04 0 55
J. Klinsmann 34 '04-'06 0 59
J. Löw 99 '06-pres 0 69
Unterm Strich bleibt jedoch ein höchst erfolgreicher Trainer vor einem höchst gelungenen Gesamtkkunstwerk. Kein Bundestrainer hat einen höheren Prozentsatz seiner Spiele gewonnen. Dabei musste er vor allem zu Beginn am Neuaufbau weiterarbeiten.

Zwei seiner großen Turniere fanden unmittelbar nach Bayern-Niederlagen im Champions-League-Finale statt. Ein Umstand, den man aus psychologischer Sicht keineswegs unberücksichtig lassen sollte!

In der Geschichte der Nationalmannschaft gab es außerdem nur einen Trainer, der auf Anhieb einen Titel gewann: Jupp Derwall erbte von Helmt Schön eine funktionierende Truppe und gewann die EURO 1980.

Nur vier Spieler kennen die DFB-Elf noch ohne Joachim Löw: Lukas Podolski, Philipp Lahm, Miroslav Klose und Bastian Schweinsteiger. Sie können die vollzogenen Entwicklung am besten verstehen und ihre immense internationale Erfahrung haben sie auch, weil Löw ihnen bereits in jungen Jahren sein Vertrauen schenkte.

Die Aussichten für die Weltmeisterschaft im kommenden Sommer sind noch rosiger. Die Bayern haben seit 2012 einen großen Schritt nach vorn gemacht. Sie haben die Champions League gewonnen und Spieler wie Klose, Podolski, Schweinsteiger und Per Mertesacker werden mit mehr als 100 Länderspielen im Gepäck nach Brasilien reisen.

Kroos, der unter Löws Führung aufgeblüht ist, hält seinen Förderer für den richtigen Trainer: "Ich denke, er hat unsere Nationalmannschaft in den letzten Jahren enorm verbessert. Was die Qualität unseres Fußballs angeht, haben wir unter ihm einen riesigen Schritt nach vorn gemacht. Ich denke, dass er der Trainer sein kann, der uns zu den Titeln führt auf die wir alle warten und hinarbeiten."

Darüber hinaus verleiht Löws Verlängerung der Mannschaft Sicherheit und Stabilität. Ein Zustand, den die Spieler Italiens und Spaniens im Moment nicht haben. Denn wie es für Cesare Prandelli und Vicente del Bosque weitergeht, steht noch in den Sternen.

Um endgültig ein "großer" Bundestrainer zu werden, muss Joachim Löw in seiner Amtszeit auch Titel gewinnen. Dennoch ist schon jetzt klar, dass er als Erfolgscoach in die Geschichte des DFB eingehen wird

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