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Erzielte bisher neun Tore in 23 Spielen: HSV-Stürmer Bobby Wood (li.)

Jovanovs HSV: Wood ist nicht zu halten

Erzielte bisher neun Tore in 23 Spielen: HSV-Stürmer Bobby Wood (li.)

Martin Rose

Der Beraterwechsel des Amerikaners heizt Spekulationen um einen Abgang im Sommer an. Vereine aus der Premier League sind interessiert.


KOLUMNE

In den vergangenen Jahren gab es viele gute Gründe, den Hamburger SV für seine Einkaufspolitik zu kritisieren. Zu alt, zu teuer, zu wenig Leistung - auf etliche Transfers treffen diese Beschreibungen zu. Zwar nicht pauschal auf alle, denn es gab und gibt auch jüngere Spieler, die viel Geld kosten, aber zu selten gute Leistungen liefern. Über die grundsätzliche Tendenz gibt es beim Heranziehen der Fakten aber keine zwei Meinungen: Der HSV lag bei der Auswahl seiner Neuverpflichtungen häufiger daneben als er Volltreffer landete.

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Mit Bobby Wood hingegen ist nach zahlreichen Enttäuschungen endlich ein solcher Volltreffer gelungen. Weil sich der HSV, anders als sonst, sehr früh um ihn bemühte und nicht allein mit einem großen Gehalt, sondern einer Idee zu überzeugen wusste, entschied sich der Amerikaner im Frühling des letzten Jahres für die Rothosen. Hamburg ist für ihn nämlich das perfekte Sprungbrett zu einem Top-Verein in Europa. Das ist auch den damaligen Verantwortlichen von Anfang an bewusst gewesen. Hier wird er auf das vorbereitet, was ihn in noch stärker Ausprägung beim FC Liverpool oder Arsenal London erwarten würde: Medieninteresse, Erwartungshaltung, Leistungsdruck.

Ein Schnäppchen aus der 2. Liga

Wood ist für mich darüber hinaus das perfekte Beispiel, dass es nicht immer nur die großen und teuren Namen des Fußballs sein müssen, um eine gute und attraktive Mannschaft zusammenstellen. Zwar sind 3,5 Millionen Euro für einen Spieler aus der zweiten Liga nicht wenig, im Vergleich mit anderen wirkt dieser Transfer aber wie ein Schnäppchen. Zumal sich Woods Marktwert in rasanter Geschwindigkeit erhöht und die Leistungen die gezahlte Summe mehr als rechtfertigen. Spielerberater schätzen, dass der HSV schon im Sommer mit Angeboten bis zu 15 Millionen Euro rechnen kann.

Denn Wood ist für Vereine aus der Premier League nicht nur aus sportlicher Sicht äußerst interessant. Für sie geht es auch um den amerikanischen Fernsehmarkt, auf dem sich deutlich mehr Geld als bisher verdienen lassen würde, wenn einer ihrer Landsleute mit dem Trikot einer Weltmarke des Fußballs aufläuft. In die Notizblöcke der englischen Scouts hat er sich ohnehin längst geschossen (Goal berichtete). Aber wie reagiert der HSV?

"Wenn sich andere Vereine für unsere Spieler interessieren, dann ist das zunächst etwas Positives. Denn das wäre der Beleg dafür, dass sie etwas gut gemacht haben", hatte Sportchef Jens Todt kürzlich gesagt. Womit er völlig richtig liegt. Bisher lief es in vielen Fällen nämlich anders. Über Vermittler versuchte der HSV einige Spieler los zu werden, die er nicht mehr brauchte. In der Regel ohne Erfolg. Jetzt ist es umgekehrt. Mit dem Unterschied: Der HSV könnte Wood auch in der kommenden Saison gut gebrauchen.

Wood wechselt Berater

Zu halten wird er meiner Meinung nach aber nicht sein. Ich fürchte nicht einmal dann, wenn Investor Klaus-Michael Kühne im Sommer den Geldbeutel für einen neuen Angriff auf dem Transfermarkt öffnet, um die Mannschaft erneut aufzurüsten. Die Wahrscheinlichkeit, dass der HSV in der nächsten Saison oben mitspielt, ist relativ gering. Außerdem sprechen weitere Gründe für einen Wechsel: In einem besser Team mit deutlich mehr Chancen pro Spiel (der HSV erspielt ligaweit die wenigsten Tormöglichkeiten) kämen seine Qualitäten besser zur Entfaltung.

Für seine persönliche Entwicklung wäre eine Veränderung im Sommer also durchaus nachvollziehbar. Kann sein, dass er mit dem Wechsel seines Beraters (er wird jetzt von Ex-Kühne Intimus Volker Struth vertreten) die Vorbereitung dieses Schrittes in kompetente Hände legt. Struth ist national und international gut vernetzt, kann ihm viele Türen zu Vereinen öffnen, die dauerhaft in der Champions League vertreten sind. Oder notfalls mit Kühne über einen neuen Vertrag beim HSV sprechen. Denn klar ist: Eine großzügige Gehaltserhöhung ist ohne die Hilfe des Investors nicht drin.

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