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Trotz der wachsenden Kritik ist Sami Khedira als Reals defensivster Mittelfeldspieler für Carlo Ancelotti derzeit unverzichtbar. Mit Xabi Alonsos Rückkehr könnte sich das ändern.

KOLUMNE
Von Martin Ernst

Madrid
. Wer dem eleganten Schweiger Carlos Ancelotti je mangelnden Galgenhumor vorgeworfen hat, dürfte in diesen Tagen widerlegt worden sein. "Wir werden besser spielen, und wenn es nur deswegen ist, weil es nicht mehr schlechter geht", sagte der Italiener am Mittwoch der Corriere della serra über Real Madrids Stolperstart in die noch jungen Saison. Ancelottis junges Real ist derzeit ein fragiles Gebilde. Noch.

Weder gegen Villareal noch gegen Elche konnten die Königlichen überzeugen, gegen Levante kam der Sieg erst in der letzten Sekunden zustande. Und von dem angestrebten (effektiven) Passspiel und Ballbesitz ist man derzeit weit entfernt: Tore fallen nach wie vor meist nach Kontern, Standards oder Elfmetern.

Ancelotti sucht noch die richtige Formel

Ancelotti sucht nach wie vor die passende Formel für das Angriffspiel. Und eine Konstellation, welche die Defensive weniger anfällig macht. Neun Gegentore hat Real bisher in acht Liga-Partien kassiert, mehr als Granada oder Malaga. Genau das macht Sami Khedira, den defensivsten der zur Verfügung stehenden Mittelfeldspieler, für Ancelotti im Moment aber so unverzichtbar. "Das aus den Fugen geratene Gleichgewicht wiederherstellen", beschrieb Khedira seine Aufgabe.

Vor der Abwehr hat der der neue Real-Coach soviel experimentiert wie auf keiner anderen Position sonst, aber Khedira war zuletzt eine feste Größe. Mal mit Modric, mal mit Illaramendi oder auch mit beiden. Der Ex-Stuttgarter ist in einem Ensemble von Filigrantechnikern wegen seiner defensiven Qualitäten so was wie Ancelottis letzte Absicherung im Mittelfeld, der last man standing. Umso verblüffender wirkte da, wie sehr spanische Medien in diesen Tagen gegen Khedira auf Angriff getrimmt sind.



Von "Kein Khedira-naccio mehr" bis zu "Zucchini in den Füßen": Absurde Züge sind der Kritik, die nach der Replik im Kicker sogar zunahm, nicht mehr abzusprechen. Keine Frage, Khediras Stärken liegen im Spiel gegen den Ball. Nur: Kann und soll das Ziel von Kritik sein? Kritisiert man einen Dachdecker dafür, dass er Dachdecker ist und nicht Maurer?

Wie in jeder modernen Vergesellschaftung oder Gruppierung beruht auch Fussball auf Diversität, Arbeitsteilung und Spezialisierung. Ancelotti weiß, dass Real sich auch mit zehn offensiv ausgerichteten Ballkünstlern gegen Elche oder Levante kaum leichter getan hätte. Sollte sich der deutsche Nationalspieler im Verlaufe des Herbstes auf der Ersatzbank finden, könnte das andere Gründe haben.

In Madrid erwartet man sehnsüchtig die anstehende Rückkehr von Xabi Alonso, der die Mängel im Spielaufbau beheben soll. Als Ziel hat sich der Routinier den Clasico in eineinhalb Wochen gesetzt. Nicht auszuschließen also, dass Ancelotti seine Rotationsmaschine im Herbst wieder anschmeißt...

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