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Nach dem Auswärtssieg der Franzosen wird es wohl nichts mit dem Wunder der Iren. Die Gäste überzeugten aber im Hinspiel des WM-Quali-Playoffs keineswegs.

Von Christoph VOGEL

Dublin. In einem umkämpften, aber nicht hochklassigen Spiel holte Frankreich einen immens wichtigen 0:1-(0:0-)Auswärtssieg gegen Irland. Vom mehrfachen Weltmeister kam lange Zeit gar nichts, obwohl die „Equipe Tricolore“ deutlich mehr Ballbesitz besaß, aber nichts damit anzufangen wusste. Die Iren wehrten sich tapfer, blieben aber offensiv viel zu harmlos.

PERSONAL & TAKTIK

Mit dem gewohnten Personal wollte Trapattoni den Franzosen Einhalt gebieten. Im Tor stand Given seinen Mann, davor die Premier-League-Verteidiger Dunne und O'Shea. Robbie Keane und Kevin Doyle bildeten den Sturm im 4-4-2-System. Aiden McGeady musste etwas überraschend zunächst auf der Bank Platz nehmen. Frankreich begann in einem 4-5-1 System, was beim Umschalten auf Angriff zu einem 4-3-3 wurde. Gignac als vorderster Stürmer und das Duo Henry / Anelka stellten den namhaften Angriff. Gourcuff vom Meister aus Bordeaux agierte als 10er.

SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE

Wie zu erwarten zeigte Irland vom Anpfiff an eine kämpferische und leidenschaftliche Partie. Erst einmal war jedoch Abtasten angesagt. So verstrichen die ersten zehn Minuten ohne Aufreger, bis Doyle mit einem durch Gallas abgefälschten Schuss für die erste Annäherung ans französische Tor sorgte (13.). Durch hohen Laufeinsatz hielten die Insulaner Frankreich weg vom eigenen Tor und ließen kein kreatives Passspiel zu, Offensivaktionen der Blauen waren selten. Doch durch diese Spielweise kam auch Irland selbst nicht zu Gelegenheiten.

Frankreich war optisch überlegen und hatte mehr Ballbesitz, doch es dauerte ganze 25 Minuten bis zu ihrem ersten (ungefährlichen) Torschuss durch Gourcuff. Auf der Gegenseite hätte es fast geklingelt: Given haute einen Freistoß bis an den anderen Strafraum auf Keane. Der Mann von den Tottenham Hotspurs nahm ihn gut an, scheiterte aber an Lloris. Den Nachschuss drückte der aufgerückte Lawrence knapp rechts neben das Tor (28.). Wenig später setzte Andrews seinen Schuss ähnlich knapp daneben (31.). Frankreich indes fiel nichts ein gegen die Abwehrwand der Iren.

Während die Offensive lahmte sah es auch hinten beim Weltmeister von 1998 nicht gut aus, denn die Hausherren profitierten immer wieder von Ballverlusten und Fehlern der Franzosen. Symptomatisch ein misslungener Hackentrick von Gourcuff vor der Pause, der nur einen weiteren Ballgewinn für Irland nach sich zog. Ohne einen Treffer pfiff der deutsche Schiri Brych die erste Halbzeit ab.

SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE

Im zweiten Spielabschnitt war zu Beginn mehr Feuer drin, denn Irland wagte sich nun etwas mehr nach vorne: Nach einer Ecke durch Duff herrschte Alarmbereitschaft im Strafraum der Franzose, aber bevor der Ball doch noch irgendwie den Weg ins Netz fand, pfiff Brych die Situation ab (52.). Frankreich mühte sich weiter mehr als das es spielte, Lassana Diarra versuchte es mit einem Distanzschuss, der richtig gefährlich wurde, aber eher aus der Not heraus geboren wurde (56.). Frankreich hatte zu diesem Zeitpunkt mehr als 60 % Ballbesitz, wusste aber nichts damit anzufangen.

Doch nach einer Stunde schien der Gast einen Schalter umgelegt zu haben, denn sie begannen durckvoller aufzuspielen. Irland zog sich zurück und ließ mehr Räume offen, die vor allem Anelka nun vermehrt nutzte. Was blieb war jedoch die Tatsache, dass es Irland immer noch schaffte, den Gegner nicht wirklich gefährlich vor das Tor kommen zu lassen. Nach 72 Minuten war es dann doch soweit: Anelka zog vom Strafraumrand ab, St. Ledgers Bein fälschte ab und Given konnte nur noch chancenlos zugucken, wie der Ball ins Netz flog (72.).

Irland wirkte etwas benommen, versuchte es aber dennoch weiter, ein Tor zu erzielen. An der Verteilung des Ballbesitzes änderte sich nichts. Nach einer Einzelaktion von Evra quer über den halben Platz kam Gignac frei vor dem Tor zum Abschluss, aber sein Schuss ging nicht einmal ins Toraus (84). Die Offensive der Iren war kaum noch zu sehen, doch bei einem Konter war es der eingewechselte Best, der etwas zu spät auf den mitgelaufenen Keane abgab. Die Franzosen warfen sich in den Zweikampf und blockten den gefährlichen Konter noch einmal ab (87.).

Irland versuchte es bis zur letzten Minute, doch wenn sie mal gefährlich wurden wie beim Schuss von Whelan kam eine Abseitsposition dazwischen (92.). Der Ausgleich fiel nicht mehr und die Enttäuschung auf den Rängen in Dublin war greifbar. Auch auf dem Platz, als es nach Spielende noch zur Rudelbildung kam.

SCHLÜSSELSPIELER

Die Iren zeigten eine geschlossene Mannschaftsleistung, bei der keiner positiv oder negativ herausstach. Bei den Franzosen waren Anelka und Evra starke Akteure.

SCHLÜSSELSZENE

Als es sich angebahnt hatte, musste ein abgefälschter Schuss herhalten, um Frankreich in Führung zu bringen. Andernfalls hätten sich die Gäste wohl noch 120 Minuten mühen können ohne ein Tor zu erzielen.

SPIELER DES SPIELS: Nicolas Anelka

Der Stürmer vom FC Chelsea erzielte das Siegtor.

SCHIEDSRICHTER: Note 7

Dr. Felix Brych aus München pfiff in Halbzeit eins fehlerlos und entschied unter anderem auch beim Abseitstor der Franzosen korrekt. In der zweiten Halbzeit mit mehr Arbeit, aber trotzdem einem sicheren Händchen.

Anmerkung: Die Notenskala reicht wie bei der Spielnote von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).

SPIELNOTE: 5

Das Spiel lebte hauptsächlich von der Spannung und dem Kampfgeist der Iren. Offensiv kam von beiden Seiten nur wenig Konstruktives.

Das Spiel in der Goal.com-Statistik

FAZIT

Am Ende siegte Frankreich aufgrund der optischen Überlegenheit nicht unverdient, aber doch in gewissen Maße glücklich. Lange Zeit fiel den Gästen nichts ein gegen die kämpfenden Iren, die nun mit einer ganz schweren Aufgabe nach Frankreich reisen müssen.

Eure Meinung: War das schon die Qualifikation für die Franzosen?

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