ELF Horrorverletzungen: Alf-Inge Haaland (9)

Blut und Spiele! Wenn alle alles geben, sind Unfälle auf dem Rasen manchmal unvermeidbar. Bei welchen Szenen stockte der Sportwelt der Atem? Wer war Opfer, wer Pechvogel, wer Täter? Welche Horrorverletzungen haben Karrieren zerstört? Wer hat sich auf die Fußballbühne zurückgekämpft? Diese Schicksale haben bewegt: Mit einer neuen ELF-Reihe blickt Goal.com auf die hässlichste Fratze des Fußballs, die nichts für schwache Nerven ist.

Von Claas PHILIPP

Zahn um Zahn: Keane und Håland 2001 (Getty)

„Ich habe lange genug darauf gewartet. Ich hab ihn verdammt hart getroffen“, sollte Roy Keane später zu den Ereignissen vom 21. April 2001 schreiben, „nimm das, du *zensiert*. Und beschuldige mich nie wieder, Verletzungen vorzutäuschen.“ Nicht Mal in den Memoiren des Iren fielen Wörter wie Reue oder Mitleid, es gibt bis heute keine Entschuldigung. Ganz im Gegenteil. Diese Zeilen stammen aus der Feder eines Mannes, der auf das, was er getan hat, stolz zu sein scheint: „Meine Einstellung ist: Auge um Auge.“

Das erste Zusammentreffen


Was also war geschehen? Alles begann im September 1997, als Keane mit Manchester United zu Gast bei Leeds United war. Der damals 26-jährige wurde im Strafraum steil geschickt, hatte aber keine Chance, an den zu langen Ball zu kommen. Leeds-Akteur Alf-Inge Haaland überlief Keane, der streckte den Fuß raus, um den Norweger zu Fall zu bringen. Keane verletzte sich bei der Aktion selbst, blieb am Boden liegen und sollte aufgrund eines Kreuzbandrisses die nächsten neun Monate ausfallen. Haaland beugte sich über den auf dem Rasen liegenden Verletzten und beschuldigte ihn, die Verletzung vorzutäuschen und forderte ihn auf, aufzustehen, während dieser sich vor Schmerzen krümmte.

Das Revanchefoul

So weit, so gut. Es folgten diverse verbale Scharmützel, bis es fast vier Jahre nach dem Vorfall zum ersten fußballerischen Wiedersehen zwischen den beiden kam. Im Derby zwischen Man Utd. und Manchester City, wo Haaland inzwischen spielte, lief die Schlussphase. Roy Keane hat an der Seitenlinie den Ball, dribbelt einen Gegner aus und legt sich die Kugel in Richtung Haaland vor. Der Ball wurde für den Iren jedoch ganz schnell zur Nebensache, sein Blick galt nur noch dem Kontrahenten. Mit einem gezielten Tritt auf dessen Knie, der kaum brutaler hätte sein können,  revanchierte er sich für das, was Jahre zuvor geschehen war. Keane bekam Rot, beugte sich vor Verlassen des Spielfelds über den Geschundenen und warf ihm dabei ganz sicher keine Nettigkeiten an den Kopf. Er wurde für drei Spiele gesperrt und zu einer Geldstrafe von 5000 Pfund verdonnert.

Die nachträgliche Sperre

Nachdem ein Jahr später die Autobiographie des Iren erschien, aus der jenes eingangs erwähnte Zitat stammt, war auch dem letzten klar, dass Keane Haaland gezielt verletzen wollte. Die FA sperrte ihn daraufhin für weitere fünf Spiele, zudem musste er noch einmal 150.000 Pfund zahlen. Haaland konnte nach dem folgenschweren Zusammentreffen nie wieder richtig Fuß fassen und beendete ein Jahr später seine Karriere. Ob dies tatsächlich mit Keanes Tritt zusammenhing, ist unklar.

VIDEO: Roy Keane vs. Alf-Inge Haaland


Haalands Karriereende


Fakt ist, dass Haaland nach seinem Rücktritt auf seiner Internetseite angab, dass ihn Probleme mit dem anderen, linken Knie zur Aufgabe gezwungen hätten - Keane hatte das rechte Knie lädiert. Fakt ist auch, dass er bereits in der Woche nach dem böswilligen Foul zwei Einsätze hatte, wenn auch nicht über die volle Spielzeit. Haaland selbst sagte allerdings: „Das Knie tut noch immer weh und das wird sich auch nicht ändern. Das muss ich akzeptieren. Ob dieses Foul meine Karriere beendet hat? Nun, ich habe danach nie wieder ein Spiel über 90 Minuten gemacht, oder? Klingt das nicht wie ein eindeutiger Zusammenhang?“ Aber ob Keanes Foul nun für Haalands Karriereende gesorgt hat oder nicht - eines der dunkelsten Kapitel im modernen Profifußball ist es allemal.

Eure Meinung: Was sagt Ihr zu dem Verhalten Keanes? Hätte die FA härter durchgreifen müssen?




 
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