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Vollgas oder Rückwärtsgang? Trainer Markus Gisdol steht vor dem Duell mit dem FC Bayern aufgrund der Personallage vor schwierigen Entscheidungen.


KOLUMNE

Mir wäre einiges in meinem Leben erspart geblieben, hätte ich häufiger auf meine Mutter gehört. Zum Beispiel eine harmlos wirkende Erkältung derart zu verschlimmern, dass ich mehr als zwei Wochen kaum aus dem Bett komme. Weil ich naiverweise geglaubt hatte, es wird schon nicht so schlimm sein, trotz der deutlichen Krankheitsanzeichen zwei Stunden mit dem Kumpels kicken zu gehen. Pustekuchen! Natürlich hatte meine Mutter recht und es wurde noch viel schlimmer als befürchtet. Mit professionellen Leistungssportlern können wir Möchtegern-Ronaldos uns zwar nicht vergleichen. Aber auch Profis kann eine Grippe manchmal ziemlich umhauen. Und deutlich schlimmer werden, wenn sie nicht richtig auskuriert wird.

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Zum Stand der Dinge: Neben Trainer Markus Gisdol plagen oder plagten sich auch Gotoku Sakai, Nicolai Müller, Dennis Diekmeier, Mergim Mavraj, Christian Mathenia und Albin Ekdal mit einer Erkältung oder einer Grippe herum. Zudem sind Bobby Wood, Michael Gregoritsch und Aaron Hunt weiterhin angeschlagen und nicht einhundertprozentig fit, Kyriakos Papadopoulos fällt derweil sicher aus. Summa summarum ergibt sich folgendes Bild: Ein Stammspieler steht definitiv nicht zur Verfügung, während sieben potenzielle Startelfkandidaten geschwächt oder angeschlagen ins Duell mit dem FC Bayern gehen. Ekdal und Mathenia vernachlässige ich in diesen Überlegungen aufgrund ihrer geringen Chancen auf einen Einsatz.

Gisdol setzt auf Vollgas

Wie kann also die Marschroute für das Spiel gegen den Rekordmeister lauten, der in der Champions League jüngst demonstrierte, selbst deutlich stärkere Teams als den HSV immer noch nach allen Regeln der Kunst auseinander nehmen zu können? Gisdols Antwort: "Es gibt für uns da keine zwei Meinungen. Wir wollen auf jeden Fall die bestmögliche Mannschaft auf den Platz bringen. Für uns kann es nur heißen: Vollgas." Nun werden sicher einige insistieren, dass ihm wohl nichts anderes bleibt, als vor einem Spiel solche Sätze zu sagen. Was wäre die Alternative? "Wir möchten die Höhe der Niederlage möglichst gering halten, gleichzeitig aber darauf achten, dass sich niemand verletzt. Weil wir die Spieler in den nächsten Wochen viel dringender in einem guten Zustand brauchen als auswärts gegen den FC Bayern."

Jemals so ehrliche Sätze auf einer Pressekonferenz gehört? Ich nicht. Trotzdem bin ich mir sicher: Gisdol gehen genau diese Gedanken durch den Kopf. Sie müssen sogar. Denn die Wahrscheinlichkeit auf einen Punktgewinn bei den Bayern mit einer fast ausnahmslos geschwächten Mannschaft liegt dann doch eher im Bereich Null. Punkte muss der HSV eher gegen Berlin, Gladbach, Frankfurt oder Köln einfahren. In München wird in dieser Verfassung - da lege ich mich fest - nichts zu holen sein.

Schadensbegrezung wäre sinnvoller

Übrigens: Da einige Fans das Spiel in Leipzig als Beispiel heranziehen, wie de HSV trotz seiner Außenseiterolle dennoch überraschen konnte, möchte ich auf einen Erklärungsansatz von RB-Coach Ralph Hasenhüttl verweisen: "Wir waren mit ein paar Spielern auf dem Platz, die nach Grippe oder Rotsperre zurückgekommen sind und in die viel Hoffnung gesteckt wurde. Es war aber offensichtlich, dass es nicht so einfach ist, auf dem höchsten Level wieder anzukommen. Man hat einfach gemerkt, dass wir nicht im Vollbesitz der Kräfte waren. So eine Grippe steckst du nicht einfach weg." Für den einen oder anderen mag das wie eine billige Ausrede klingen. Bei genauerer Betrachtung liegt Hasenhüttl aber richtig, denn auch Leipzig lebt in dieser Saison davon, dass alle Räder ineinandergreifen. Brechen zwei, drei wichtige Schlüsselspieler weg, gerät das Gesamtgerüst aus den Fugen.

Die Konsequenz? Gisdol muss eine von defensiver Kompaktheit geprägte Taktik vorgeben, die den Bayern das Leben extrem schwer macht. Und er muss auf einen schlechten Tag des Gegners hoffen, um zumindest eine Minimalchance auf einen Punkt zu wahren. Was nicht funktionieren wird, ist geprägt von der erfolgreichen Saisonphase und leichten Euphorie in Hamburg, übermütig in dieses Spiel zu gehen. Andernfalls kann es ziemlich übel enden. Die Fans des HSV werden wissen, was ich meine.

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