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Die wöchentliche HSV-Kolumne von Daniel Jovanov – jeden Dienstag exklusiv auf Goal.com.

Liebe Leser,

man stelle sich vor, der HSV eröffnet die Saison, und keiner geht hin. So ähnlich müssen sich die Verantwortlichen angesichts der überschaubaren Zuschauerzahl gefühlt haben. Dabei möchte ich den oberen Herren des Vereins überhaupt keinen Vorwurf machen. Der Nordcup hatte ein durchaus interessantes Teilnehmerfeld anzubieten. Mit den ganz großen Namen des Fußballs hat man im Volkspark ohnehin keine guten Erfahrungen gemacht.

Für mich und viele andere auch, war das Turnier eine gute Gelegenheit, um zu sehen, was Thorsten Fink ausprobiert. Besonders die erste Halbzeit gegen den FC Kopenhagen offenbarte, dass der Cheftrainer durchaus lernfähig ist. Das wird ihm ja häufiger vorgeworfen. Bislang legte Fink sehr großen Wert auf Ballbesitz - den gab man gegen die Dänen ab. Und es funktionierte. Denn der HSV ist in der vergangenen Saison das eine oder andere Mal vor heimischem Publikum gescheitert, weil die Mannschaft versuchte, das Spiel zu machen. Ich bin der Meinung, dass ihr das nicht liegt. Zumindest noch nicht.

Und so lauerten die Rothosen auf Fehler der Gäste, machten die Räume dicht und ließen Kopenhagen so gut wie keine Chance. Wenn der Ball erobert wurde, sollte es ganz schnell gehen. Zwei, maximal drei Ballkontakte dauerte es, bis der Pass ins letzte Drittel des Feldes gespielt wurde. Doch diese Spielweise kostet Kraft, weshalb Fink in der Pause umstellte und der Ball länger in den eigenen Reihen gehalten wurde. Es wäre an dieser Stelle mühsam alle Namen der Spieler aufzuzählen, die positiv aufgefallen sind. Besonders hat es mich aber für Jacques Zoua gefreut, an dessen Tauglichkeit gezweifelt wurde, ohne, dass dieser überhaupt erst ein Mal im Dress des HSV gegen den Ball getreten hat. Ich nehme mich da nicht raus.

Andererseits darf man nie außer Acht lassen, dass diese Tests kein Maßstab sind und auch kaum Aussagekraft haben. Wolfsburg schätze ich beispielsweise viel stärker ein, als es die Ergebnisse letztlich aussagen. Marcell Jansen brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: „Entscheidend ist, dass wir im DFB-Pokal und in der Meisterschaft gute Ergebnisse abliefern“. Dem kann man nicht widersprechen. Lassen wir die Truppe doch einfach machen. Abgerechnet wird zum Schluss.

Bei all den lobenden Worten sei auch erwähnt, was mir in dieser Phase nicht so gut gefällt: Oliver Kreuzers Außendarstellung. Natürlich gehöre ich zu denen, die den Sportchefwechsel nicht nachvollziehen können. Es ist jedoch unschwer zu erkennen, dass die beiden eine völlig unterschiedliche Philosophie vertreten. Kreuzer verpasst kaum eine Gelegenheit, um der Presse zu erzählen, wer gehen muss, wer kommen soll und was sonst noch so ansteht. Das hat Frank Arnesen etwas anders gemacht und sich damit jede Menge Ärger eingehandelt.

Kreuzer zeigt zudem, dass er schon früh von seiner eigenen Linie abweicht. Während es zunächst noch geheißen haben soll, dass Paul Scharner, Michael Mancienne und Slobodan Rajkovic eine faire Chance bekommen, ist das heute anders. Die Frage muss erlaubt sein, ob sich diese Maßnahme verkaufsfördernd auswirkt. Ich zweifele daran. Kreuzer scheint hingegen daran zu zweifeln, dass er diese Themen intern regeln kann. Er wählte den Weg, vieles öffentlich auszutragen.

Wobei man ihn in gewisser Hinsicht auch aus der Schusslinie ziehen muss. Wie oft hat der Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow in alle Mikrofone gesagt, dass der HSV kein Geld habe und dringend verkaufen müsse? Oft genug, um die Erwartungshaltung des Umfeldes dahin zu lenken, dass die Fragen nach Verkäufen gestellt werden müssen. Angesichts der Kadergröße wäre alles andere auch unlogisch.

In Sachen Spielerverkäufe wird sich in naher Zukunft ohnehin etwas tun. Das ist sicher. Einzig in der Frage nach dem Preis dürfte es für den HSV schwierig werden. Alle News des Tages zum HSV findet ihr übrigens hier auf unserer Übersichtsseite.

Bis zur nächsten Woche,

Nur der HSV!

EURE MEINUNG: Wie hat euch der HSV beim Nordcup gefallen?

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