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"Beckers Borussia": Max Eberls Fehler mit Juan Arango

Von Zeit zu Zeit nehme ich die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was geht ab im BORUSSIA-PARK? Meine befangene Meinung findet ihr hier.

KOLUMNE

Von Gregor Becker

Mönchengladbach. Seit Max Eberl den Posten des Sportdirektors bei Borussia Mönchengladbach innehat, herrscht im sonst so aufgeregten Umfeld am Niederrhein Ruhe. Auch den bekannten Boulevardblättern gelingt es meist nicht, mit Gerüchten und Krisengerede für Turbulenzen im Verein zu sorgen. Dafür standen die Angestellten der Borussia in der Vergangenheit zu dicht zusammen. Doch nun schlagen die Wellen rund um den BORUSSIA-PARK hoch, denn es geht um Publikumsliebling und "Fußballgott" Juan Arango, den die Fans fast kollektiv noch mindestens ein weiteres Jahr am Niederrhein sehen wollen. Dass die "Causa Arango" nun auch medial ein großes Thema ist, daran ist Eberl allerdings nicht ganz unschuldig.

Natürlich unterliegt der Kader eines Bundesligisten stetigen Veränderungen. Der Sportdirektor muss mittel- bis langfristig denken und deshalb ist es nicht verwunderlich, dass man seitens der Borussia einen Nachfolger für Juan Arango sucht, der im Mai seinen 34. Geburtstag feiert. Im Profifußball bleibt keine Zeit für Sentimentalitäten, Verdienste aus der Vergangenheit zählen nicht, wenn es für den Klub darum geht, mit einem Spieler zu verlängern. So handeln die Profis stets auch zu ihrem Vorteil und werden wie im Fall des Venezolaners auch fürstlich entlohnt.

Keine gute Idee: Eberls öffentliche Kritik

Dass sich Eberl den bohrenden Fragen nach der Zukunft des Publikumslieblings stellt und sich bei der Entscheidung ob einer Vertragsverlängerung Zeit erbeten hat, ist ebenso verständlich wie seine Replik auf Arango, der öffentlich Respekt einforderte, zumal man sich intern sicher im regen Austausch befindet. Unverständlich bleibt allerdings die Kritik des Sportdirektors, der vor den TV-Kameras ohne Not auf "ein paar Defizite" des Südamerikaners hinwies. Dies hat Borussias Nummer 18, die nun fast fünf Jahre Leistung für den Verein bringt, nicht verdient, impliziert die Aussage gar den vermeintlich feststehenden Abgang und liefert den Medien "Futter".

Manchmal ist Schweigen Gold, Max Eberl

Angesichts des sonst so besonnenen Auftretens Eberls muss man sich wegen dieses Fauxpas wundern und gleichzeitig fragen, ob der Respekt fordernde Juan hellseherische Fähigkeiten besitzt. Zumindest könnte er sich nun intensiver mit einem Engagement in Mexiko befassen, wo man Interesse signalisiert hat und den Protagonisten der Liga MS ordentliche Gehälter überweist.

Arango ist nie ein "Flügelflitzer" gewesen, war defensiv nie ein Überflieger und trotz seiner Wichtigkeit für die Fohlen-Elf nie ein richtiger Führungsspieler. Doch der "Chiller" hat einen linken Zauberfuß, ist in der Offensive eine Waffe und sein Spiel ist so "zeitlos", dass man den Eindruck bekommt, er könne dieses noch viele Jahre so betreiben. Zudem hat er nach seinen Adduktorenproblemen im Februar zurück zu alter Form gefunden. All dessen ist man sich bei den Verantwortlichen gewiss bewusst, weshalb es eigentlich nur eine Entscheidung geben kann: Vertragsverlängerung!

Da Arango seine Lust auf einen Verbleib am Niederrhein ja mehrfach signalisiert hat, sollte eine Ausdehnung seines Arbeitspapiers, möglicherweise auch zu geringeren Bezügen, verhandelbar sein. Natürlich müsste er akzeptieren, dass er auf seiner Position bereits zur kommenden Saison Konkurrenz von seinem Nachfolger bekommt und möglicherweise deshalb auch öfter auf der Bank Platz nehmen könnte.

Rahmenbedingungen für die Vertragsverlängerung gegeben

Zuletzt wurden eine ganze Reihe potenzieller Kandidaten gehandelt: Basels Valentin Stocker, Augsburgs Andre Hahn, Stuttgarts Ibrahim Traore – alle haben das Zeug dazu, bei Borussia Mönchengladbach eine gewichtige Rolle zu spielen. Mit Fabian Johnson von der TSG Hoffenheim wurde bereits ein Spieler verpflichtet, der diese Position ebenfalls ausfüllen könnte, auch wenn er als Außenverteidiger sicher wertvoller wäre.

Kongeniales Duo gesprengt? - Juan Arango und Raffael

Bei der Borussia hat man sich durch akribische Arbeit in eine Position gebracht, dass selbst Stars wie Xherdan Shaqiri als Verstärkungen gehandelt werden, ohne dass sich der Klub lächerlich macht. Auch wenn der Schweizer nicht kommt, zeigt dies doch, dass der "gesunde, aber nicht reiche" Verein aus der Vitusstadt auch finanziell im oberen Tabellendrittel angekommen ist.

So spricht also nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich nichts dagegen, Arango zu halten, den Umbruch auf seiner Position fließend und nicht abrupt einzuleiten. Eberl sollte seine südamerikanische Seele streicheln und den Fans ihren "Fußballgott" lassen, der laut Lucien Favre im Moment ohnehin unverzichtbar sei. Und wieso sollte sich das in drei Monaten schlagartig ändern?

Schwarzweißgrüne Grüße

Euer

Gregor Becker

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