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Zu Gast bei Freunden: Ein Besuch beim Onlinefussballmanager-Wanderpokal
Lautsprecherdurchsagen, jubelnde Menschen, die Sonne hängt hoch am blauen Himmel über der Hauptstadt, es riecht nach Gegrilltem und Bier. Doch es ist kein Hertha-Spiel und auch nicht das Olympiastadion, es ist kurz nach Mittag beim 10. Wanderpokal des Onlinefussballmanagers. Auf den beiden Kunstrasenplätzen geht es bereits hoch her, hier im Neuköllner Süden, und die angereisten Fans sorgen für die richtige Stimmung. Goal.com und iamgamer.de waren vor Ort beim OFM-Meeting.
Von Philipp RUST - iamgamer.de

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Berlin. Bei Turnieren einer Online-Community denkt nicht jeder zuerst an eine solche Ver-anstaltung. Auch der Autor dieser Zeilen ist da keine Ausnahme. Als der Anruf zum Auftrag kam, war dessen erster Gedanke eine abgedunkelte Halle, erhellt durch das Flimmern dutzender Bildschirme, und Berge voller Pizzakartons auf dem Boden. Doch auch Redakteure einer Games-Seite lassen sich gerne von ihren Vorurteilen befreien. Denn was an diesem sonnigen Samstag in Berlin stattfand, war weder LAN-Party noch Nerd-Treffen, es war der Beweis, dass die digitale Welt auch bestens of-fline funktioniert.
Vor fünf Jahren das erste Turnier
Als der Wanderpokal 2005 ins Leben gerufen wurde, rechnete wohl niemand damit, was nur fünf Jahre später daraus werden sollte. Patty, der damalige Initiator, ganz sicher nicht.

„Es ist einfach unglaublich, was in so kurzer Zeit aus einer Bierlaune heraus entste-hen kann“, sagt er und schaut staunend auf die Zuschauer, die am Spielfeldrand ste-hen. „Als wir damals das erste Spiel Berlin gegen Güstrow in Waldesruth organisier-ten, waren wir gerade mal 20 Leute. Und nun schau dir das an!“ Es ist in der Tat be-eindruckend, was eine Community leisten kann, wenn sie denn nur will. „Zu Beginn war es ein reines regionales Match, und jetzt kommen die Spieler aus ganz Deutsch-land“
Bundesweite Mitspieler
Dass die Spieler aus der ganzen Bundesrepublik anreisten, bezeugte bereits der Parkplatz vor der Sportanlage. Ob Bremen oder Düsseldorf, Ruhrgebiet oder Bayern, Autos aus den unterschiedlichsten Landesteilen standen dort und zeigten, dass der Wanderpokal sicher kein regionales Phänomen ist. Doch die weiteste Anreise hatten mit Sicherheit die Süddeutschen Amateure. Zehn Stunden dauerte ihre Fahrt von der österreichischen Grenze bis Berlin, und nur um an diesem Tag dabei zu sein. Für Ciroferrara, dem Kapitän der Mannschaft, hat es sich dennoch gelohnt: „Klar ist das eine lange Tour, doch unser Clan trifft sich auch sonst fast einmal im Monat und die-ses Mal eben in Berlin.“
Während die Spiele weitergehen ertönt wieder die Lautsprecherdurchsage, die ei-nem Michael Buffer würdig wäre. Es ist Shakcool, der in seinem Trikot des Tussie-Teams und mit Cowboyhut hinter der DJ-Anlage sitzt und nicht zu überhören ist. „Ich bin extra aus Teneriffa eingeflogen“, sagt er gleich zu Beginn, „so einen Tag kann ich mir einfach nicht entgehen lassen.“ Er hat das moderieren übernommen und sichtlich Spaß daran. „Außerdem bin ich ein zufriedener OFM-User“, macht er deutlich. „Schreib das auf!“, um dann anzufügen: „Es könnte sein, dass man sich auch mal auf Teneriffa trifft“, der Beachcup-Teneriffa wäre sicherlich ein Highlight in der Geschich-te des Wanderpokals. Und sollten die Veranstalter wieder einen Berichterstatter brauchen, ließe sich das sicherlich einrichten.

Am Spielfeldrand macht sich derweil das Team Masadoflo für ihren Einsatz bereit. Die Mannschaft um den OFM-User Masadoflo ist aus Ostwestfalen angereist und besteht im Kern aus seiner Familie und einigen Mitgliedern, die sich im Forum ken-nen gelernt haben. Masadoflo ist auch einer der Organisatoren und hat den Spielplan für das heutige Turnier erstellt. „Wir sind mit zehn Leuten angereist. Haben uns extra ein Ferienhaus gemietet“, so der Teamchef. „Das ist doch echt eine super Veranstal-tung hier, oder?“ Das ist sie ohne Zweifel. Die beiden Kunstrasenplätze, auf denen gespielt wird, sehen aus wie gut gepflegter, grüner Teppich, die Preise am Grill und am Getränkestand sind mehr als moderat. Darauf hatte Yoshi besonderen Wert ge-legt, denn es ginge schließlich um die Spieler und den Spaß, und nicht darum, dass sich ein Gastronom hier bereichert.
Auch offizielle Unterstützung
Doch auch vom OFM selbst ist jemand gekommen. André Krause, Simulacrum, ist Community-Manager der Onlinefussballmanager GmbH mit Sitz in Köln und damit heute der offizielle Vertreter der Gesellschaft. Das Unternehmen, das mit ihren zwölf festen und einigen freien Mitarbeitern fast 200.000 User betreut, bietet mit dem Ma-nager ein klassisches free-to-play-Game, das großen Wert auf Benutzerfreundlichkeit legt. „Es gibt zwar auch die sogenannten Plus Accounts, doch die haben bei uns kei-ne spielrelevanten Vorteile“, stellt Andre klar. „Plus-Accounts halten das Spiel werbe-frei und damit lassen sich beispielsweise eigene Wappen kreieren oder spezielle Sta-tistiken einsehen.“ Den Wanderpokal findet auch er fantastisch. „Wir halten uns aber aus dem organisatorischen raus“ bemerkt es und blickt auf den Rasen, auf dem ge-rade der Torwart des Hauptstadtclans eine Glanzparade abliefert. „Es ist einfach su-per, wie eine Spieler-Community so etwas auf die Beine stellen kann!“
Alle Teilnehmer des Turniers müssen selbstverständlich aktiv OFM spielen, und das für mindestens drei Monate. So wollen die Veranstalter verhindern, dass sich Teams etwa von Vereinsspielern Unterstützung holen, um so den begehrten Pokal zu kas-sieren. Jeder Teilnehmer bezahlt einen kleinen Obolus von fünf Euro, womit dann die Platzmiete und all die anderen Ausgaben wie etwa die Pokale oder Urkunden begli-chen werden. „Die OFM GmbH unterstützt den Wanderpokal natürlich finanziell, doch die eigentliche Leistung stammt von den Organisatoren und den Usern“, so der Community-Manager abschließend.
Keiner muss nach Hause
Angetreten sind heute 16 Mannschaften in vier Gruppen. Gespielt wird wie bei der Weltmeisterschaft. In der Gruppenphase spielt jede Mannschaft gegen die drei Gruppenmitglieder, bevor es in die Ausscheidungsrunden geht. Anders als bei der „echten“ Fußball-WM, spielen die Teams dann auch die anderen Plätze aus. So möchte man vermeiden, dass die extra angereisten Mannschaften nach drei Spielen direkt wieder nach Hause fahren müssen.
Eine dieser Mannschaften ist kaum zu überhören. Die Fumplinge. Sie stehen am Spielfeldrand und skandieren ihren Wahlspruch: „Fumplinge, Fumplinge ho, Fump-linge, Fumplimge go!“ Der Clan war der erste überhaupt beim OFM und ist bereits seit dem vierten Wanderpokal dabei. Kennen gelernt haben sie sich im Chat und stammen aus der gesamten Bundesrepublik. Das Durchschnittsalter liegt auch bei ihnen weit über 20, obwohl sie sogar aktive Nachwuchsförderung betreiben. Der Nachwuchsfumpling ist gerade zehn Jahre alt und dennoch mit vollem Einsatz dabei. Sie haben gerade gegen die Antitechniker mit 2:0 gewonnen, beide Tore vom Goal-getter mojahampy erzielt, der eigentlich Sebastian heißt und aus Rostock kommt.

>>> Foto-Album: Der OFM-Wanderpokal in Bildern
Eine weitere Besonderheit sind die Case King Royals. Sozusagen das Bayer Lever-kusen des OFM-Wanderpokals, denn sie sind eine reine Werksmannschaft und ar-beiten alle für dieselbe Firma in Berlin. Auf der anderen Seite des Platzes haben es sich die Scottish Heros bequem gemacht. Sie sind eine der wenigen Mannschaften, die sich ausschließlich in der realen Welt kennen gelernt haben. Sie kommen aus München und Leipzig, wobei der größte Teil aus der bayrischen Landeshauptstadt stammt, und wollen beim Hallenturnier im Winter natürlich auch dabei sein.
Der LE-Clan aus Leipzig kannte sich bereits vor der Zeit beim OFM. Erst nach und nach sind sie zum Managerspiel gestoßen. Stefan der ingame eher als dafreshprince mit seiner Mannschaft dynamoleipzig bekannt sein dürfte, die in der spanischen Liga als Tabellenführer gerade Meister und Pokalsieger geworden ist, spielt mehrmals täglich Fußballmanager. „Aber ich investiere wie die meisten User nur wenig Zeit, das Game lebt ja gerade davon, dass man es immer mal zwischendurch zocken kann und nicht sein Leben danach ausrichten muss, wie bei so manchen anderen Online-Spielen“, sagt Stefan. „OFM ist einfach jeden Tag was neues und wenn wir auf Partys sind, ist der Fußballmanager auch immer das erste Gesprächsthema“ sagt er und fügt augenzwinkernd hinzu: „das finden unsere Freundinnen natürlich eher nicht so toll“.
Das bei allen beliebte Tussiteam, wie sollte es bei so einem Namen anders sein, ist eine weitere bundesweite Mannschaft. Sie haben sich im Netz getroffen und sind heute zum ersten Mal dabei. Angereist sind sie mit dem Auto, manche der Teilneh-mer haben acht Stunden im Wagen gesessen, was bei einer Anreise aus dem Ruhr-gebiet aber eher einem Stau geschuldet war. Silke81 und gawa sind jedenfalls mit vollem Elan dabei. Ob sie im Winter jedoch wieder spielen, wissen sie noch nicht so genau. Das Tussiteam sollte eigentlich eine einmalige Aktion zum zehnjährigen Jubi-läum sein. Auch die Bremer Community ist extra für den heutigen Tag in die Haupt-stadt gereist. Der größte Teil der Mannschaft kennt sich aus dem Netz und ist heute zum zweiten Mal beim Turnier dabei.
OFM verbindet
Das Onlinefussballmanager nicht nur Spaß macht sonder darüber hinaus auch noch verbindet, zeigen Silke81 und Kieler, die sich bei einem Managertreffen kennen ge-lernt haben und seit fast einem halben Jahr ganz offiziell ein Paar sind. Silke gab so-gar ihren Wohnort auf und zog vor vier Wochen zu ihrem Freund nach Kiel. Was ler-nen wir daraus? Vergesst die ganzen Single-Börsen – spielt Online-Fußballmanager!
Mittlerweile ist es später Nachmittag und das letzte Spiel, das Finale steht an. Die beiden verbliebenen Mannschaften sind Hauptstadtclan I und Ostberlin United. Die Berliner sind also unter sich. Nach dem Anstoß geht es direkt zur Sache, beide Teams wollen den eindrucksvollen Wanderpokal offensichtlich gerne mit nach Hause nehmen. Beide Mannschaften spielen wunderbaren Kombinationsfußball, doch Berlin United scheint oft eine Nasenlänge voraus zu sein. Nach zwei bis drei Stationen im Mittelfeld, der erste Schuss aufs Tor des Hauptstadtclans … Tooooor. Tor für Ostber-lin. Es hatte wohl kaum einer der Zuschauer damit gerechnet, dass das lang ersehn-te Finale des diesjährigen OFM-Wanderpokals bereits nach wenigen Minuten eine solche Wendung nimmt. Die etwa 100 Fans jubeln den beiden Mannschaften zu, ein klarer Publikumsliebling ist nicht auszumachen. Außer vielleicht bei Schakcool, der nun seinen Posten hinter dem DJ-Pult verlassen hat und seinen Freunden des Hauptstadtclans lautstark „Hinweise“ zu deren Spielweise zuruft.
Nach dem 1:0 sind beide Mannschaften deutlich vorsichtiger geworden. Es wird tak-tiert, im Mittelfeld auf Fehler des Gegners gelauert, die einen Konter ermöglichen könnten. Dann Ballbesitz Hauptstadtclan, Yoshi am Ball, er stürmt auf das Tor der Ostberliner zu und … bleibt leider am gegnerischen Torwart hängen. Das Spiel geht weiter, Ballbesitz Ostberlin, es geht rasant nach vorne, Geplänkel im Mittelfeld und … Tooooooor für Ostberlin. Der Hauptstadtclan um Organisator Yoshi ist deutlich ge-schockt! 2:0. Ist das bereits die Vorentscheidung? Die Ostberliner dominieren nun sichtlich das Spielgeschehen. Sie kombinieren sich durchs Mittelfeld, Schuss, doch der Torwart pariert. Die anschließende Ecke wird abgewehrt, auch die zweite Chance vom Eckpunkt bleibt folgenlos. Nach einer Großchance für den Hauptstadtclan sind die Ostberliner wieder in der Vorwärtsbewegung. Blitzschnell geht es durch das Mit-telfeld … Tooooor. 3:0 für United. Das Spiel scheint entschieden. Ein fulminanter Hackentrick des Hauptstadtclans scheitert am Torwart. Doch sie haben sich noch nicht aufgegeben, Eckstoß, Kopfball Yoshi … Latte. Der Ehrentreffer bleibt ihnen lei-der versagt. Der Schlusspfiff macht es amtlich … Sieger des 10. OFM-Wanderpokals ist Ostberlin United!

Die Mannschaft aus den östlichen Bezirken der Hauptstadt ist zum zweiten Mal beim Turnier dabei. Beim ersten Einsatz in Dresden schafften sie bereits den Sprung aufs Treppchen, nun also der Sieg. Ihr Schlachtruf „Ost, Ost, Ost-Berlin“ schallt über den Platz und lässt einen an Fankurven, bengalische Fackeln und dritte Halbzeiten den-ken, doch die Spieler rufen es mit einem Lachen und freuen sich sichtlich. Bfcdyna-mo, EnricoL, gibadoba, bizarre2, MarkusKutzke, beater, hottesOnkel und HeikoK haben sich den Sieg redlich verdient!
Bei der Siegerehrung stehen alle Spieler und die Zuschauer gemeinsam auf dem Platz und warten auf die Organisatoren. Yoshi und Masadoflo überreichen die Pokale an die Teilnehmer, keiner geht lehr aus. Beim abschließenden Gruppenfoto singen weit über 200 Menschen gemeinsam: „Wir sind der OFM schalalala, wir sind der OFM schaaalalalala.“ Da soll noch mal einer behaupten, dass Onlinefussballmanager in dunklen Hallen vor flimmernden Bildschirmen hocken und Pizza futtern …
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>>> Foto-Album: Der OFM-Wanderpokal in Bildern
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