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Beim HSV gab es in München einiges zu bereden

Jovanovs HSV: Ein 0:8 ist nichts Besonderes mehr

Beim HSV gab es in München einiges zu bereden

Getty Images

Der FC Bayern müsste inzwischen zweistellig gegen die Rothosen gewinnen, um in Hamburg eine Welle der Empörung und Depression auszulösen.


KOLUMNE

Die besten Komödien erkennt man daran, dass man auch beim zweiten oder dritten Mal über sie lachen kann. Gastspiele des Hamburger SV beim FC Bayern München scheinen nicht dazuzugehören. Zumindest fielen die Reaktionen darauf weitaus moderater aus als beim letzten 0:8 oder dem 2:9 vor nicht allzu langer Zeit. Und auch die Witze waren diesmal mindestens genau so schlecht wie das Spiel selbst. Nur einer gefiel mir ganz gut: "Hamburger Klatschen bei den Bayern haben mehr Tradition als RB Leipzig." Stimmt. Die Frage ist nur: Was ist schlimmer? Darüber lachen kann ich deshalb nicht.

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Vielmehr habe ich dieses 0:8 mit Gleichgültigkeit hingenommen. Kann sein, dass es sich bei einer zweistelligen Niederlage anders angefühlt hätte. Dann würden wir sicher über einen neuen Tiefpunkt sprechen. Aber ein 0:8? Ist nichts Besonderes mehr.

Die Kommentare im Netz bestätigen meinen Eindruck. Der Tenor lautet: 0:8 verlieren ist zwar schmerzhaft, mehr als drei Punkte waren in diesem Spiel aber auch nicht zu vergeben Ein guter Versuch, ein Ergebnis zu relativieren, das beim letzten Mal noch deutlich stärkere Emotionen hervorrief. Wobei ich in einem Punkt widersprechen muss: Es ging nicht nur um drei Punkte, es ging auch um die Tordifferenz. Mit Minus 24 Treffern hat der HSV nun nach Darmstadt die zweitschlechteste.

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Falls es richtig blöd läuft in diesem Jahr, kann das den Unterschied zwischen Klassenerhalt und Nichtabstieg ausmachen. Daher ist das 0:8 nicht einfach nur eine Niederlage - es ist quasi ein Minuspunkt.

Gisdol will keine Ausreden liefern

Deutlich erstaunlicher als die Reaktionen der Fans empfand ich allerdings die offensichtliche Fehleinschätzung des eigenen Leistungsvermögens aller Beteiligten. Nicht nur die Spieler fühlten sich nach der erfolgreichen Phase in den letzten Wochen bereit, die Bayern zu ärgern und dies vollmundig anzukündigen. Auch der Trainer sprach vor dem Spiel von "Vollgas" und meinte damit eigentlich seine eigene Mannschaft. "So wollten und können wir uns nicht präsentieren. Aber mit einer normalen Spielleistung von uns hatte das nichts zu tun", stellte Markus Gisdol das 0:8 in der Medienrunde am Montag als eine Art Ausrutscher dar. Eine Erklärung dafür? "Will ich nicht abgeben, weil Erklärungen in dem Fall wie Ausreden sind. Und Ausreden möchte ich nach so einem Ergebnis nicht im Ansatz abliefern", so der 47-Jährige.

Dennoch: Wie kann es möglich sein, dass diese Mannschaft, die mit der Mannschaft vom letzten 0:8 oder 2:9 nicht mehr viel gemein hat, derart unter die Räder gerät? Lag es an den kranken und angeschlagenen Spielern? "Einer der Punkte, die man anführen könnte. Aber das wäre mir zu einfach. Ich möchte nicht, dass wir die Möglichkeit nutzen, um uns hinter irgendetwas zu verstecken", sagt Gisdol.

Na gut, erneut nachgehakt: Lag es an seinen taktischen Vorgaben? "Das geht zu weit zurück. Jetzt über die taktische Maßgabe gegen Bayern zu sprechen - das wollen wir nicht noch mal aufdröseln." Durchaus verständlich, schließlich müsste er sich selbst eklatante Fehler ankreiden. Denn trotz des deutlichen Rückstandes bot der HSV den Bayern Raum zum Kontern - Eingriffe von außen waren spätestens nach dem 0:6 aber nicht mehr zu sehen. Gisdol hat es seinen Spielern gleich getan und sich schon vor dem Schlusspfiff ergeben.

0:8 schockt nicht mehr

Vielleicht haben der Trainer und die Fans jedoch recht. Was bringt es, diesem Ergebnis und dieser Leistung lange Zeit hinterher zu trauern? "Wenn uns vor den Duellen mit Leipzig und Bayern jemand gesagt hätte, dass wir ein Torverhältnis von 3:8 haben, dafür aber drei Punkte, hätte ich sofort unterschrieben", flachst Gisdol, der in den nächsten Spielen zumindest wieder auf Torjäger Bobby Wood, mit ein wenig Glück auch auf Kyriakos Papadopoulos zurückgreifen kann.

Was sonst noch bleibt von diesem Wochenende? Die Erkenntnis, dass der FC Bayern inzwischen mindestens zweistellig gegen den HSV gewinnen muss, um den Verein und seine Fans bis ins Mark zu treffen. Ein 0:8 ist nach einer Nacht bereits abgeschüttelt.

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