Spielbericht WM-Qualifikation Gruppe 4: Aserbaidschan – Deutschland

Nicht gerade mit einem wahren Feuerwerk aber immerhin weitgehend souverän schlägt die deutsche Nationalmannschaft den Aserbaidschan mit 2:0 (1:0). Klose und Schweinsteiger erzielen die Tore und auch ansonsten sind die DFB-Mannen von den Spielern des FC Bayern München abhängig. Spielerisch enttäuscht die deutsche Elf oft, Defensive steht sie nicht immer gut sortiert. Im WM-Jahr gibt es noch einiges abzuarbeiten. Das wird auch der merklich unzufriedene Joachim Löw so sehen.

Diesen Salto will Deutschland sehen: Miroslav Klose (firo)

Von Dennis WEINACHT

Baku. Miroslav Klose und Bastian Schweinsteiger schießen Deutschland zu einem verdienten aber keineswegs überragenden Sieg gegen den Aserbaidschan. In Baku ist nicht alles toll, was die DFB-Kicker veranstalten. Mit ein wenig mehr Glück hätten die Gastgeber eine Sensation erreichen können.

PERSONAL & TAKTIK

Die deutsche Nationalmannschaft lief im Tor mit Robert Enke, der als einer von zwei Schlussmännern neben Tim Wiese im Kader stand, auf. Entwarnung gab es vor dem Spiel auch bei Michael Ballack und Miroslav Klose, die beide auflaufen konnten. In der Defensive gab es eine kleine Überraschung, weil Serdar Tasci den Vorzug vor Arne Friedrich erhielt. Auf den Außenbahnen agierten in der Viererkette Philipp Lahm und Marcel Schäfer. Im Mittelfeld sollten neben Ballack auch Thomas Hitzlsperger, Bastian Schweinsteiger und Piotr Trochowski für spielerische Akzente sorgen. Neben Klose stürmte sein Münchner Kollege Mario Gomez. Taktisch war die Vorgabe von Joachim Löw klar: offensiv spielen, Abschlüsse suchen. Auf der Gegenseite gab Berti Vogts den Ton deutlich an: „Mit einem schlechten Spiel und einem torlosen Remis könnte ich gut leben.“ Soll heißen: Die Defensive sollte zunächst gestärkt und gut organisiert sein. Dann erst sollte der Raum für Überraschungen geschafft werden.

SPIELVELAUF: 1. HÄLFTE

In den ersten Minuten wirkten die Mannschaften forsch, spielten nach vorne. Das galt auch für die Gastgeber, die sich keineswegs einigelten, sondern stattdessen forsch mitzuspielen versuchten. Es wurde aber auch sehr schnell deutlich, dass der Mannschaft von Berti Vogts der typische Knipser im Angriffe fehlt. Auch wenn die Offensivaktionen sauber vorgetragen wurden, fehlte im Zentrum immer ein Abnehmer für den letzten, den entscheidenden Pass. Gegen die Deutschen sollten Tormöglichkeiten natürlich nicht en masse gegeben sein, was einen sicheren Schützen umso mehr erfordert hätte. Dieser aber war nicht vorhanden.

Die DFB-Kicker hingegen wirkten in der Anfangsphase etwas unsortiert und im Gang nach vorne nicht gewohnt stark. Zur Mitte des ersten Durchgangs hin sollte sich das aber ändern. Nun wirkten die Gäste präsenter und zielstrebiger in der Offensive. Gute Kombinationen endeten aber zumeist noch vor dem Strafraum, weil sich der Aserbaidschan auf die Arbeit im Zentrum der Defensive konzentrierte. So war es nicht verwunderlich, dass ein Weitschuss für den ersten Treffer sorgen sollte: Bastian Schweinsteiger schaffte sich vor dem Strafraum eine gute Schussposition und zimmerte anschließend das Leder unter die Latte (12.). Das frühe Tor löste etwas die Verkrampfung im DFB-Aufbauspiel.

Am Ende der ersten Halbzeit war aber auch klar, dass diese Messe noch nicht gelesen sein sollte. Miroslav Klose köpfte kurz vor dem Halbzeit-Pfiff recht freistehend wenige Meter vor der Torlinie noch drüber (45.). Eigentlich eine Chance, die er in Normalform locker nutzen würde. So aber blieb es beim knappen Vorsprung der Deutschen. Das durfte auch Berti Vogts gefallen, der sich damit noch nicht vollends von der Sensation verabschieden musste.

SPIELVERLAUF: 2. HÄLFTE

Der zweite Durchgang begann dann so, wie der erste beendet wurde: mit Miroslav Klose. Er erkämpfte in der ersten Aktion klasse den Ball im Mittelfeld, leitete dann zu seinem Bayern-Kollegen Bastian Schweinsteiger weiter, der ebenfalls mit Mario Gomez zu einem Mann vom deutsche Rekordmeister abspielte. Der Angreifer zog ab, scheiterte aber an der Latte. Daraus schlug Klose Profit, der mit dem Kopf ins leere Tor einnickte (54.). Überzeugend war der Auftritt der DFB-Mannen aber nur bedingt. Hätten die Spieler des Aserbaidschan hin und wieder mehr Mut zum Torabschluss zeigen können, so wäre es unter Umständen verdammt eng geworden. Denn die Abwehr der Deutschen gefiel häufig nicht, lieferte viele Stellungsfehler ab und kam oft einen Schritt zu spät. Aber die Offensivleute der Heimmannschaft trauten sich viel zu selten einen Schuss auf das Tor des sicheren Robert Enke zu.

Viel Glück war im Spiel der Deutschen dabei, dass die gegnerischen Spieler ihre mitunter dicken Chancen nicht nutzen konnten. Die meisten Amateurfußballer in Deutschland sind wohl schusssicherer als die Angreifer des Aserbaidschan. Das sollte Berti Vogts noch trainieren lassen. Insgesamt hätte man sich aber vom Favoriten aus Deutschland mehr Sicherheit und Stabilität gewünscht. Vor allem die Abwehr stand doch sehr unsicher. Lediglich der starke Philipp Lahm konnte in der Viererkette überzeugen.

In den Schlusssekunden vergab Cacau noch eine dicke Chance, als er frei aufs Tor zuging, aber klar daneben schoss (91.). Auch deshalb blieb es am Ende bei diesem 2:0-Erfolg der deutschen Nationalmannschaft.

SCHLÜSSELSPIELER

Bei den meisten Offensivaktionen der Deutschen waren Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger zur Stelle. Sie agierten spielerisch sehr stark und versuchten immer wieder das Spiel umzuverlagern und so für neue Räume zu sorgen. Ebenfalls ganz ordentlich spielten die beiden Angreifer Miroslav Klose und Mario Gomez, die aber noch nicht ihr volles Pensum abzurufen wussten. Insgesamt war es aber die Riege des FC Bayern München, die einen Erfolg in Baku erst möglich machte. Alle spielerisch hochwertigen Aktionen liefen über die Münchner.

SCHLÜSSELSZENEN

Auf beiden Seiten gab es folgenschweren Situationen. Auf Seiten der Deutschen waren das natürlich die Tore, die den Sieg möglich machten. Aber auch in der Defensive gab es einige wichtige Momente. Jedes Mal etwa, wenn die Mannen aus dem Aserbaidschan ind er Offensive wieder scheiterten konnte der mitunter stark gestikulierende und nicht immer zufriedene Joachim Löw aufatmen. Auch Robert Enke wurde hin und wieder leicht gefordert, war dann aber immer zur Stelle.

SPIELER DES SPIELS: Phillip Lahm

Er war einer der starken Münchner und wusste auch in dieser Rolle zu gefallen. Nach seiner Zeit auf der linken Seite im Defensivverbund der deutschen Nationalmannschaft spielt er mittlerweile einen sicheren Part auf der rechten Abwehrseite. Dort gefällt er noch mehr, spielt flott mit nach vorne und zeigte auch die ein oder andere sehr starke Flanke. Er ist zurecht einer der wenigen Spieler, die gesetzt scheinen.

FAZIT: Spielerisch sicherlich kein Leckerbissen der DFB-Mannschaft. Gegen einen kleinen Gegner war der Sieg aber auch nie wirklich in Gefahr. Zu schwach waren die Hausherren im Abschluss und den meisten Aktionen im Angriff. Dennoch: Bis zur Weltmeisterschaft gibt es für Bundestrainer Joachim Löw noch sehr viel Arbeit.

SCHIEDSRICHTER: Alan Kelly (Irland)

SPIELNOTE: 5, insgesamt eine ordentliche aber keine hochwertige Begegnung. Einige nette Aktionen heiterten den Spielverlauf auf, aber insgesamt weinte wohl auch nach dem Abpfiff niemand, dass es nun vorbei war. In einigen Phasen war es ganz klar: Aserbaidschan konnte nicht, Deutschland wollte nicht.

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