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Löw schließt die WM-Qualifikation und eröffnet das Schweigen
Gut gespielt hat die deutsche Nationalmannschaft gegen Finnland weiß Gott nicht. Insgesamt war es durchaus auch ein glückliches Unentschieden gegen die Skandinavier. Für den Bundestrainer Joachim Löw kommt nun eine etwas besinnlichere Phase. Nach den anstrengenden letzten Wochen will er sich nun endlich zur Ruhe setzen und sich ohne großen Stress Gedanken über die Weltmeisterschaft 2010 machen. Natürlich denkt er auch über seine persönliche Zukunft nach. Denn eines dürfte klar sein: Wenn der deutsche Nationaltrainer nicht bald seinen Vertrag verlängert, droht die Stimmung zu kippen. Und er selbst ist sich noch lange nicht sicher, ob er denn überhaupt weitermachen möchte.
Hamburg. In Deutschland sind es ganz gewohnte Szenen, wenn ein Bundestrainer einfach mal alleine sein möchte. Franz Beckenbauer etwa lief ganz alleine nach der gewonnen Weltmeisterschaft 1990 über den Rasen. Jürgen Klinsmann tat es ihm gleich. Nach dem Spiel um Platz drei bei der WM 2006 ging er gedankenverloren über den Platz. Nur einen Tag später trat er als Nationaltrainer zurück – entgegen der Forderungen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und dem Flehen der Fans. Am Samstag dann wieder eine ähnliche Szene: Nach dem erlösenden Abpfiff und dem Sieg gegen Russland (1:0) sitzt der Bundestrainer Joachim Löw einsam auf seiner Trainerbank, denkt nach. Schwere Wochen und Tage sind vorbei. Das Ticket zur kommenden Weltmeisterschaft ist gelöst. Noch ist er der gefeierte Held, schon drei Tage später aber ist die Stimmung schlechter.
Finnland als schwacher Abschluss
Denn das Spiel gegen die Finnen war keineswegs der grandiose Abschluss einer gelungenen WM-Qualifikation. „Wir sind nicht zufrieden“, sagten Thomas Hitzlsperger, Philipp Lahm oder auch Piotr Trochowski übereinstimmend. Nein, zufrieden waren auch die Fans auf den Rängen nicht. Sie pfiffen lange. Abgesehen von dem Ausgleich in buchstäblich letzter Sekunde war von den DFB-Kickern wenig zu sehen. Nur allzu gerne hätten die Anhänger eine solch starke Leistung wie gegen Russland gesehen. Am Ende aber blieb die Ernüchterung das überwiegende Gefühl. Doch egal wo man sich umhörte, das Spiel selbst schien nicht der alleinige Grund des Übels zu sein. Joachim Löw, der noch nach dem Russland-Spiel so viel Respekt wie selten erfahren durfte, hatte die Gemüter der Fans erregt. Weil er ausgerechnet jetzt schweigt...
Zukunft bleibt ungewiss
Vor der Partie hatte er im Bezug auf seine persönliche Zukunft betont: „Ich konzentriere mich nur auf das Spiel gegen Finnland. Alles andere kommt danach.“ Nun war der Abpfiff längst ertönt und nur allzu gerne hätte man eine deutliche Erklärung zu seiner persönlichen Zukunft vernommen. Der Trainer aber vermied scheinbar bewusst klare Statements. Irgendwie hatte jeder damit gerechnet, dass er seine Bereitschaft zur Vertragsverlängerung zum Ausdruck bringt. Er aber blieb wie immer sachlich und sorgte damit für ratlose Gesichter. Vom türkischen Verband habe niemand angefragt. Ob er sich ein solches Engagement vorstellen kann, ließ er aber offen. „Ich habe mir darüber keine Gedanken gemacht“, antwortete er knapp auf die Frage, ob er seinen Vertrag bei der deutschen Nationalmannschaft verlängern wird.
Glaubwürdigkeit leidet
Glauben kann man ihm das nicht. Seit 2006 muss sich eine Grundstimmung in ihm breit gemacht haben, die zumindest eine Tendenz geben sollte. Es wäre nicht nachvollziehbar, sollte er wirklich keinen blassen Schimmer haben, ob er bleiben möchte. Das Ausbleiben eines klaren Bekenntnisses lässt immer mehr daran glauben, dass er geneigt ist, nach der Weltmeisterschaft 2010 eine neue Aufgabe zu suchen. Damit gerät dann auch das Turnier in Südafrika in Gefahr, weil beim DFB die falschen Aussagen getroffen wurden. Bei Jürgen Klinsmann entschied man früh, dass die Entscheidung um die Zukunft erst nach der Endrunde fallen wird. Bei Löw ist das nicht so. Noch vor Weihnachten soll der Vertrag bis 2012 verlängert werden. Sollte dies nicht geschehen, dürfte der Unmut und der Zweifel in der Öffentlichkeit wachsen. Spätestens dann wäre klar, dass Löw wohl nicht verlängern wird. Und diese Erkenntnis schon lange vor der WM lässt ein erfolgreiches Abschneiden in Frage stehen!
Interne Probleme und Motive
Überraschen dürfte es den ein oder anderen Insider beim DFB nicht, sollte Löw wirklich gehen wollen. Denn nicht jeder Entscheidungsträger scheint vollends hinter dem Bundestrainer zu stehen. So gilt etwa das Verhältnis zwischen Löw und dem Teammanager Oliver Bierhoff als angespannt. Auch mit den Spielern gab es in der Vergangenheit nicht immer nur positive Gespräche. Michael Ballack steht nach wie vor in der Frings-Frage hinter dem Bremer und ist nicht damit einverstanden, dass Löw diesen so kategorisch auszuschließen scheint. So fehlte es dem Nationaltrainer schon in den letzten Monaten immer wieder am notwendigen Vertrauen. Seine Entscheidungen werden kritisch beäugt. Kleinste Fehler werden ihm extern und intern schwer angelastet. Er genießt nicht die volle Autorität, wie er sie in anderen Ländern erfahren könnte.
Auszuschließen ist derzeit, dass er noch vor der Weltmeisterschaft gehen könnte. Es wird aber auch mit jedem Tag unwahrscheinlicher, dass er seinen Vertrag verlängern wird. Nur einmal sprachen sich die Verbandsoberen für den Bundestrainer aus. Nur nach dem Sieg über Russland lobten sie ihn öffentlich. In schweren Stunden schwiegen sie und ließen ihn damit alleine dastehen. Nun schweigt Löw. Möglicherweise wird auch er wie Franz Beckenbauer und Jürgen Klinsmann 2010 alleine über den Platz gehen und eventuell seinen Abschied spätestens dann verkünden. Denn eines will Joachim Löw endlich nicht mehr sein: einsam mit seinen Entscheidungen!
Eure Meinung: Wird Joachim Löw seinen Vertrag verlängern oder geht er nach der Weltmeisterschaft? Was denkt Ihr und was wünscht Ihr Euch?
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