Spielbericht WM-Qualifikation (Gruppe 4): Deutschland – Aserbaidschan

Miroslav Klose und sein Märchen von Hannover. In den letzten Wochen wurde der Angreifer oft kritisiert, noch öfter nicht aufgestellt. Mario Gomez musste in der Pause für ihn weichen und der ehemalige Angreifer von Werder Bremen dankte seinem Bundestrainer Joachim Löw das Vertrauen mit zwei Treffern beim 4:0 (1:0)-Sieg gegen den Aserbaidschan. Das Ergebnis überzeugte aber am Ende mehr, als das Spiel der Deutschen. Zumindest über weite Teile der ersten Halbzeit war es eine Ernüchterung für die heimischen Fan.

Zwei-Tore Stürmer Podolski jubelt mit 0-Tore Klose (firo)

Von Dennis WEINACHT

Hannover. Die deutsche Nationalmannschaft steht nach dem Sieg über den Aserbaidschan vor dem Einzug in die Endrunde der Weltmeisterschaft 2010. Nicht immer souverän und schon gar nicht überragend siegt die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw gegen den krassen Außenseiter unter der Leitung des deutschen Übungsleiters Berti Vogts.

PERSONAL & TAKTIK

Joachim Löw ließ die deutsche Nationalmannschaft im selben taktischen Gefüge auflaufen, das schon gegen Südafrika überzeugen konnte. Allerdings tauschte er personell einiges aus. Simon Rolfes, Marko Marin und Arne Friedrich wurden von der Startelf gar auf die Tribüne versetzt. Für sie rückten Heiko Westermann, Thomas Hitzlsperger und Lukas Podolski in die erste Mannschaft. Im Sturm erhielt Mario Gomez den Vorzug vor Miroslav Klose. Im Tor stand ob der Erkrankung von Robert Enke abermals der zuletzt gute René Adler.

SPIELVERLAUF: 1. HÄLFTE

Die DFB-Mannschaft startete sehr geistesgegenwärtig und spielerisch gut in diese Begegnung. So scheiterten Lukas Podolski (6.) und Mesut Özil (7.) bereits früh am starken Schlussmann der Gäste, Kamran Agayev. Der Keeper machte nach einer langen Verletzungspause wieder sein erstes Länderspiel und war direkt gefordert und auf der Höhe. So auch nach zehn Minuten, als der ansonsten blasse Bastian Schweinsteiger aus 20 Metern sein Glück versuchte, jedoch eine tolle Parade des Torhüters hinnehmen musste.

Richtig brisant wurde es dann aber in der 13. Minute: Von Mario Gomez bedient zog der Kölner „Prinz Poldi“ in den Strafraum. Der Gäste-Verteidiger Abbasov wusste sich nur mit einem Foul zu helfen. Der griechische Schiedsrichter Anastassios Kakos erkannte und bewertete die Situation richtig, entschied auf Elfmeter für die deutsche Nationalmannschaft. Nun war der Kapitän Michael Ballack gefordert. Er war der letzte deutsche Nationalspieler, der in einem Länderspiel einen Strafstoß vergab, was aber mittlerweile fünf Jahre zurückliegt. Sicher jedenfalls trat er dieses Mal an und verwandelte das Leder unhaltbar in der unteren Torecke (14.). Die Führung war zu diesem Zeitpunkt absolut verdient. Die DFB-Kicker waren in allen Belangen überlegen.

Dennoch gab es zur Halbzeit Pfiffe gegen die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw. Was war passiert? Das Team brach unmittelbar nach dem Treffer aus unerklärlichen Gründen ein. So musste sogar René Adler immer wieder eingreifen. Der Keeper hielt zwischenzeitlich die Führung der Heimelf fest. Spielerisch kam nun nicht mehr viel zusammen. Vor allem der Münchner Schweinsteiger entpuppte sich mehr und mehr zum unsicheren Faktor im Mittelfeld, verlor viele Bälle. Unberechtigt waren die Unmutsäußerungen der Fans nach 45 Minuten sicher nicht. Zu passiv agierten die Spieler aus Deutschland nach dem Elfmeter aus der 14. Minute.

SPIELVERLAUF: 2. HÄLFTE

Die ersten Minuten waren auch im zweiten Durchgang wieder von eminenter Bedeutung. So sah der Kapitän des Aserbaidschan Samir Abbasov früh eine Gelb-Rote Karte. Nachdem er schon den Elfmeter im ersten Durchgang verschuldet hatte, war das Einsteigen gegen den eingewechselten Miroslav Klose für den Unparteiischen zu viel (50.). Nun musste die Mannschaft von Berti Vogts mit zehn Spielern bis zum Ende bestehen. Lange sollte es aber nicht halten. Denn schon fünf Minuten später legten die Hausherren nach, erhöhten auf 2:0. Nach einem tollen Solo fand Philipp Lahm in der Mitte den freien Klose, der aus schwerem Winkel einnetzte. Offenbar hatte Joachim Löw die richtigen Worte gefunden. Die DFB-Truppe kam wie verwandelt aus der Pause zurück. Sollte es dieses Mal über die kompletten 45 Minuten so laufen?

Immerhin legte die deutsche Delegation nach. Die Körpersprache war nun eine ganz andere, was auch am sehr starken Miroslav Klose festzumachen war. Er ackerte viel, arbeitete und zeigte Mut. So auch nach 66 Minuten: Der ebenfalls frisch in die Partie gekommene Andreas Beck hatte Klose mit einer flachen Hereingabe eingesetzt. Noch viel schwerer war nun der Winkel, aus dem der Stürmer des FC Bayern München abschließen musste, wieder aber war er erfolgreich. Sensationell, wie er den Ball noch im Netz platzierte. Eingeleitet wurde der Angriff einmal mehr vom grundsolide spielenden Mesut Özil.

Damit noch nicht genug: Die 71. Minute machte den Sieg der Deutschen auch standesgemäß. Nach einer tollen Flanke auf Özil war Ballack mit dem Kopf zur Stelle, legte sehr stark auf Lukas Podolski ab. Dieser stand völlig frei vor dem Tor und verwandelte sicher. Nun war das Ergebnis deutlich, wenngleich es auch aufgrund der ersten Halbzeit etwas zu hoch ausgefallen war. Nach dem Platzverweis war in die Lücke in der Defensive nicht mehr zu schließen. Klose ließ sogar noch das 5:0 folgen, der Treffer zählte aber wegen einer Abseitsposition zurecht nicht (73.). Es blieb beim Spielstand von 4:0 – bis zum Ende!

SCHLÜSSELSPIELER

Miroslav Klose kam sah und siegte. Neben ihm waren in den zweiten 45 Minuten aber auch Philipp Lahm, Andreas Beck und der sehr fleißige Mesut Özil für den Aufschwung verantwortlich. Beim Aserbaidschan war der Schlussmann Agayev der Schlüsselspieler. Er bewahrte seine Vorderleute bei seinem Comeback vor einer höheren Niederlage.

SCHLÜSSELSZENEN

Ganz klare Schlüsselszenen waren natürlich die vier Treffer. Von großer Bedeutung war aber die Rote Karte für Kapitän und Defensivspieler Abbasov. Diese Lücke konnte im zweiten Durchgang nicht geschlossen werden und die Treffer waren in der personellen Konstellation kaum noch zu verhindern. In Unterzahl konnten die spielerisch unterlegenen Gäste nicht mehr mithalten. Nur deshalb war ein solch klarer Sieg noch möglich.

SPIELER DES SPIELS: Miroslav Klose

Der Stürmer des FC Bayern München wurde zuletzt so oft kritisiert, nun zeigte er aber wieder, was er sportlich draufhatte. Seine beiden Treffer konnten ganz klar seine Qualitäten unter Beweis stellen und Jürgen Klinsmann und Rudi Völler werden es nicht gerade lachend zur Kenntnis genommen haben: Klose hat mit 47 Toren in der Nationalmannschaft diese beiden im ewigen Ranking eingeholt. Für Deutschland war es aber umso wichtiger.

SCHIEDSRICHTER: Anastassios Kakos (Griechenland)

SPIELNOTE: 7, im ersten Durchgang war das Spiel doch sehr zerfahren, wurde dann aber im zweiten Abschnitt immer besser. Da fielen noch drei Tore, da spielte die DFB-Mannschaft souverän. Das Publikum in Hannover dürfte es wohlwollend zur Kenntnis genommen haben. Aus der Länderspielpause verabscheidet sich das Team aufgrund einer guten zweiten Halbzeit mit einem positiven Eindruck.

STATISTIK

Anstoß: Mittwoch, den 09.09.2009 um 20.45 Uhr
Spielort: Hannover (Deutschland)
Tore: 1:0 Ballack (14./Fouelelfmeter), 2:0 Klose (55.), 3:0 Klose (66.), 4:0 Podolski (71.)

FAZIT

Joachim Löw wird noch einige Punkte erkannt haben, die es zu verbessern gilt. Allerdings spielte die Mannschaft in der zweiten Halbzeit sehr aktiv und zeigte dort gute Ansätze und viel Potential. Das Team kann sich noch steigern bis zur Weltmeisterschaft 2010 und das ist letztlich die wichtigste Erkenntnis nach einem Abend mit gemischten Gefühlen.

Eure Meinung: Wie ist dieses Spiel einzuordnen? Ist die deutsche Elf auf dem Weg zur WM nun noch zu stoppen?



 
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