Vorschau: Deutschland – Liechtenstein

Die deutsche Elf bekommt es nun gegen einen vermeintlich leichten Gegner zu tun. Die einzige Gefahr liegt wohl darin, die Aufgabe zu einfach zu nehmen und das Fußballspielen einzustellen. Nach dem mehr als durchwachsenen letzten Auftritten muss sich die deutsche Elf allerdings steigern, um vor allem die Fans wieder milde zu stimmen. Für den Gegner heißt das Motto: Schadensbegrenzung.

WM-Quali: Jubel über den Torerfolg gegen Russland (firo)

Von Christoph VOGEL

Leipzig. In ihrem fünften Spiel der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika trifft Deutschland auf Liechtenstein. Gleichzeitig trifft eine der größten Fußballnationen auf einen wahrhaftigen Fußballzwerg. Ein Unentschieden des Gegners gegen die Elf von Bundestrainer Joachim Löw würde die kühnsten Erwartungen übertreffen, doch die Vorzeichen sind andere. Für die DFB-Elf geht es statt den eingeplanten drei Punkten darum, die eigenen Fans nach der Niederlage gegen Norwegen (0:1) wieder auf ihre Seite zu bekommen.

Pflichtaufgabe

Tatsächlich war das Raunen nach der Pleite gegen Norwegen groß, denn der Gegner damals war stark ersatzgeschwächt und wurde wohl letzten Endes auf die leichte Schulter genommen. Auch das Spiel zuvor wurde gegen England verloren und somit kassierte die Nationalelf erstmals unter Löw zwei Niederlagen hintereinander. Doch mit einer Niederlage gegen den Gegner aus Liechtenstein rechnet selbst der größte Pessimist nicht. Dieser hat in der Gruppe bisher lediglich einen Punkt geholt und das gegen den zweiten Außenseiter aus Aserbaidschan. Das Spiel am Samstag dürfte demnach (bei allem Respekt dem Gegner gegenüber) eher als bessere Trainingseinheit gelten, um sich auf die weitaus schwierigere Partie am Mittwoch vorzubereiten, wo man in Wales antreten muss.

Steuerparadies – und was ist mit Fußball?

Die Liechtensteiner um ihren Trainer Hans-Peter „Bidu“ Zaugg sind vielmehr für ihre Vorteile in der Steuerabrechnung bekannt als für erfolgreichen Fußball. Doch vor nicht allzu langer Zeit durfte der kleine Verband einen historischen Erfolg feiern: am 17. Oktober besiegt man Island mit dem phänomenalen Ergebnis von 3:0. Seitdem wartet die Mannschaft aus dem zwar kleinen, aber dennoch fußballbegeisterten Land auf einen Dreier. Der „Star“ des Teams ist Mario Frick, gleichzeitig Kapitän und Rekordnationalspieler. Der bereits 34-jährige, aktuell beim AC Siena in der italienischen Serie A unter Vertrag, erzielte in 83 Länderspielen 13 Tore und ist dadurch auch der Rekordtorschütze Liechtensteins.

Torwartfrage geklärt

Für Bundestrainer Joachim Löw ist die Sache klar: ein Sieg ist fest eingeplant gegen den Gegner. Wer das Tor am Samstag hüten wird, entschied Löw kurzfristig am heutigen Donnerstag: Robert Enke von Hannover 96 wird im Kasten stehen. Der Leverkusener René Adler, der sich im letzten Spiel am Ellbogen verletzte, und der Bremer Tim Wiese müssen mit der Ersatzbank Vorlieb nehmen. Gerade für Adler, der aus Leipzig kommt, wäre das Spiel im Zentralstadion eine große Sache gewesen. „Die Enttäuschung ist groß. Es wäre etwas Besonderes gewesen, in der Heimatstadt zu spielen. Aber ich will kein unnötiges Risiko eingehen“, so Adler.

Ein Sturm zieht auf

Neben Adler steht lediglich Piotr Trochowski, dem eine Innenbanddehnung immer noch zu schaffen macht, nicht im Kader. Für die Tore sollen der Stuttgarter Mario Gomez und Lukas Podolski schießen. Gerade Gomez ist in bestechender Form und dürfte der Liechtensteiner Hintermannschaft arge Probleme bereiten. Im Mittelfeld steht mit Kapitän Michael Ballack ein Mann, der zuletzt mehr Untersützung seiner jungen Mitspieler gefordert hatte. Neben ihm könnte Marcell Jansen auflaufen, der sich in Hamburg immer mehr seiner Topform nähert und über die linke Außenbahn kommen könnte.

Fans wollen Torfestival

Es geht am Samstag hauptsächlich um die Rehabilitation für die zwei Pleiten gegen England und Norwegen, sodass die Fans sich ein Torfestival erhoffen. Gerade in der Schlussphase, wo die Kondition der Liechtensteiner Elf nachlassen wird, soll es im Kasten von Peter Jehle, Torhüter in der zweiten französischen Liga beim FC Tours, ein ums andere mal klingeln. Die letzte Begegnung endete Standesgemäß 6:0 für Deutschland und auch diese mal sollte das Ergebnis in dieser Größenordnung ausfallen. Vor dem Spiel gegen Wales am Mittwoch soll sich die Mannschaft Selbstbewusstsein aneignen und keine Zweifel am Zustand des Teams lassen. Drei Punkte sind fest eingeplant. Alles andere wäre eine ganz, ganz dicke Überraschung.

Eure Meinung: Wie hoch gewinnt die DFB-Elf gegen Liechtenstein? Oder blamiert sich der Vize-Europameister vor eigenem Publikum?



 
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