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Wöchentlich nehme ich die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im BORUSSIA-PARK, was geht ab? Meine befangene Meinung findet ihr hier.

Mönchengladbach. Am Ende saßen sie alle: Max Eberl vor Wut schäumend auf der Ersatzbank am Darmstädter Böllenfalltor, Elfmeter-Kunstschütze Branimir Hrgota wie ein Häufchen Elend auf einer hölzernen Pritsche in der Umkleidekabine und Trainer Lucien Favre wie ein begossener Pudel bei der Pressekonferenz. So eben hat sich Borussia Mönchengladbach mit einer 4:5-Niederlage nach Elfmeterschießen beim Drittligisten Darmstadt 98 aus dem DFB-Pokal verabschiedet und somit die hoffnungsvolle Vorbereitung auf die kommende Saison mit einem dicken Fragezeichen versehen.

Zum Saisoncheck von Borussia Mönchengladbach

 Hrgota war es nicht alleine

Auch wenn Hrgota mit dem Versuch einen auf Panenka zu machen, das Pokal-Aus letztlich besiegelte, so wäre es doch zu einfach, dem schwedischen Nachwuchskicker die alleinige Verantwortung für die Blamage in die Schuhe zu schieben. Die Mannschaft schleppte sich uninspiriert durch den glühenden Süden Hessens, zeigte nur selten Ansätze schnellen Kombinationsspiels, erarbeitete sich wenige Chancen und vergab diese schließlich leichtfertig. Allenfalls in den letzten zehn Minuten der Verlängerung konnte man einen Klassenunterschied ausmachen, als die aufopferungsvoll kämpfenden Lilien nur noch den Abpfiff herbeisehnten. Wie lässt sich der schwache Auftritt der Fohlenelf einordnen? War es Pech, kann das mal passieren, sind die Darmstädter einfach über sich hinausgewachsen oder hätte man sich möglicherweise einfach anders vorbereiten müssen?

Lucien Favre schmiedet zweischneidige Schwerter. So stelle ich mir oft die Frage, ob es alternative Herangehensweisen taktischer oder personeller Natur gäbe, die ich eher goutierte.

Jugendwahn statt Pärchenbildung

Ja natürlich, der Kader ist breiter und hochwertiger als in der Vorsaison und Lucien Favre hat ein wichtiges Zeichen gesetzt, als er in den Testspielen dem Jugendwahn verfiel und Nachwuchskickern wie Dahoud und Co. viel Spielzeit einräumte. Anderseits wurde der 17-Jährige in die U19 zurückbeordert und wird sich auf absehbare Zeit ohnehin nicht bei den Profis beweisen können. Und kann ich es mir dafür leisten, auf Pärchenbildung in der Offensive oder auf der Doppelsechs zu verzichten? Muss ich die Teilnehmer der U21-Europameisterschaft tatsächlich so behutsam aufbauen und zum Pflichtspielstart schonen oder hätte man sie in der Vorbereitung mit Doppel-Trainingseinheiten über 120 Minuten und mehr in tropischer Hitze nicht einfach öfter mal rausnehmen und locker über den Platz traben lassen können? Zugegeben, dies ist nur ein Vorschlag und es ist auch sicher kompliziert, die Youngsters körperlich auf den Punkt fit zu kriegen, aber bei anderen Klubs hat das auch funktioniert und es wurde nicht mal diskutiert.

Kein Panenka: Branimir Hrgota

Gegen Darmstadt stand eine Mannschaft auf dem Platz, die sich in alte Muster verstrickte, der Mechanismen und die Erfahrung eines Nordtveit oder Herrmann fehlte. Dabei bewerte ich auf der anderen Seite durchaus positiv, dass Favre jungen Spielern wie Julian "Basket" Korb oder Neuzugang Christoph Kramer die Möglichkeit einräumte sich in einem Pflichtspiel zu beweisen. Es ist ein gutes Zeichen an den Nachwuchs.

Luuk de Jong bleibt ein Politikum

Einer der U21-Nationalspieler, der später zur Mannschaft stieß, war auch Luuk de jong. Der Niederländer hatte einige Extra-Einheiten absolviert und präsentierte sich in einer hervorragenden körperlichen Verfassung. Doch was nützt ihm das, wenn der Trainer keinen Platz in seinem Lieblingssystem für ihn findet? So wird immer deutlicher, dass Max Kruse und Raffael nicht verpflichtet wurden, um den Stürmer endlich adäquat einzusetzen. Vielmehr scheint die "Abteilung Attacke" nun ohne de Jong ihren Dienst zu tun. Ich erinnere mich nicht daran, dass dieses Trio in den Testspielen auch nur eine Minute gemeinsam auf dem Platz stand, was danach riecht, das Favre nur mit einer taktischen Ausrichtung glücklich ist. Aber wir sind nun einmal nicht der FC Barcelona und kombinieren uns mit dieser gewissen Leichtigkeit über die gegnerische Torlinie. Manchmal tut es da auch ein echter Mittelstürmer.

Verkauf oder faire Chance für Luuk

Wenn man schon darauf verzichtet einem torgefährlichen Angreifer auch nur einen Müh entgegenzukommen und dessen Potenzial zu nutzen, dann sollte man ihn doch einfach verkaufen. So ist das weder fair dem Spieler gegenüber noch wirtschaftlich vertretbar für den Verein. Wenn ich schon einen zweistelligen Millionenbetrag lockermache, dann muss ich auch alles dafür tun, dass sich die Investition lohnt. Luuk de Jong bleibt für mich somit ein Politikum. Sollte er in München in der Startelf stehen und anschließend über mehrere Spiele die Möglichkeit bekommen sich zu beweisen, ziehe ich meine Aussage gerne zurück und behaupte das Gegenteil.

Darf Luuk de Jong wie beim Telekom Cup gegen Bayern wieder ran?

Bis dahin sehe ich allerdings Max Kruse in der Sturmspitze verschenkt, da eben nicht de Jong nachrückt, um die durch den Ex-Freiburger geschaffenen Räume zu nutzen sondern Raffael, der eigentlich auch eher ein Zuspieler für den Niederländer sein könnte. Kruse bewegt sich enorm viel und hat einen Bumms, mit dem man aus der zweiten Reihe durchaus für Gefahr sorgen kann – aber eben aus der zweiten Reihe. Ein Knipser ist der Neu-Nationalspieler nicht.

Ligastart gegen Bayern – wer spielt?

Nun, die Vorbereitung und die Aufstellung gegen Darmstadt werfen einige Fragen auf und wir dürfen gespannt sein, wie die Startelf gegen Bayern aussehen wird. Natürlich wird eine andere Mannschaft auflaufen. Nordtveit wird spielen und sich hoffentlich an seine Sechser-Qualitäten erinnern, spielte er doch in den Testspielen Innenverteidiger. Younes und Arango werden hoffentlich wieder fit sein und Alternativen darstellen. Ich kann nur hoffen, dass unsere Fohlen auf Tiki-Taka-Versuche verzichten, die Breite der Allianz-Arena trotz Lahm und Alaba auf den Außenverteidigerpositionen zu nutzen und in der Mitte ein Stürmer steht, der den Namen verdient. Mit der taktischen und personellen Ausrichtung aus dem Pokalspiel wird es jedenfalls schwer, auch wenn es nur gegen die Bayern geht.

Schwarzweißgrüne Grüße

Euer

Gregor Becker

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