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Jovanovs HSV: Das Spiel über Bande

Die wöchentliche HSV-Kolumne von Daniel Jovanov – jeden Dienstag exklusiv auf Goal.com.

Liebe Leser,

ich bin erstaunt und positiv überrascht darüber, wie viele Schreiber sich aus der Unendlichkeit des Internets hervortun, auf Missstände hinweisen und Sachverhalte hinterfragen, die in den etablierten Medien keine Erwähnung finden. Ich weiß, dass aller Anfang schwer ist und die anfängliche Euphorie aufgrund der geringen Interaktion mit den Lesern für einen Motivationsknick sorgen kann. Ich versichere euch jedoch aus eigener Erfahrung, dass die Texte von weitaus mehr Personen wahrgenommen werden, als Klickzahlen das ausdrücken können. Eine fast erschreckende Erkenntnis musste ich in diesem Zusammenhang letzte Woche nach meinem Beitrag erfahren. Da tat sich jemand auf, zunächst völlig anonym, und meinte anhand meiner Schilderungen zu wissen, mit wem ich mich treffe und Gespräche führe.

Damit möchte ich auch zum Thema überleiten: Die Suche nach dem Maulwurf. Es ist, trotz klarer Hinweise, undurchsichtiger, als es zunächst schien. Mehrfach wurde ich bereits darauf hingewiesen, den Blick nicht nur auf den Aufsichtsrat zu beschränken. An diesem Punkt möchte ich allerdings eine Sache klarstellen: Als Journalist im Auftrag eines kleinen Online-Mediums, das grundsätzlich erst mal skeptisch begutachtet wird, habe ich nur dann eine Chance, wenn die vermeintlichen Quellen, davon gibt es unglaublich viele, Beweise auf den Tisch legen. Ihr glaubt ja nicht, wer da alles in den HSV-Kreisen meint, etwas zu wissen. Dies bestätigt jedoch die Vermutung, dass das Konstrukt HSV insgesamt äußerst transparent ist.

Die Informationen gelangen daher nicht immer über den direkten Weg in die großen Zeitschriften des Landes. Hier wird „über Bande gespielt“, ist ebenfalls bekannt. Der große Aufschrei bleibt allerdings aus. Hauptsache die Show geht weiter, wird sich der Durchschnittsfan denken. Dabei werden im Hintergrund Pläne geschmiedet, die ich für sehr bedenklich halte. Im Kern ist der Ansatz richtig, einzig die falschen Leute packen es an. Vor Wochen schrieb ich bereits, wie ich mir das Szenario ausmale. Herr Kühne bestätigt diese Vermutung im Interview mit dem kicker: „Nein, ich selbst werde nicht in Erscheinung treten. Ich würde einen solchen Kurswechsel unterstützen. Und ich sage meine Bereitschaft zu, weitere materielle Hilfe zu leisten, wenn das Rad in die richtige Richtung gedreht wird“.

Die Frage, die hier gestellt werden muss: In welche Richtung soll sich das Rad drehen? Wollen wir einen Investor, der sich bereits vor einem Jahr öffentlich in die Vereinspolitik eingemischt hat und uns jetzt durch die Blume sagen will, dass er seine Geldbörse nur dann wieder öffnet, wenn es nach seinen Wünschen läuft? Am liebsten auch noch, wenn einer seiner engen Freunde im Vorfeld als der große Reformator den HSV vor dem totalen Kollaps bewahrt? Da muss ich leider passen. Denn das Problem darin liegt doch auf der Hand. Die „Reformer“ können ihre Ziele nur mithilfe der Medien an den Mann bringen. Aus diesem Kreis gäbe es also auch als Kapitalgesellschaft kein Entkommen.

Denn irgendwann wird eingefordert, was gewährt wurde. So läuft das Spiel, das muss man begreifen. Der Verein ist in seinen eigenen Strukturen gefangen und den einzigen Ausweg sehen ich und viele andere nur darin, wenn Externe, also Personen ohne HSV-Vergangenheit, sich dieser Sache annehmen. Wer das sein kann, kann ich nicht beantworten. Doch weder ich noch alle weiteren Blogger im Internet werden in der „Maulwurf-Affäre“ etwas bewirken können. Wir können lediglich hinweisen, die „Masse“ muss ihre Schlüsse daraus ziehen. Die „Masse“ ist allerdings schnell in die gewünschte Richtung zu lenken, wenn die Gefahr besteht, dass die Show ein Ende nimmt.

Soll ich überhaupt noch über den Sport schreiben? Das wäre angesichts der Themen, die derzeit außerhalb des Platzes rumliegen, der blanke Wahnsinn. Doch ich versuche es trotzdem. Im Spiel gegen Inter Mailand war zu erkennen, dass die Mannschaft besser funktioniert, als mancherorts gemutmaßt wird. Eine Dreierkette, so wie die Italiener spielen lassen, bedeutet übrigens nicht, dass nur drei Mann verteidigen, sondern fünf auf einer Linie. Dies kommt dadurch zustande, da die Spieler auf den Außenpositionen bei Ballverlust in die Abwehrkette rücken. Wenn zudem alle Spieler in der eigenen Hälfte verteidigen, macht es das für den Gegner nicht leicht.

Insofern hat der HSV seine Sache gut gemacht. Ich habe übrigens ein Interview mit Thorsten Fink führen dürfen und ihn zu einigen taktischen Überlegungen befragt. Einen Auszug des Interviews, das am Samstag zu lesen sein wird, kann ich euch jetzt schon anbieten. Zum Thema Spieleröffnung, eines der größeren Probleme im System des HSV, sagte Fink Folgendes: „Man muss ja feststellen, dass wir der erste Verein in der Bundesliga waren, der das Spiel über den zurückfallenden Sechser eröffnet hat. Mittlerweile macht das so gut wie jede Mannschaft. Zu unserer Philosophie gehört es, in Ballbesitz zu bleiben und uns hierdurch Torchancen zu erarbeiten“.

Zum Entwicklungsprozess sagte er: „Bei meinem Amtsantritt habe ich ja angekündigt, dass es Zeit braucht, der Mannschaft eine Spielphilosophie und Mentalität zu vermitteln. Ich sehe uns noch lange nicht am Ziel, aber auf einem guten Weg. [...] Franz Beckenbauer hat damals prognostiziert, dass nur ein Zauberer den Verein retten kann. Wir haben es auch ohne Magie geschafft“. Mehr davon demnächst auf Goal.com oder über meine neue Fanpage auf Facebook.

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