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Die wöchentliche HSV-Kolumne von Daniel Jovanov – jeden Dienstag exklusiv auf Goal.com.

Liebe Leser,

man mag uns Journalisten der „kleinen“ Medien vorwerfen, dass wir nicht nah genug am Geschehen sind, um die Entwicklungen beurteilen zu können. Ich muss mit den Aufsichtsräten aber auch nicht in einem Bett schlafen, um die aktuelle Situation als großes Desaster einzuschätzen. Und man muss auch kein Genie sein, um zu der Überzeugung zu kommen, dass beim HSV irgendetwas nicht stimmt. Seit Jahren.

Der Verein wird erneut der Lächerlichkeit Preis gegeben. Ich bleibe dabei, dass die Entlassung von Frank Arnesen ein großer Fehler war. Dazu habe ich sehr deutlich in einem Kommentar Stellung bezogen. Ich bin überzeugt, dass sich einige Herrschaften dadurch sehr viel Schuld aufgeladen haben. Auch wenn einige das ganz anders sehen mögen. Dazu möchte ich euch eine Anekdote erzählen. Als der HSV in der vergangenen Saison wieder auf einen Abstiegsplatz gerutscht war, brannte in Hamburg der Baum. Und es machte sich das Gerücht breit, dass Thorsten Fink kurz davor steht, das Handtuch zu werfen.

Er wäre den Stempel, den er nach dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte aufgedrückt bekommen hätte, nie mehr los geworden. Das betont er noch heute. Was tat Arnesen in dieser Situation? Während sich die Hamburger Journaille um Mediendirektor Jörn Wolf scharte, weil sich wieder keine Spieler getraut hatte, zur aktuellen Situation Stellung zu beziehen, nahm Arnesen Platz und verteidigte alles und jeden bis aufs Letzte. Er ließ sich weder aus der Reserve locken, noch verspürte er den Hauch von Angst. Im Gegenteil.

„Wir wissen, dass wir keinen guten Fußball gespielt haben und in einer sehr ernsten Lage sind. Aber ich glaube an meine Mannschaft. Wir werden nicht absteigen“, sagte er damals. Was soll er sonst sagen, könnte man an dieser Stelle anmerken. Es geht mir aber vielmehr darum, dass man ihm das tatsächlich abkaufen konnte. Zum ersten Mal nach sehr langer Zeit habe ich das Gefühl gehabt, dass man beim HSV füreinander statt gegeneinander kämpft.

Was erleben wir heute? Der Verein zerfleischt sich erneut von Innen. Und aus diesem Dilemma scheint es keinen Ausweg zu geben. Außer, jemand traut sich an der heiligen Schrift, der Vereinssatzung, zu rütteln, um dem HSV Strukturen zu verpassen, die viele Missstände beheben könnten. Ob das in Form einer Ausgliederung der Profiabteilung geschieht, oder ob es dafür auch eine Alternative gibt – das können die Mitglieder auf der nächsten ordentlichen Versammlung am Sonntag diskutieren.

Doch es sei erneut gesagt: Strukturen schießen keine Tore. Solange der Verein nicht weiß, was er will, wohin er will und seine Leute nicht dafür begeistern kann, an einem Strang zu ziehen, wird sich beim HSV nichts verändern. Man feuert einen Mann, der ohne Mittel eine konkurrenzfähige Mannschaft auf die Beine stellen soll, nach Möglichkeit die Versäumnisse der letzten 20 Jahre im Jugendbereich innerhalb eines Jahres behebt, um ihn dann mit dem Vorwurf, er habe das nicht geschafft, aus dem Amt zu befördern und Millionen für Abfindungen und Ablösen zu bezahlen, mit Geld, das überhaupt nicht da ist – steckt dahinter eine Strategie?

Wenn ja, welches Ziel verfolgt sie? Und ich frage mich zudem: Was kann ein Oliver Kreuzer eigentlich besser machen als ein Frank Arnesen? Ohne Geld. Ohne Einheit im Aufsichtsrat. Ohne starke Männer, die ihn schützen können, wenn der Wind kräftiger weht. Auch ein Kreuzer wird vor den selben Problemen stehen, wie sein Vorgänger. Nur kurzfristiger Erfolg wird ihn und Thorsten Fink retten können.

Der neue Aufsichtsrat versprach als Einheit aufzutreten und mit einer Zunge zu sprechen. Dieses Vorhaben ist misslungen. Dazu muss man nur einen Blick in die Tageszeitungen werfen. Ich möchte den Räten aber auch nicht die alleinige Schuld an der aktuellen Situation geben. Es sind auch die Mitglieder, die seit fast 20, vielleicht 30 Jahren tatenlos zusehen, immer wieder aufs Neue Laien und Fußballfremde in ein Gremium wählen, das die Macht darüber hat, die wichtigste Personalie im Verein zu entlassen beziehungsweise einzustellen. Das ist der eigentliche Wahnsinn.

Ich habe noch weitaus mehr Gedanken, die ich hier unterbringen würde, doch das nähme kein Ende. Ich lade euch über herzlich ein, mir auf Twitter zu folgen und weiterzudiskutieren. Über Arnesens Erfolge, die Fehler während seiner Amtszeit, die Sportchefsuche oder über Vereinstrukturen. Denn meine Kolumne wird eine Sommerpause einlegen. Zum Saisonstart melde ich mich zurück. Bis dahin wünsche ich dem Verein Geschlossenheit und Mut.

Nur der HSV

EURE MEINUNG: Oliver Kreuzer soll es werden - eine gute Wahl?

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