Spielbericht Gruppe 4: Liechtenstein – Deutschland

Alles richtig gemacht! Der Start in die WM-Qualifikation in der Runde vier der Europa-Zone hätte sich kein Deutscher besser ausmalen können. Am Ende gab es einen klaren 6:0 (1:0)-Erfolg, wobei „Prinz Poldi“ das Fürstentum von Liechtenstein regierte!

Zwei-Tore Stürmer Podolski jubelt mit 0-Tore Klose (firo)
Von Dennis WEINACHT

Vaduz. Der Angreifer war der beste seiner Zunft auf dem Platz. Mit zwei Treffern erzielte er ein Drittel der deutschen Tore. Die Stimmung im Schmuckkästchen von Vaduz war friedlich und sehr ausgelassen, auch nach dem Abpfiff, als der Sieg dann doch noch standesgemäßer als nach 45 Minuten erwartet ausgefallen war!

Trochowski vergibt erste Möglichkeit

Eine Phase des langen Abtastens blieb dabei von Beginn an aus. Bereits nach vier Minuten hatten die Deutschen eine richtig gute Torchance. Durch einen Doppelpass mit Klose, war Trochowski plötzlich frei im Strafraum und schloss ab. Der Keeper der Liechtensteiner Jehle war aber toll zur Stelle und konnte das Leder festhalten. Glück hatte die DFB-Elf aber direkt im Anschluss, dass der „Underdog“ einen sich bietenden Konter nicht entschlossen genug ausspielte.

Insgesamt machten es die Gastgeber aber sehr geschickt in der Anfangsphase. Sie ließen kaum Raum zum Spielen für die Löw-Elf. Mit ihren beiden Viererketten und den zwei Stürmern davor standen sie sehr kompakt. Es war nicht von der Hand zu weisen, dass sie sich durchaus auch in der Offensive versuchten, aber mit einem Weitschuss durch den „Star“ Mario Frick das Tor unter anderem nach zehn Minuten knapp verfehlten.

Jehle ist auf dem Pfosten

So entwickelte sich ein durchaus munteres Spielchen, wobei auch deutsche Nationalmannschaft hin und wieder schön kombinierte. Die zweite Möglichkeit des Spiels hatte dann Bastian Schweinsteiger, der aus halbrechter Position aber am erneut starken Jehle scheiterte (12.). Auch weil es geregnet hatte, wurden solche Szenen immer seltener. Die Deutschen konnten ihr Spiel nicht wie gewollt aufziehen, was zum einen weiterhin an den kompakt stehenden Liechtensteinern und zum anderen am nassen Rasen lag.

„Poldi“ trifft, Deutschland jubelt

Umso erlösender war dann die 21. Spielminute. Der sehr fleißige Piotr Trochwoski hatte das Leder in den Strafraum gespielt, wo der zuletzt bei den Bayern enttäuschte Lukas Podolski traf. Aus spitzem Winkel knallte er das Leder ins Gehäuse von Jehlen, der dieses Mal ohne jegliche Abwehrmöglichkeit blieb.

Nach einer halben Stunde fand sich dann der Gast wieder einmal in der Offensive wieder. Dieses Mal stand der enorm laufstarke Thomas Hitzlsperger im Fokus. Aus der zweiten Reihe packte er seinen linken Hammer aus, den der Keeper nur wegboxen konnte. Genau diese Bedingungen waren für einen Weitschuss optimal. Das musste nun nur öfter auch kommen!

Klose vergibt die Riesenchance

Stattdessen gab es aber einen erneut schönen Spielzug zu sehen: Wieder war der Ausgangspunkt Trochowski, der wie schon beim 1:0 den Ball per Steilpass in den Strafraum brachte. Dort nahm der Kapitän Miroslav Klose das Leder aus einer Abseitsposition an, schob dann aber völlig freistehend um gut drei Meter am Gehäuse vorbei (35.). Ein Stürmer seines Kalibers macht solche Tore normalerweise im Vorbeigehen, heute aber schien nicht sein Tag zu sein. Ihm fehlte es mitunter an Bindung zum Spiel.

Knappe Führung zur Pause

Aber auch ohne dieses Tor ging die DFB-Elf mit der knappen Führung in die Pause. Die größte Erkenntnis bot die linke Seite: Lahm, Trochowski und Podolski belebten das Spiel immer und immer wieder. Gerade gegen Ende des ersten Abschnittes, als den Gegenspieler so allmählich die Kräfte ausgingen, konnten diese drei Akteure mit ihrem schnellen Antritt für viele tolle Aktionen sorgen.

Insgesamt ging die Halbzeit-Führung doch deutlich in Ordnung. Große Chancen für den Gegner konnten Löws Jungs verhindern und in der Offensive zeigten sie in der „Wasserschlacht von Vaduz“ immer wieder gute Aktionen.

2:0 - „Poldi“ ist wieder der Prinz

Und das dies so bleiben sollte, zeigten die DFB-Jungs direkt wieder nach dem Anstoß. Bereits nach 48 Minuten stand es 2:0, der Torschütze war abermals Lukas Podolski. Wiederum kam die Vorarbeit vom guten Trochowski, der sich durch das gesamte Mittelfeld dribbelte und für den Bayern-Stürmer durchsteckte. Dieser machte seinen Doppelpack mit einem überlegten Abschluss perfekt. In den kommenden vier Minuten hätte das Ergebnis weiter ausgebaut werden können. Aber sowohl Hitzlsperger als auch Podolski vergaben dieses Mal, trafen nicht.

Doppelschlag zum 4:0

Besser machte es nach 65 Minuten Simon Rolfes. Der ansonsten sehr gute Jehle faustete eine Rechtsflanke viel zu kurz aus dem Gefahrenbereich, sodass der Leverkusener aus zehn Metern abstauben konnte. Richtig standesgemäß wurde es dann nicht einmal 60 Sekunden später: Ein Kopfball von der Mittellinie (!) rutschte durch bis zu Bastian Schweinsteiger, der alleine vorm nun bemitleidenswerten Jehle auftauchte und diesen mit einem tollen Lupfer überlistete. Es sollte aber noch nicht der letzte Treffer des Tages bleiben.

Hitzlsperger krönt sich selbst

Denn auch der Stuttgarter Thomas Hitzlsperger durfte sich noch einmal selbst belohnen. Einen Freistoß versenkte er nach einer Ablage und seinem Hammer im Gehäuse der Liechtensteiner. Pech für die Gastgeber: Der Kapitän Mario Frick fälschte das Leder noch unhaltbar ab (75.). So langsam wurde es dann doch standesgemäßer, als es sich in der ersten Halbzeit andeutete. So machten die Deutschen richtig Freude!

Das lag eben auch an Lukas Podolski, der nach 76 Minuten das Feld unter tobendem Applaus verlassen durfte. So bekam Kevin Kuranyi noch einmal eine Möglichkeit sich in den letzten Minuten für kommende Aufgaben zu empfehlen. Drei Minuten später traf er übrigens vermeidlich, aber das Schiedsrichtergespann entschied zu Unrecht auf Abseits.

Gastgeber wollen treffen, Westermann trifft

Es ehrte sowohl die Deutschen als auch die Gastgeber, dass sie bis zum Ende auf einen weiteren Treffer drängten. Das Spiel verflachte nie, es gab immer die Möglichkeiten weitere Tore zu markieren. Den letzten des Tages besorgte dann aber erneut ein Deutscher. Nach einem Eckball vom eingewechselten Marin setzte sich Heiko Westermann in der Mitte im Luftduell gegen alle durch und köpfte mustergültig ein (86.). Man merkte den Spielern und den Fans den Spaß an dieser Partie an. Auch auf den Rängen des kleinen Stadions war nun richtig Stimmung.

Deutschland startet gut

Und so konnten am Ende alle ganz entspannt aus diesem Match hervorgehen. Deutschland startete souverän in die WM-Qualifikation. Der Eindruck bleibt am Ende rundum positiv. Für Liechtenstein war es nur eine unbedeutende Niederlage. Am Mittwoch muss die DFB-Elf nun gegen Finnland zeigen, dass sie nicht nur gegen „Fußballzwerge“ siegen kann.

Die WM-Quali in Europa im Blick


 
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