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Markus Gisdol übernahm den Trainerposten von Bruno Labbadia

Jovanovs HSV: Worum es beim neuen Vertrag für Gisdol wirklich geht

Markus Gisdol übernahm den Trainerposten von Bruno Labbadia

Getty Images

Verein und Trainer signalisieren die Bereitschaft, den zum Saisonende auslaufenden Kontrakt zu verlängern. Unterschrieben ist aber noch nichts.


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Meinungen können sich rasend schnell verändern. Im Fußball noch viel schneller als im "normalen" Leben. Es ist keine zehn Tage her, als der Hamburger SV mit 0:8 beim FC Bayern München verlor und viele Fans nicht nur die Mannschaft, sondern auch den Trainer infrage stellten. Was habe er in Hamburg denn Großartiges bewirkt, fragten einige in den sozialen Netzwerken. Sein Punkteschnitt? Nicht wesentlich besser als der seines Vorgängers Bruno Labbadia. Der ehemalige HSV-Stürmer holte 1,2 Zähler pro Spiel, Markus Gisdol liegt bei 1,22. Das ist weder wirklich gut noch schlecht, reicht aber in der Regel für den Klassenerhalt.

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Nach dem 1:0-Sieg der Rothosen gegen Hertha BSC sieht die Welt wieder anders aus. Vor allem besser. Nun wird der aktuelle HSV-Coach für einen großartigen Trainer gehalten, der der Mannschaft zu Stabilität verholfen und ihr wieder das Toreschießen beigebracht habe. Das größte Manko unter Labbadia scheint behoben. Die Konsequenz? Gisdols am Saisonende auslaufender Vertrag sollte zügig verlängert werden.

Nach einem Sieg lassen sich solche Sätze leichter aussprechen (oder aufschreiben) als nach einer herben Klatsche in München. Zwischen schwarz und weiß erkennen euphorisierte Fans Grautöne nur selten. Denn das Thema Verlängerung ist wie schon beim letzten Mal mit Labbadia komplexer als gedacht.

Verhandlungen ziehen sich in die Länge

Obwohl Sportchef Jens Todt und Trainer Markus Gisdol unisono das Interesse an einer langfristigen Zusammenarbeit betonen, gibt es seit nunmehr fast drei Monaten noch immer kein Ergebnis. "Es hakt an gar nichts", sagt Todt, obwohl sich beide Parteien doch angeblich einig seien sollen. Worauf wird also gewartet? Liegt es wirklich nur an der Gestaltung von Details? Ich fürchte nicht.

Vielmehr treffen bei den Verhandlungen zwei konträre Interessen aufeinander. Auf der einen Seite steht der Trainer, der sich tiefgreifende Veränderungen im Kader wünscht, um spätestens in der kommenden Saison eine signifikante Verbesserung herbeizuführen.

Was er von der Transferpolitik der vergangenen Jahre hält, ist seinen Aufstellungen abzulesen: Douglas Santos (kam für fast zehn Millionen Euro), Filip Kostic (kam für über 14 Millionen) und Pierre-Michel Lasogga (kam für 8,5 Millionen) haben unter ihm inzwischen einen schweren Stand. Wirklich glücklich ist er mit ihren Leistungen nicht. Alen Halilovic, das einstige Super-Talent, hat er bereits aussortiert.

Um den Kader nach seinen Vorstellungen umbauen zu können, wird er Geld brauchen. Viel Geld. Das Problem: Allein in dieser Saison hat der HSV für Ablösen und Gehälter weit über 50 Millionen Euro verbraten. Um Gisdols Wünsche zu erfüllen, wird der HSV den Weg über Investor Klaus-Michael Kühne gehen müssen. Aber will er das?

Sparkurs oder neue Millioneninvestitionen

Wenn es nach dem Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen geht, dann darf Kühne nicht die Lösung aller Probleme sein. Im Gegenteil: In all seinen Interviews betont er, dass der HSV wieder autark arbeiten müsse. Heißt: ohne Kühne. Heißt auch: keine riesigen Ablösen und Gehälter mehr. Diesen Weg mitzugehen, kann für den Trainer eine Gefahr darstellen. Die Mechanismen des Geschäfts sind schließlich überall gleich. Bleiben die Ergebnisse aus, wird ihm niemand zugute halten, auf große Verpflichtungen verzichtet zu haben. Labbadia kann davon nicht nur ein Lied singen.

Bei der Verlängerung oder Nichtverlängerung des Vertrages von Gisdol geht es also nicht allein um Laufzeit und Gehalt, es geht um die Gesamtausrichtung des Vereins. Welcher Ansatz sich am Ende durchsetzt - Bruchhagens Konsolidierungsplan oder Gisdols teure Runderneuerung - ist bisher nicht abzusehen. Beim Transfer von Walace im Winter ist Bruchhagen jedenfalls von seinen Prinzipien abgerückt. Geht er diesen Weg im Sommer erneut mit, verliert er seine Glaubwürdigkeit. Vielleicht hat er aber keine andere Wahl mehr.

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