Die (R)Evolution der Innenverteidigung - von der Zweier-Abwehr zum Libero (Teil 1)

In den letzten Jahren hat sich der Fußball taktisch enorm weiterentwickelt. Vor allem im Bereich der Innenverteidigung tat sich einiges. Während man früher auf Mittelläufer und Liberos zurückgriff, ist heute die Viererkette das Non-plus-Ultra. Goal.com hat sich die Entwicklung etwas genauer angesehen. Im ersten Teil geht es um die Entwicklung hin zum Libero.

Gute, alte Zeiten - Deutschland wurde 1974 Weltmeister (AFP)
Von Ramon RAM

Innsbruck. Kennen Sie den Begriff Mittelläufer? Müssen sie nicht. Die Spezies gibt es im modernen Fußball nämlich nicht mehr. Dabei war der Mittelläufer in den Anfangsjahren des professionellen Fußballs in jeder Mannschaft zu finden. Kein Trainer verzichtete auf den letzten Mann vor dem Torhüter, der von zwei Verteidigern flankiert wurde. Entstanden ist diese taktische Variante aus der so genannten „schottischen Furche“ – einem 2-3-5-System, wo der spätere Mittelläufer noch im Dreier-Mittelfeld zu finden war.



Mehr Defensive, für mehr Offensive

Später entschied man sich dazu, den zentralen Mann in die Abwehr zu versetzen. Das Ziel: Den Spielaufbau, der vorher praktisch nur mit hohen Bällen stattfand, zu fördern. Der Mittelläufer war demnach erster Anspielpartner in der Defensive und sollte dann den Ball schnellstmöglich nach vorne bringen. Doch auch dieses System war von relativ kurzer Dauer, weil der Ballbesitz und der langsamere Spielaufbau in den Folgejahren immer wichtiger wurden.

Brasilianer erfinden den Libero



Die Brasilianer entwickelten den Mittelläufer so weiter, dass er weiter zurückgezogen wurde und als so genannter „freier Spieler“ viel Platz und Zeit haben sollte. Der Libero war mehr ein Organisator und Dirigent, als ein Abwehrspieler. Aus Zweikämpfen sollte er sich weitestgehend heraushalten, stattdessen lenkte er die Geschicke aus einer freien Position heraus. Dass er soviel Platz haben konnte lag auch daran, dass die „eigentliche“ Abwehr vor dem Libero positioniert wurde. Brasilien kam mit dieser Taktik 1950 übrigens ins Finale, verlor dort aber gegen Uruguay.

Franz Beckenbauer, der personifizierte Libero

Noch heute gilt Franz Beckenbauer als Inbegriff des Libero. Beckenbauer war kein Zweikämpfer, Beckenbauer war keiner, der durch Robustheit auffiel. Beckenbauer war der erste Spielgestalter im Defensivbereich. Seine Pässe waren eine Augenweide, Fans schwärmen noch heute von seiner außergewöhnlichen Technik. 



Offensivaufgaben werden wichtiger

Da er von vielen Defensivaufgaben entbunden wurde, weil unter anderem der sogenannte Vorstopper viel Arbeit abnahm, konnte sich Beckenbauer und in der Folge auch andere Liberos seines Spielertypus viel in die Offensive einschalten.

Erstmals musste ein Verteidiger in erster Linie nicht nur verteidigen, sondern auch das Spiel von hinten heraus ankurbeln.  Die Zeit der langen Pässe auf die Stürmer war endgültig vorbei. Doch die Entwicklung sollte noch viel drastischer werden.

Morgen erfährst du hier im zweiten Teil, wie es zur Geburtsstunde der Viererkette kam.



 
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