Spielbericht WM-Qualifikation Europa (Gruppe 4): Deutschland – Finnland

Letztlich waren die Anhänger im Stadion doch sehr enttäuscht aufgrund der Vorstellung der deutschen Nationalmannschaft. Über weite Strecken gefiel das Team beim 1:1 (0:1)-Remis nicht. Spielerisch war das sehr, sehr wenig und die Kicker mit dem Adler auf der Brust wirkten ohne einige Leistungsträger völlig entwaffnet. Einmal mehr wurde deutlich, dass die Mannschaft von einigen Protagonisten sehr stark abhängt. Eine Art Ohnmacht überfällt das Team nach dem frühen Rückstand. Die Laufbereitschaft lässt mitunter zu wünschen übrig. Dieser Ausklang ist der bisher gezeigten Leistung während der Qualifikation nicht würdig.

Lukas Podolski war der Mann des Tages gegen Zypern (firo)
Von Dennis WEINACHT

Hamburg. Jonatan Johansson war letztlich der Matchwinner. In seinem 100. Spiel für die finnische Nationalmannschaft erzielte er das Tor für die Gäste. Finnland verabschiedet sich mit einem Achtungserfolg aus der WM-Qualifikation und Deutschland muss doch noch ein Unentschieden zum Abschluss einstecken und bleibt damit in beiden Spielen gegen die Skandinavier ohne Sieg. Nach 1985 und 2001 entgeht die DFB-Auswahl erst spät der dritten Niederlage in einem WM-Qualifikationsspiel.

PERSONAL & TAKTIK

Der deutsche Bundestrainer Joachim Löw wechselte im Vergleich zum 1:0-Erfolg gegen Russland ordentlich durch. Ob der schon geschafften Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2010 überraschte das nicht. Gleich sechs Spieler tauschte der Coach aus. Dabei standen der Gelb-Rot gesperrte Jerome Boateng, Per Mertesacker, Simon Rolfes, Bastian Schweinsteiger, Mesut Özil und Miroslav Klose nicht in der Startelf. Das neue Gerüst sah dann so aus: René Adler stand wie angekündigt in der Startelf. Vor ihm verteidigten Philipp Lahm, Arne Friedrich, Heiko Westermann und auf der vakanten rechten Seite Andreas Beck. Im Mittelfeld spielte vor der Abwehr neben Michael Ballack Thomas Hitzlsperger. Piotr Trochowski durfte bei „seinem“ Spiel in Hamburg von Beginn an ran und spielte hinter den offensiven Lukas Podolski, Jeronimo Cacau und Mario Gomez. Vor allem die Angreifer sollten sich wieder treffsicher zeigen, wenn es nach den Vorstellungen Löws ging.

Bei den Finnen setzte Trainer Stuart Baxter auf ein 4-4-2 – System. Dabei tauschte auch er im Vergleich zum 2:1-Sieg über Wales auf immerhin drei Positionen. Der gelbgesperrte Bremer Pasanen und seine Kollegen Tihinen und Kolkka schauten nur zu, dafür rückten Lampi, Heikkinen und Hämäläinen in die erste Mannschaft. Der Coach wollte über ein flexibles Mittelfeld hier die Chance auf einen Sieg erspielen. Zunächst aber war auch klar: Gegen die spielstarke Offensive der Deutschen musste die Defensive sehr stabil stehen. Nach vorne sollten Chancen möglich sein, waren doch Arne Friedrich und Co. nicht immer souverän in der Vergangenheit.

SPIELVERLAUF: 1. HÄLFTE

In den ersten Minuten dieser Partie war nicht allzu viel zu sehen. Die Gastgeber spielten zwar bemüht, aber konnten sich noch nicht durchsetzen. Das machten die Finnen auf der Gegenseite geschickter. Mit der ersten Tormöglichkeit gab es direkt den ersten Treffer zu sehen: Andreas Beck konnte seinen Gegenspieler Porokara auf dem Flügel nicht entscheidend aufhalten, so dass dieser seine Flanke in die Mitte genau platzierte. Dort verlor Philipp Lahm das Kopfballduell gegen den insgesamt sehr starken Eremenko. Friedrich wollte nicht und Westermann konnte nicht mehr nachsetzen. So war Jonatan Johansson der Nutznießer. Er drückte das Leder gegen den chancenlosen René Adler aus kurzer Distanz über die Linie (11.). Da hatte die neuformierte Defensive der Deutschen direkt geschlafen und die Gäste nutzten das konsequent aus.

Die restlichen Minuten bis zur Pause sollten eine Qual für die Fans sein. Sicherlich agierten die DFB-Kicker bemüht und einige deuteten auch individuelle Klasse an. Aber insgesamt war das im Zusammenspiel sehr, sehr dürftig. Außerdem lief die Laufbereitschaft zu wünschen übrig, es fehlte an Bewegung. Viele Pässe waren ziellos. Einige Anspiele gingen absolut ins Leere und man hatte nicht den Eindruck, dass sich die Mannschaft von Joachim Löw komplett auf dieses Match konzentriert. Viele waren wohl in Gedanken schon beim nächsten Spieltag in der Bundesliga. Die Anhänger im Stadion quittierten die sehr schwache Leistung mit Pfiffen. Nach dem starken Auftritt gegen Russland war dieses Spiel eine echte Ernüchterung. Ein Highlight war noch ein schwacher Versuch des ansonsten fehlerhaften Thomas Hitzlsperger. Aber auch dieser Schuss war nicht wirklich gefährlich, landete in den Armen des finnischen Schlussmanns. Diese ersten 45 Minuten konnten nicht der Anspruch von Bundestrainer Joachim Löw sein.

SPIELVERLAUF: 2. HÄLFTE

Deshalb reagierte er auch in der Kabine, brachte Mesut Özil und Christian Gentner für Michael Ballack und Thomas Hitzlsperger. Bewirken sollte das aber zunächst nicht viel. Ganz im Gegenteil: Jari Litmanen ließ nach 49 Minuten noch das 2:0 folgen. Er stand aber dabei im Abseits, was das englische Schiedsrichter-Gespann gut erkannte. Der Treffer zählte nicht, die deutschen Fans atmeten auf. Fast im Gegenzug dann ein ordentlicher Angriff der Deutschen: Beck brachte wenigstens mal eine Flanke in die Mitte, die Cacau aber deutlich über das Tor setzte. Zumindest war dies aber ein durchdachter Angriff – das Spiel wurde flotter. Auch weil der junggebliebene Litmanen auf der Gegenseite direkt wieder eine Chance vergab, als er freistehend in die Arme von René Adler köpfte (52.).

Enttäuschend blieben aber nach wie vor die Gastgeber, die trotz großer Bemühungen keinerlei überzeugende Aktionen aufweisen konnten. Ganz im Gegenteil: Die Finnen wirkten spritziger, klüger und effektiver. Deutschland war zur Mitte der zweiten Halbzeit hin optisch feldüberlegen. Aber daraus konnte kein Profit erzielt werden. Das war einfach mehr als dürftig und vor allem die beiden Angreifer Mario Gomez und Jeronimo Cacau blieben absolut blass. Ein Glück, dass es in diesem Match um nichts mehr ging. Denn zu diesem Zeitpunkt war nicht ersichtlich, wie die DFB-Spieler diesen Spielstand noch drehen wollten. Die wenigen Offensivaktionen erstickten die Finnen im Keim oder aber Gomez stand ein ums andere Mal im Abseits.

Erst ganz spät wurde das Spiel nochmals etwas spannender, weil Özil etwa einen Schuss noch ans Außennetz setzte (84.), nachdem Klose schon mit einem Kopfball am tollen Schlussmann der Finnen gescheitert war (82.). Den Treffer zum Ausgleich erzielte aber Lukas Podolski, der erst nach 90 Minuten eine Tormöglichkeit nutzen konnte. Nach einer Konfusion im Strafraum war er zur Stelle, markierte den späten Ausgleichstreffer und wendete damit die erste Niederlage in einer WM-Qualifikation seit 2001 gerade noch ab!

SCHLÜSSELSPIELER & -SZENEN

Neben den Treffern waren vor allem die vielen Ballverluste im Mittelfeld ausschlaggebend für das Remis der Deutschen gegen sehr stark kämpfende Finnen. Die Schlüsselspieler auf Seiten der Gäste waren Eremenko und Johansson. Toll aber auch, wie Jari Litmanen mit seinen 38 Jahren in seinem eventuell letzten Länderspiel kämpfte. Mehr als ein unkreativer Gegner waren die Deutschen jedenfalls beim Jubiläum von Johansson nicht. Entscheidend für den späten Ausgleich und das letzte Aufbäumen waren auf deutscher Seite Miroslav Klose und Mesut Özil.

SPIELER DES SPIELS: Jonatan Johansson

Vor dem Spiel gab es noch Blumen, dann der Treffer und das Remis in Deutschland. Für Johansson war es das (fast) perfekt Jubiläum zum 100. Spiel im Dress der Nationalmannschaft. Er entschied das Spiel mit seinem Treffer fast alleine und spielte auch ansonsten in der Offensive sehr, sehr bemüht. Eine starke Leistung des Kickers aus Finnland, der über den späten Ausgleich erschüttert war. Nur zu gerne hätte er einen Sieg beim Jubiläum gesehen.

SCHIEDSRICHTER – Note: 7.5

Das englische Schiedsrichter-Gespann hatte mit dieser Begegnung nicht allzu große Schwierigkeiten. Brisant wurde es nur bei der ein oder anderen Abseitsentscheidung, wobei die Unparteiischen aber immer richtig lagen. Insgesamt eine ordentliche Lei(s)tung in einer insgesamt aber ruhigen Partie.

Anmerkung: Die Notenskala reicht wie bei der Spielnote von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).

SPIELNOTE: 4.5

Eine doch sehr zerfahren und nicht gerade unterhaltsame Partie für die Zuschauer im ausverkauften Stadion zu Hamburg. Das lag vor allem an den vielen Ballverlusten der deutschen Nationalmannschaft, die sich mit einem ganz schwachen Auftritt aus dieser Qualifikation verabschiedet. Durch den späten Ausgleich bleibt das Spiel aber nur eine Randnotiz, die keinem weh tut.

FAZIT

Bis zur Weltmeisterschaft 2010 hat Joachim Löw noch viel Arbeit vor sich, auch wenn die deutsche Nationalmannschaft insgesamt eine ordentliche Qualifikation spielte. Das Duell gegen Finnland kann nicht der Anspruch der DFB-Verantwortlichen sein. Aber man sollte das Unentschieden nun auch nicht überbewerten. Denn außer einem sehr schwachen Spiel mussten die Fans an diesem Abend nichts betrauern.

Eure Meinung: Wie wertet Ihr diese Niederlage der deutschen Nationalmannschaft zum Abschluss? Ist sie völlig egal oder sollte sie doch zu Denken geben?



 
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