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Wöchentlich nehme ich die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im BORUSSIA-PARK, was geht ab? Meine befangene Meinung findet ihr hier.

KOLUMNE

Von Gregor Becker

"Das kotzt uns alle an", wählte Max Eberl barsche Worte nach der 1:2-Pleite von Borussia Mönchengladbach bei der TSG Hoffenheim. Und das sollte es auch! Nach den Auswärtsniederlagen gegen den FC Bayern und Bayer Leverkusen, also bei der Bel Etage der Bundesliga, und zwei Heimsiegen gegen die Lieblingsgegner Werder Bremen und Hannover 96, gelang es der Truppe von Lucien Favre nicht, den Saisonstart gegen den ersten Gegner auf Augenhöhe zu veredeln. Euphemistisch ausgedrückt kann man von einem durchwachsenen Auftakt in die Spielzeit sprechen, realistisch betrachtet liegt noch Einiges im Argen. Woran liegt das?

"Angstgegner" Hoffenheim

Nichts war es mit dem ersten Sieg im achten Anlauf bei den Sinsheimern, gegen die man auch im BORUSSIA-Park erste zwei Siege in sechs Partien feiern konnte. So gibt es eben Vereine, mit denen man sich schwer tut, aber mit dieser Plattitüde, die natürlich nicht zu einer anständigen Analyse gereicht, mag ich mich nicht abgeben. Denn wenn man auf die Statistik schaut, wird diese Niederlage noch unverständlicher: 70 Prozent Ballbesitz, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe, auch im Chancen- und Eckenverhältnis lag die Borussia vorne. Alvaro Dominguez hatte die meisten Ballkontakte und zwar fast dreimal so viele wie Koen Casteels, der das Spielgerät für seine Farben am häufigsten berührte. Zur Erinnerung: Casteels ist Torhüter.

Statistisch betrachtet hat Trainer Gisdols Schießbude der Liga gar nicht so richtig am Spiel teilgenommen. Die Partie zeigt jedoch exemplarisch, wo es im "System Favre" noch hakt.

Die Sache mit dem Ballbesitz

Ballbesitzorientierter Fußball ist ja eine feine Sache, denn wenn der Gegner während eines Spiels nur ein Drittel der Zeit den Ball hat, bedeutet das ja, dass unsere Fohlen eine Stunde haben, um Tore zu erzielen und nur eine halbe Stunde welche verhindern müssen. Auch wenn das möglicherweise eine "Milchmädchenrechnung" ist, gilt es dieses System natürlich nicht im Stile van-Gaalscher Lethargie zu interpretieren, sondern durch schnelles Umschalten mit Leben zu füllen. Das gelang der Borussia bisweilen ordentlich und führte immerhin zu 34 Torchancen in fünf Spielen, von denen etwa ein Drittel genutzt werden konnte. Ein Spitzenwert in der Bundesliga. Und dennoch darf zum einen etwas mehr Torgefahr her und zum anderen muss die Ballzirkulation noch tiefer in des Gegners Hälfte verlagert werden.

Max Kruse belebt die Borussen-Offensive als ein Viertel der "Fantastischen Vier"

Und wöchentlich grüßen Fanta Vier

Vorne tauschen die "Fantastischen Vier" die Postionen so atemberaubend, dass einem beim Zusehen schwindelig wird, bringen sich immer wieder in gute Abschlusssituationen, um sich oft hastig selbst einen Strich durch die Rechnung zu machen. Während man bei Patrick Herrmann aufgrund seiner Jugend vielleicht noch ein Auge zudrücken kann, darf man von Max Kruse, Juan Arango und vor allem von Edeltechniker Raffael mehr erwarten.

Luuk de Jong konnte man nach seiner Einwechslung in Hoffenheim beim Schwinden des ohnehin angeknacksten Selbstbewusstseins zusehen, was mangels Spielpraxis kein Wunder ist. Lucien Favre hat sich dieser torgefährlichen Alternative selbst beraubt, indem er ein für den Stürmer unpassendes System wählte, ihm Amin Younes und Branimir Hrgota bei Einwechslungen meist vorzieht und de Jong selbst nur wenige Minuten Einsatzzeit gönnt.

Da der Trainer seine Stammelf gefunden hat und bis zum Saisonende vermutlich ohnehin nicht ändern wird, sollte er mit unserem Offensiv-Quartett verstärkt den Abschluss und mit dem gesamten Team die Verlagerung des Ballbesitzes ins letzte Spielfelddrittel üben.

Es könnte alles so einfach sein, ist es aber nicht

Defensiv heißt das Motto: Ordnung wahren! Gegen Hoffenheim hatte die Viererkette die meisten Ballkontakte aller Mannschaftsteile, was den Weg des Gegners zum Tor bei Verlust des Leders deutlich verkürzt. Disziplin und Positionstreue sind natürlich ohnehin gefragt. So förderten die Gegentreffer vom Wochenende für mich Erstaunliches zutage. Während Martin Stranzl und Alvaro Dominguez in der öffentlichen Wahrnehmung noch recht gut wegkamen, schoss man sich auf Filip Daems ein. Der Kapitän schaltete zweimal als Einziger und bekam dafür eine Mitschuld an beiden Gegentoren.

Beim 1:0 verschob sich die Innenverteidigung in den luftleeren Raum und schickte den Linksverteidiger vor dem Tor in ein Kopfballduell mit dem Hünen Modeste. Beim 2:0 musste Daems gar auf rechts gegen Volland aushelfen, weil Tony Jantschke und Christoph Kramer pennten. Die Abwehr hat sich zur Vorsaison personell und damit qualitativ nicht verändert und beiden Toren ging jetzt kein blitzschneller Konter voraus, weshalb es in der Grundordnung nicht stimmen kann. Und das verstehe ich nicht.

Modeste zeigte mit seinem Treffer zum 1:0, dass in der Fohlen-Abwehr mitunter die Ordnung fehlt.

Locker bleiben – auch wenn die Geduld fehlt

Die oben beschriebenen Unzulänglichkeiten traten mehr oder weniger in allen Spielen auf, führten teilweise zu Punktverlusten und verhinderten somit einen besseren Saisonstart. Ohnehin nicht sonderlich um eigenen Ballbesitz bemüht, sollten die nächsten Gegner Braunschweig und Augsburg der Fohlenelf eine Chance offerieren, unter Wettkampfbedingungen Stabilität zu üben, und die viel bemühte Balance zwischen Angriff und Verteidigung zu finden. Die Mannschaft hat den Schritt zum Dominanz-Fußball bereits eindrucksvoll vollzogen, nun gilt es lediglich, am Feintuning zu arbeiten. Aber bitte schnell. Denn Geduld gehört ja laut Lucien Favre auf den Platz und ist meine Sache nicht.

MfG oder schwarzweißgrüne Grüße

Euer

Gregor Becker

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