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Jovanovs HSV: Wer ist die nächste Zielscheibe?

Die wöchentliche HSV-Kolumne von Daniel Jovanov – jeden Dienstag exklusiv auf Goal.com.

Liebe Leser,

es ist eine gewisse Unruhe in der Luft. Spätestens seit der Entlassung des ehemaligen Sportchefs, so scheint es mir, rumort es in allen Ecken und Enden des HSV. Bekanntlich hat diese Unruhe ihren Ursprung noch viel früher. Dass die Testspielniederlage gegen Wacker Innsbruck im Trainingslager nun für den ersten emotionalen Ausbruch der neuen Saison geführt hat, überrascht mich.

Inhaltlich mag Oliver Kreuzer mit seiner Kritik recht haben. Wie und in welchem Ton er diese geäußert hat, kann ich nicht beurteilen. Leider sind wir als „kleines“ Medium noch nicht soweit, den HSV in ein Trainingslager begleiten zu können. Nichtsdestotrotz gibt Kreuzer damit schon zu Beginn seiner Amtszeit zu verstehen, wie der Wind künftig zu wehen hat. Dafür gibt es von allen Seiten viel Lob. Er wird sich jedoch wundern, dass die Stimmung schnell in eine andere Richtung kippen kann.

Die angesprochene Unruhe hat auch das Trainingslager erreicht. „Jarchow, Ertel & Scheel raus – Ihr macht unseren HSV kaputt“, prangt auf einem Plakat in unmittelbarer Nähe des Trainingsplatzes. Doch der Rauch verpufft ziemlich schnell. Denn mit Ausnahme des Aufsichtsratsvorsitzenden Manfred Ertel, wurden die Namen der anderen, Marketing-Vorstand Joachim Hilke sollte in diesem Zusammenhang auch hinzugezogen werden, in den vergangenen Wochen und Monaten gekonnt aus der Schusslinie genommen.

Um eines gleich vorweg zu nehmen: Ich maße mir nicht an die Arbeit anderer, ohne Kenntnisse im Detail, umfassend zu beurteilen. Meine Intention ist es auch nicht jemanden an den Pranger zu stellen. Vielmehr möchte ich darauf verweisen, auf welchen Posten sich die Kritik in der Vergangenheit konzentriert hat. Da die Neubesetzung nun für ihre Taten abgefeiert wird, dürfte jedem schnell klar werden, wer die nächste Zielscheibe ist. Passend dazu ist das 0:2 gegen Wacker Innsbruck und „nur“ ein 7:0 gegen eine Amateur-Auswahl. Der kritische Unterton in der Berichterstattung ist jedenfalls unüberhörbar.

Denn bevor Thorsten Fink seinen Kader komplett beisammen hat, ein neuer Stürmer wird weiterhin dringend benötigt und gesucht, kann auch noch das eine oder andere Testspiel in die Hose gehen. Am kommenden Wochenende beim Nordcup in der Imtech Arena wird die Mannschaft zeigen können, ob die bisherigen Leistungen tatsächlich nur der Reisestrapazen und des Trainingsrückstandes geschuldet sind. Die Mechanismen sind jedenfalls bekannt – vergeigt die Mannschaft die nächsten Spiele, wird der Druck unangenehm steigen.

Abschließen möchte ich den heutigen Beitrag mit dem Thema Strukturreform und einem Satz, der mir in diesem Zusammenhang immer wieder über den Weg läuft. „Europaweit wird der HSV wegen seiner Struktur beneidet“, heißt es in Fankreisen. Mag sein, wobei ich mich frage, wer mit „europaweit“ konkret gemein sein kann. Müssten wir viele andere Vereine denn nicht wegen ihrer Erfolge beneiden? Und was genießt eigentlich den höheren Stellenwert? Als Johan Djourou in der vergangenen Woche in einer Presserunde vorgestellt wurde, fragte einer der Kollegen von der Bild nach dem Image des HSV im Ausland und außerhalb Hamburgs.

Seine Antwort verwundert nicht. „Natürlich verbinden die Menschen die Bundesliga mit dem FC Bayern und Borussia Dortmund. Aber danach kommt schon der HSV“, ließ er wissen. Ich will darauf hinaus, dass unser Bild vom HSV, also das Bild derer, die sich tagtäglich mit diesem Verein beschäftigen, nicht als Maßstab dafür angesehen werden kann, wie das Bild des HSV trotz aller Negativschlagzeilen von außen betrachtet aussieht. Andererseits dürfen sich der HSV und seine Anhänger auch nicht wichtiger nehmen, als sie sind. Um in dieser Hinsicht wieder einige Stufen nach oben zu klettern, bedarf es sportlicher Erfolge. Deshalb ist auch nicht entscheidend, was in einem Testspiel passiert.

In diesem Sinne,

Nur der HSV!

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