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Blatter bröckelt: Der Fifa-Präsident gab nun in einem Interview zu, dass politische Einflüsse bei der WM-Vergabe 2022 durchaus eine bedeutende Rolle gespielt haben.

Zürich. Die umstrittene Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar sorgt weiter für Aufregung: FIFA-Präsident Joseph S. Blatter ist mit einer neuen Verschwörungstheorien hinsichtlich der Vergabe der WM 2022 im Dezember 2010 an das Emirat am Persischen Golf an die Öffentlichkeit gegangen.

Im Interview mit der Wochenzeitung Die Zeitsagte der 77-Jährige auf die Frage, ob sich die Entscheidung, auf das Abenteuer Katar einzulassen, nicht durch Zuwendungen beflügelt worden sei: "Eindeutig ja! Es gab direkte politische Einflüsse. Europäische Regierungschefs haben ihren stimmberechtigten Mitgliedern empfohlen, für Katar zu stimmen, weil sie große wirtschaftliche Interessen mit diesem Land verbinden."

Platini: Abendessen mit Sarkozy und dem Emir von Katar

Verbrieft scheint jedenfalls beispielsweise ein Abendessen des damaligen französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy mit UEFA-Präsident Michel Platini (58) wenige Tage vor der Abstimmung zusammen mit dem damaligen Emir von Katar, Scheich Hamad bin Chalifa Al Thani, zu sein. Frankreichs einstiger Weltstar Platini hatte später aus seinem Votum für die Katarer kein Geheimnis gemacht, bestritt aber stets einen Zusammenhang mit seiner Wahl pro Katar mit dem Diner.

Karl-Heinz Rummenigge hat unterdessen in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der europäischen Klubvereinigung ECA einen April-Austragungstermin für die WM 2022 in Katar ins Gespräch gebracht. "Es ist schon ein Unterschied, ob im November, im Januar oder sogar im April gespielt wird, was auch nicht auszuschließen ist. Im April sind die Temperaturen in Katar durchaus angenehm", sagte der Vorstandsvorsitzende von Bayern München der Sport Bild und machte sich für eine Ausrichtung des WM-Turniers im Frühjahr 2022 stark.

Rummenigge für April-WM

Blatter möchte indes am liebsten November/Dezember 2022 spielen lassen. Platini favorisiert einen Austragungstermin im Januar 2022. Bei der Zusammenkunft der 54 Präsidenten und Generalsekretäre der UEFA-Mitgliedsverbände in Dubrovnik/Kroatien am Dienstag und Mittwoch sollte über eine Termin-Strategie der Europäer hinsichtlich der WM 2022 beraten werden. Rummenigge ist ebenfalls in Dubrovnik anwesend. Am Donnerstag und Freitag tagt das UEFA-Exekutivkomitee mit DFB-Chef Wolfgang Niersbach als Mitglied.

Es soll ein europäischer Lösungsansatz erarbeitet werden. Rummenigge: "Den europäischen Vorschlag wird die UEFA bei der Exko-Sitzung der FIFA präsentieren. Oder darauf einwirken, dass noch keine finale Entscheidung gefällt wird." Die "Regierung des Weltfußballs" tagt am 3./4. Oktober und will angeblich bereits einen neuen Termin für die WM 2022 festlegen. Es mehren sich jedoch die kritischen Stimmen, den Entschluss nicht übers Knie zu brechen.

Der australische Verband FFA hatte am Dienstag angekündigt, möglicherweise Entschädigungszahlungen für die Katar unterlegenen Bewerberländer für die WM 2022 geltend machen zu wollen. Verbands-Chef Frank Lowy sprach von einer "fairen Entschädigung" für die betroffenen Nationen, sollte die Weltmeisterschaft in neun Jahren statt wie vorgesehen im Sommer auf den Winter verschoben werden.

Australien will Kompensation

"Australien hat viel Geld in die WM-Bewerbung gesteckt, das ganze Land stand dahinter", äußerte Lowy und forderte "eine faire Entschädigung an die Nationen, die viele Millionen, und auch nationales Ansehen, in die Bewerbung für einen Wettbewerb im Sommer gesteckt haben". Australien hatte sich die erfolglose Kandidatur für 2022 knapp 30 Millionen Euro kosten lassen.

Bei der Vergabe der WM-Endrunde 2022 am 2. Dezember 2010 in Zürich war Australien bereits im ersten Wahlgang mit nur einer Stimme gescheitert. Außerdem zogen Japan, Südkorea und schließlich im letzten Wahlgang die USA (8:14) den Kürzeren gegen das Emirat am Persischen Golf, das völlig überraschend zum Gastgeber bestimmt wurde.

 

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