Spielbericht WM-Playoff: Slowenien – Russland

Klein schlägt Groß: Der Außenseiter aus Slowenien hat für eine Überraschung gesorgt und sich auf Kosten Russlands für die Weltmeisterschaft qualifiziert. Ein einziges Tor reichte am Mittwoch den Gastgebern, um ein ganzes Land jubeln zu lassen.

Jubelt auch für Slowenien: Milivoje Novakovic (Giuseppe Bellini/Getty Images)
Von Daniel BUSE

Maribor. Slowenien hat für eine große Überraschung gesorgt und Russland in den WM-Playoffs ausgeschaltet: Durch ein 1:0 (1:0) in Maribor machten die Slowenen das 1:2 aus dem Hinspiel wett und sicherten sich das Ticket nach Südafrika. Den entscheidenden Treffer erzielte Bochums Zlatko Dedic (44.).

PERSONAL & TAKTIK

Im 4-4-2 der Slowenen veränderte Trainer Matjaz Kek nach der 1:2-Hinspielniederlage nichts. Er trat mit denselben 11 Akteuren in Maribor an. Im Mittelfeld tauschte Valter Birsa den Platz mit Radosavljevic und spielte nun auf der rechten Seite anstatt in der Mitte.

Bei Russland brachte Trainer Guus Hiddink Renat Yanbaev für Sergei Semak in die Mannschaft. Im 4-4-2 verteidigte Yanbaev hinten links und dafür rückte Yuri Zhirkov ins linke Mittelfeld. Andrey Arshavin wechselte auf die offensive rechte Seite.
 
SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE

Slowenien benötigte ein Tor, um den Rückstand aus dem Hinspiel auszugleichen. Entsprechend engagiert und offensiv gingen die Gastgeber zu Beginn ins Spiel. Schon nach vier Minuten hatte Milivoje Novakovic eine Riesenchance: Nach einem Pass von Valter Birsa schoss er Igor Akinfeev im russischen Tor direkt aus 12 Metern in die Arme. Die Gäste waren vom Wirbel der Hausherren ziemlich beeindruckt – und verunsichert. Nach einer Flanke von Andraz Kirm lenkte Verteidiger Sergei Ignashevich den Ball an den eigenen Innenpfosten (10.).

Die Russen überließen Slowenien das Spiel – und warteten auf Konter, die allerdings vor der Pause nicht kamen. Ein Linksschuss von Roman Pavlyuchenko, der knapp daneben ging, war das einzige Lebenszeichen der Gäste im ersten Durchgang (19.). Auf der anderen Seite wurde das leidenschaftliche Spiel der Slowenen mit Möglichkeiten belohnt.

Novakovic versuchte es mit einem Flachschuss aus 17 Metern, doch Akinfeev hatte keine Probleme (27.). Kurz vor der Pause war der Gästekeeper allerdings machtlos: Birsa schlug von der rechten Seite eine Flanke mit links nach innen und dort hielt Bochums Stürmer Zlatko Dedic sechs Meter vor dem Tor einfach die Fußspitze hin und traf zum gefeierten 1:0 (44.).

SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE

Zu Beginn der zweiten Hälfte wechselte Russlands Trainer Guus Hiddink offensiv aus und brachte Aleksandr Kerzhakov und Sergei Semak. Richtigen Schwung brachte die Aktion allerdings nicht ins Spiel der Russen. Zwar standen die Slowenen nun etwas tiefer in der eigenen Hälfte, doch sie hatten weiterhin ihre Chancen: Novakovic scheiterte mit seinem Linksschuss an Akinfeev (60.).

In der 66. Minute ereignete sich dann eine vorentscheidende Szene: Kerzhakov rutschte vor dem Tor in einen freien Ball und versuchte, die Kugel ins Tor zu lenken. Er traf jedoch Sloweniens Torwart Handanovic, der in diesem Moment gerade liegend zupacken wollte. Schiedsrichter Terje Hauge wertete Kerzhakovs Aktion als Tätlichkeit und schickte den Russen mit Rot vom Platz.

Die Aufgabe, ein Tor zu schießen, wurde damit für Russland natürlich noch schwieriger. In Unterzahl gelang ihnen nicht mehr als ein Kopfball von Pavel Pogrebnyak (77.) und ein Versuch von Zhirkov aus spitzem Winkel, den Handanovic hielt (85.). In der Nachspielzeit konnte Vasiliy Berezutskiy eine Flanke am zweiten Pfosten nicht mehr aufs Tor lenken (90.+3). Zu dem Zeitpunkt war Russland nur noch zu neunt, weil Zhirkov nach einer Rangelei mit einem slowenischen Ersatzspieler die gelb-rote Karte gesehen hatte (90.+2).

SCHLÜSSELSPIELER & -SZENEN

Das 1:0 durch Zlatko Dedic belohnte Slowenien für eine gute und mutige erste Halbzeit. Der Stürmer war mit der Fußspitze zur Stelle und verwandelte eine Rechtsflanke von Valter Birsa zur Führung. Nach der Pause mussten die Russen kommen, um ein Tor zu erzielen. Doch in der 66. Minute mussten sie einen schweren Rückschlag bei ihrem Vorhaben hinnehmen, als Schiedsrichter Terje Hauge einen Einsatz des eingewechselten Aleksandr Kerzhakov gegen Torhüter Samir Handanovic als grobes Foulspiel wertete und den Angreifer mit der Roten Karte vom Platz schickte.
 
SPIELER DES SPIELS: Zlatko DEDIC

In der Bundesliga ist der Bochumer Stürmer noch nicht großartig aufgefallen. Dieses Spiel wird der Angreifer aber für immer in Erinnerung behalten, denn er machte den entscheidenden Treffer: In der 44. Minute war er nach einer Flanke von Valter Birsa da, wo ein Stürmer stehen muss und traf zum 1:0, das Slowenien nach Südafrika bringt. Und auch neben seinem Treffer fiel Dedic mit viel Einsatz und Kampfgeist auf. Er warf sich in die Zweikämpfe und beschäftigte die russische Defensive.

SCHIEDSRICHTER: – Note: 5

Terje Hauge aus Norwegen pfiff – wie immer – sehr kleinlich, aber dafür konsequent kleinlich. Den Einsatz von Kerzhakov, den Hauge als grobes Foulspiel oder Tätlichkeit wertete, hätte man höchstens mit gelb bestrafen dürfen, denn der Ball war noch frei und der Stürmer versuchte, den Ball zu spielen. Ansonsten beurteilte der Norweger die meisten Situationen richtig.

Anmerkung: Die Notenskala reicht wie bei der Spielnote von 1 (Arbeitsverweigerung) bis 10 (Weltklasse).

SPIELNOTE: 7

Es war kein hochklassiges Fußballspiel, aber die Spannung der zweiten Hälfte entschädigte dafür. Vor der Pause spielten fast ausschließlich die Slowenen. Nach dem Rückstand mussten die Russen kommen – aber das taten sie nicht.

Das Spiel in der Goal.com-Statistik
 
FAZIT

Die Russen hatten schon vor dem Spiel eine hässliche Vorahnung: Das späte 1:2 der Slowenen in Moskau könnte entscheidend sein. Die 90 Minuten in Maribor bestätigten diese Prognose, denn ein Tor von Zlatko Dedic reichte den Gastgebern, um sich verdient dank eines guten Spiels für die WM in Südafrika zu qualifizieren.

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