thumbnail Hallo,

Die wöchentliche HSV-Kolumne von Daniel Jovanov – jeden Dienstag exklusiv auf Goal.com.

Liebe Leser,

auf einen Gegenspieler, den man bereits mit unfairen Mitteln zu Fall gebracht hat, tritt man nicht auch noch ein. Das gehört sich nicht, das ist unsportlich. Die vorzeitige Auswechslung ist hart genug. Hat der Schiedsrichter genau hingeschaut, muss er dem Übeltäter die Rote Karte zeigen. Trotz mehrfachen Nachtretens hat im Fall Arnesen niemand die Rote Karte gesehen. Der Aufschrei war groß, die Nachwirkungen ernüchternd. In der Spieltagsanalyse wurde diese Szene einfach weggelassen.

Das Problem: Es gibt kein Regelwerk für Verstöße im Umgang mit Sportdirektoren. Auch keines für Trainer oder Sonstige. Doch hier eine Predigt über Ethik zu halten, ist nicht zielführend. Die Unterhaltungsbranche Bundesliga hat längst ihre eigenen Regeln erschaffen. Denen kann man sich unterwerfen. Einige geben sie sogar vor. Und diejenigen, die sie vorgeben, sind immun. Quasi unantastbar. Glauben sie.

Wem das bisher zu wirr oder metaphorisch war, darf beruhigt sein. Ich komme zum Punkt. Sicher wird euch, die ihr meine Kolumne regelmäßig verfolgt, aufgefallen sein, dass ich ein Befürworter von Frank Arnesen war. Ich bin überzeugt davon, dass er seine Arbeit unter Anbetracht der Umstände gut gemacht hat. Zu gerne hätte ich gesehen, wie er die Mannschaft mit den eingenommen Millionen durch den Verkauf von Son verstärkt hätte. Doch vielleicht erleben wir das gerade, ohne uns dessen bewusst zu sein.

”Die zukünftigen Transfers wurden von Frank Arnesen bereits ausgehandelt, Oliver Kreuzer muss diese nur noch finalisieren”, hatte Aufsichtsratchef Manfred Ertel bei der jüngsten Mitgliederversammlung gesagt. Ist euch aufgefallen, wie tendenziös Teile der Berichterstattung in den letzten Wochen waren? Das Zitat von Ertel – es ist in den Lobeshymnen auf Oliver Kreuzer untergegangen. Der mache seine Arbeit hervorragend, sei sehr akribisch und packe die Dinge ohne zu zögern an. Überall nachzulesen.

Spätestens nach dem van der Vaart-Deal wurde Arnesen zur regelmäßigen Zielscheibe

Andersherum gesehen: Will man damit sagen, Arnesen habe nicht akribisch gearbeitet? Haben wir schon vergessen, dass in der vergangenen Saison mit Rudnevs, Adler und Beister, der ja durchaus auch den Verein hätte wechseln können, statt zu verlängern, bereits vor dem Start drei Neuzugänge feststanden? Haben wir vergessen, dass Arnesen mit Töre einen seiner „Chelsea-Amateure“ gewinnbringend verkauft hat, zudem Publikumsliebling Guerrero? Inwiefern Arnesen die Transfers von Zoua, Djourou, Sobiech und Santa Cruz vorbereitet hat, wollte ich Oliver Kreuzer beim gestrigen Trainingsauftakt nicht fragen.

Da ich mich für eine faire Betrachtungsweise einsetze, dürfen an dieser Stelle auch die kritischen Stimmen nicht unerwähnt bleiben. Ich habe mit einigen sprechen dürfen, die meine Ansichten überhaupt nicht teilen. Arnesen sei teilweise nicht erreichbar gewesen, habe die Jugend vernachlässigt und die Mannschaft schlecht zusammengestellt. Entsprechende Interviews, die diese Thesen unterstützen, beispielsweise von Ex-Nachwuchstrainer Richard Golz, haben nicht lange auf sich warten lassen. Doch auch hierzu einige Anmerkungen.

Im besagten Interview wird Arnesen vorgeworfen, dass er sich nicht richtig um die Jugend gekümmert habe. Es wird bemängelt, dass es keinen Ansprechpartner gab. Doch wozu hat der HSV einen Nachwuchsleiter? Ständig wurde gefordert die Jugendabteilungen neu zu strukturieren. Dass man damit ein ganz heißes Eisen anfasst, muss jedem mittlerweile klar geworden sein. Der HSV will sich weiterentwickeln, treibt einen Umbruch voran, sogar eine neue Struktur wird gefordert – doch es soll sich bloß nichts verändern.

Ich möchte keinesfalls in Abrede stellen, dass Arnesen Fehler gemacht hat. Andernfalls halte ich das regelmäßige Nachtreten für unsportlich, gar stillos, wenn man nicht zumindest die Errungenschaften dagegen hält. Zumal sich Arnesen überhaupt nicht gegen Vorwürfe wehren kann, vermutlich auch nicht wehren will. Es soll auch das letzte Plädoyer zu diesem Thema gewesen sein. Oliver Kreuzer ist der neue Sportchef, spätestens seit gestern gilt der Fokus nur auf die neue Saison.

Auf bessere Zeiten,

Nur der HSV

Folge HSV-Reporter Daniel Jovanov auf und erhalte Live-Tweets aus dem Volkspark!

Dazugehörig