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Mit dem Transfer von Patrick Helmes landete Köln einen Überraschungs-Coup. Unser FC-Experte Daniel Uebber nimmt in seiner Kolumne den Wechsel von "Pat" unter die Lupe.

KOLUMNE
Von Daniel Uebber

Köln. „Watt fott es, es fott“ – jeder Kölner kennt Paragraph 4 des kölschen Grundgesetzes. Patrick Helmes hat es geschafft, dieses Stück kölscher Lebensphilosophie aus den Angeln zu heben: „Watt fott es“, ist nämlich jetzt wieder da: „Pat“ kommt zurück zum #Effzeh. Doch was bedeutet die Verpflichtung für den 1. FC Köln? Klar ist: Der Club hat einen echten Coup gelandet, den ihm wenige zugetraut hätten. Doch wie nachhaltig ist der Transfer? Woher kommt das Geld für Helmes? Bringt Helmes den Effzeh sportlich weiter? Und was bedeutet seine Verpflichtung für den Konsolidisierungs-Kurs des Vereins? Das sind die Fragen, die man in der Causa Helmes stellen muss.

Helmes schließt eine Baustelle im Sturm

Kritiker des Transfers behaupten, die Verpflichtung des Stürmers gehe am „Bedarf“ der Kölner vorbei. Ich sehe das komplett anders. Klar, wir haben mit Publikumsliebling Anthony Ujah einen guten Stürmer in unseren Reihen – doch Tony ist außer Form, reibt sich auf, trifft aber nicht. Im Fünf-Meter-Raum ist Ujah ein Ass, doch die Matchwinner-Tore hat er noch nicht geschossen, die genialen Momente sind bis dato ausgeblieben. Noch ist Ujah den Beweis schuldig geblieben, dass die 2,5 Millionen Euro Ablösesumme, die für ihn gezahlt wurden, gerechtfertigt waren. Dahinter haben wir mit Przybylko ein Talent und mit Maurice Exslager einen Spieler, der zuletzt in der zweiten Mannschaft gekickt hat. Wie schon in der vergangenen Saison fehlten dem FC bis dato echte Knipser-Qualitäten. Helmes kann diese Baustelle schließen. Er ist nach eigenen Angaben top fit, hat in der dritten Liga bereits getroffen und brennt auf sein Comeback beim FC. Gemeinsam mit Slawomir Peszko, der eine echte Bereicherung im Offensivspiel gegen Aue darstellte, ist der FC nun im Angriff erstklassig besetzt. Dazu kann er Ujah entlasten, der in den vergangenen Spielen häufig in doppelte Manndeckung genommen wurde. Ein Patrick Helmes auf dem Platz würde auch Ujah mehr Räume geben, da bin ich mir sicher. Beide sind unterschiedliche Spielertypen. Ujah, der wuselige, der sich viel bewegt, Zweikämpfe ohne Ende führt, aber eben auch etwas glücklos im Abschluss agiert, gemeinsam mit Helmes, der eher der lauernde Torjäger ist und auch auf der Halbposition zwischen Mittelfeld und Sturmzentrum spielen kann. Diese Mischung ist durchaus attraktiv. Zudem wurde mit Helmes nun auch ein gefährlicher Standard-Schütze verpflichtet. Auch hier war der Effzeh in dieser Saison noch zu harmlos. Helmes bringt Köln sportlich weiter, das steht für mich außer Frage.

Finanziell ein überschaubares Risiko 

Ein weiterer Kritikpunkt der Helmes-Gegner ist der finanzielle Hintergrund des Transfers. Sicher, der Transfer des Spielers sei ein Risiko, so Manager Jörg Schmadtke, doch es sei eben auch überschaubar. Helmes verzichtet nach FC-Angaben auf weite Teile seines üppigen Gehalts in Wolfsburg, der Vertrag mit dem VFL wurde aufgelöst, das bedeutet, dass keine Ablöse fällig wurde. Klingt nach einem echten Schnäppchen. Trotzdem dürfte, und hier begebe ich mich in den Bereich der Spekulation, ein ordentliches Handgeld geflossen sein. Und das Salär von Helmes dürfte auch deutlich höher sein, als das seiner Teamkameraden. Das passt mit der Außendarstellung des 1. FC Köln, der sich stets als klamm bezeichnet, nicht zusammen. Hat Schmadtke etwa die verschollenen Häßler-Millionen im Dachgeschoss des Geißbockheims gefunden? Oder wurden gar die Gebeine der heiligen drei Könige versetzt, um Helmes zu finanzieren? Man weiß es nicht, aber dem Beobachter bleibt nichts anderes übrig, als den Aussagen Schmadtkes zu vertrauen, dass sich der Effzeh bei der Helmes-Verpflichtung nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt hat.

Weg vom "Messias-Denken"? 

Dann ist da noch die Sache mit der Neustrukturierung des Vereins, der weg wollte vom Daum`schen Messiasdenken. Der weg wollte, vom „Prinz-Poldi“-Club. Der weg wollte vom „Lichtgestalten-Image“ eines Wolfgang Overath. Die Helmes-Kritiker sagen, dass der Transfer genau diese Entwicklung, die in den vergangenen eineinhalb Jahren erfolgreich stattfand, konterkariere. Es sei ein Rückfall in alte Zeiten, als man für viel Geld abgehalfterte Ex-Stars verpflichtete, um die Massen zu besänftigen. Ich sehe das nicht ganz so dramatisch. Helmes, als gestandener Bundesligaprofi, kann Spielern wie Przybylko, Hector, Horn oder Yannick Gerhardt viel von seiner Erfahrung weitergeben. Er kann ein Führungsspieler in dieser jungen Mannschaft werden. Sicher sind die Erwartungen an Helmes enorm. Nicht nur von den Fans, die sich mehrheitlich auf Helmes freuen, sondern auch bei den Verantwortlichen des Clubs. Mit der Verpflichtung von Helmes untermauern die Geißböcke ihre Aufstiegsambitionen. Der Transfer sagt ganz klar aus: „Wir wollen raus aus Liga 2“

Nicht bei allen willkommen

Letztlich ist da noch die Sache mit Leverkusen. Helmes, der 2008 von Köln auf die andere Rheinseite zu Bayer wechselte, war bei weiten Teilen der Kölner Südkurve als „Judas“ verschrien. Am Sonntag, beim 4:1-Heimsieg gegen Aue, hissten ein paar Fans, dem Vernehmen nach Mitglieder der Wilden Horde, ein Banner. Darauf stand in schwarzen Lettern: „Patrick Helmes – Nie mehr für den 1. FC Köln“. Nicht vergessen haben die Fans den Weggang Helmes 2008 zu Leverkusen. Helmes hatte seinen treuen Anhängern eine tiefe Wunde ins Herz geschnitten. Die Liebe zwischen Helmes und seinen Fans war endgültig zerstört, als der Stürmer im April 2009 im Trikot des rheinischen Rivalen einen Elfmeter gegen seinen Ex-Club verwandelte. Helmes und Köln – die Vergangenheit war sicher nicht einfach. Man kann schon davon ausgehen, dass sich zwischen großen Applaus beim ersten Helmes-Heimspiel auch die ein oder anderen Pfiffe gegen den Stürmer mischen werden. Spätestens nach den ersten Toren werden diese aber verstummen. Schließlich sagt ein anderes kölsches Grundgesetz: „Et blievt nix, wie et wor“ – Helmes-Gegner werden also durchaus in der Lage sein, ihre Meinung zu ändern.

Leeven Jrooß,

Euer Daniel



Eure Meinung: Wie steht Ihr zu Patrick Helmes? Ein guter Transfer für die Kölner?   

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