Spielbericht Gruppe 4: Deutschland – Liechtenstein

Oliver Kahn erklärte bereits vor dem Spiel, dass alles andere als ein Sieg mit fünf Toren Unterschied eine Enttäuschung sein würde. Das Endergebnis sollte ihn dann weniger zufrieden stellen. 4:0 (2:0) hieß es beim Abpfiff. Die DFB-Kicker bemühten sich zwar weitgehend um weitere Treffer, spielten aber insgesamt zu harmlos. Bis zum Endturnier in Südafrika 2010 scheint es noch ein sehr, sehr weiter Weg zu sein.

Mario Gomez, hier im Duell mit Yves Oehri und Andreas Gerster, ging gegen Liechtenstein wieder mal leer aus (firo)

Von Dennis WEINACHT

Leipzig. Sein letztes Tor für die deutsche Nationalmannschaft erzielte Mario Gomez im März 2008, also genau vor einem Jahr. Nun sollte es doch bitte gegen Liechtenstein wieder klappen, aber das blieb ein leerer Vorsatz. Beim 4:0 (2:0)-Erfolg der Hausherren waren es vier verschieden Torschützen, die trafen. Am Ende war es ein viel zu schwaches Spiel und ein noch unattraktiveres Ergebnis. Gegen den 151. der Weltrangliste hätte man mehr erwartet, auch wenn natürlich auch immer die Angst eines Ausrutschers im Kopf der Spieler verankert war.

Partie scheint früh entschieden

Aber nach einem Ausrutscher der Deutschen sah es wahrlich nicht aus. Von Beginn an agierten die DFB-Kicker mit der richtigen Einstellung, setzten sich in der Hälfte Liechtensteins fest. Bei den meisten Offensivaktionen war der sehr fleißige und ballsichere Michael Ballack beteiligt. Er war es auch, der nach nur vier Minuten das phantastische Publikum in Leipzig zum Jubeln brachte: Nach einer tollen Flanke seines früheren Bayern-Kollegens Bastian Schweinsteiger nahm er den Ball im Strafraum direkt, zimmerte ihn unter die Latte. Der Anfang war gemacht und schon jetzt schwabbte die Laola-Welle durch das Zentralstadion.

Das sollte aber nur ein vorläufiges Ergebnis sein. Es dauerte nicht lange, da legten die Spieler von Joachim Löw nach. Lukas Podolski zog aus der Distanz ab, Keeper Jehle war zwar zur Stelle, ließ das Leder aber nur in die Mitte abklatschen. Dort war Marcell Jansen zur Stelle. Er staubte eiskalt ab, erhöhte damit auf 2:0 (9.). Schon jetzt schien das Spiel entschieden zu sein, zumal die Hausherren das Spiel und den Gegner weiterhin klar dominierten.

Liechtenstein ohne Chance

Hervorzuheben war aber dennoch die tolle Einstellung der deutschen Spieler. Trotz der vermeidlich souveränen Führung gegen den Under-Dog spielten die Akteure weiterhin engagiert und sehr kampfbereit. Liechtenstein blieb de facto ohne Möglichkeit, sich aus der eigenen Hälfte zu befreien. Klasse, was die Mannen mit dem Adler auf der Brust taktisch boten, wenngleich auch die spielerischen Elemente nun seltener wurden. Aber das tat der Stimmung im Stadion wahrlich keinen Abbruch. Am Heimsieg auf dem Weg nach Südafrika 2010 zweifelte nun keiner mehr. Egal, ob das Match nun gut oder schlecht war, die Zuschauer gingen mit, als sei es längst das Finale der Endrunde.

Blutleer und uneffizient

Aber so spielten die Akteure wahrlich noch nicht. Tolle Werte in Ballbesitz und Zweikampfstärke konnten keine wunderbaren Torchancen folgen lassen. Erst in den letzten Minuten des ersten Durchgangs wurde das besser. Da verfehlte Lukas Podolski das Gehäuse zweimal knapp (39./43.), da köpfte der sehr auffällige Jansen das Leder mit einem Kopfball an die Unterkante der Latte (37.). Insgesamt hätte die Führung höher ausfallen können. Aber das späte Aufbäumen diente wohl vor allem zur Beschwichtigung von Bundestrainer Löw, der klare Worte gefunden haben dürfte in der Kabine. Da durfte auch gerne noch mehr kommen von den Kickern der heimischen Delegation. Noch waren 45 Minuten Zeit.

Wieder flotter Beginn

Und wie schon im ersten Durchgang, starteten die Deutschen auch dieses Mal wieder gut. Nachdem Mario Gomez in den ersten Minuten noch versemmelte, war es Bastian Schweinsteiger, der das 3:0 erzielte. Sein erster Treffer seit dem letzten September hätte allerdings nicht zählen dürfen. Podolski stand bei einem Anspiel im Abseits, schloss ab und „Schweini“ staubte zum 3:0 ab. Auch der dritte Treffer wurde von einem Mittelfeldspieler erzielt (48.). Das erste Tor eines Angreifer markierte kurz darauf „Prinz Poldi“ selbst, als er nach einer Hereingabe glücklich an den Ball kam und sicher einschob (50.). Wie schon in den ersten 45 Minuten erzielten die Hausherren zwei frühe Treffer.

Partie verflacht wieder

Aber auch danach war schon Schluss gewesen. Die deutsche Nationalelf stand nun wieder in der Defensive sehr kompakt, fuhr auch einige sehr schöne Angriffe und spielte mittelprächtig nach vorne. Insgesamt wäre noch mehr Torgefahr denkbar gewesen, aber dazu fehlte es an Torhunger und Durschlagskraft. Die ersatzgeschwächten Gäste aus Liechtenstein hatten nach wie vor nichts entgegenzusetzen. Im Angriff der Deutschen konnte einem Mario Gomez mitunter auch Leid tun, der sich einige Möglichkeiten erarbeitete, diese aber nicht nutzen konnte. Alleine er hätte zwei, drei weitere Tore erzielen können, wenn nicht sogar müssen.

Auch Löw unzufrieden

Aber nicht nur der objektive Zuschauer, sondern auch Bundestrainer Joachim Löw war unzufrieden. Er gestikulierte an der Außenlinie wild, forderte von seiner Mannschaft weitere Tore. Ihm war das 4:0 längst nicht genug. Er erhoffte sich weitere Treffer, aber sein Team konnte diese Forderungen nicht umsetzen. Wenige Torchancen wurden vergeben, Angriffe zu zögerlich ausgespielt. Das war noch bei weitem nicht weltmeisterlich. Aber bis zum Endturnier 2010 bleibt auch noch ein Jahr Zeit. Es wurde wieder einmal deutlich, dass es noch viel Arbeit gibt.

Enttäuschend aber bedeutungslos

Und dennoch sollte man das Spiel am Ende auch nicht zu hoch bewerten. Der 25. Sieg von Joachim Löw als Bundestrainer war sicherlich nicht schön anzusehen, aber letztlich eben doch ein Erfolg. Oliver Kahn hatte wohl ebenso wie alle anderen Deutschen auf einen höheren Sieg gehofft, der aber letztlich ausblieb. Zufrieden waren die meisten nicht, aber die Tabelle der Gruppe vier in der WM-Qualifikation Europa ist weniger kritisch und der Vorsprung vor Russland bleibt gleich. Mna darf darauf hoffen, dass sich bis 2010 noch einiges verbessert...

Eure Meinung: Wie bewertet ihr diesen Auftritt der Nationalelf?



 
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