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Die wöchentliche HSV-Kolumne von Daniel Jovanov – jeden Dienstag exklusiv auf Goal.com.

Liebe Leser,

als Wolfang Stark das Spiel am Samstagnachmittag gegen 17.18 Uhr abpfiff, war ich zufrieden. Natürlich nicht wegen des Ergebnisses, sondern weil das Publikum minutenlang applaudierte. Es war ein Zeichen der Anerkennung für den Kampf, den die Mannschaft ablieferte. Die Hoffnung auf die große Überraschung hat dem Team Kraft verliehen. Spielerisch stießen sie zwar erneut an ihre Grenzen, mehr war aber auch nicht zu erwarten.

In der Rückbetrachtung der Saison könnte man viele negative Aspekte herausstellen. Doch einzig das Ergebnis zählt. Und das beschert dem HSV einen durchaus zufriedenstellenden Tabellenplatz. Wer geglaubt hat, dass man mit ein paar Investitionen in Millionenhöhe sofort eine schlagkräftige Mannschaft zusammenstellen kann, der hat den Sport nicht verstanden. So einfach lassen sich blanke Zahlen dann doch nicht auf den Platz übertragen.

Und wer sich Rafael van der Vaart ganz genau angesehen hat, wird sich irgendwann die Frage stellen müssen, wie das in den nächsten beiden Jahren aussehen soll. „Rafa bewegt sich wie ein Altherren-Fußballer“, witzelte ein Kollege auf der Pressetribüne. Ich möchte ihm nicht widersprechen. Aber ich habe auch keine plausible Erklärung, warum van der Vaart nicht austrainiert wirkt. Darüber habe man aber schon während seiner Zeit in London diskutiert, klärte mich einer auf.

Ich stelle überhaupt nicht infrage, dass sein Transfer zum HSV viel bewegt und womöglich kurzfristig die Krankheitssymptome behoben hat. Entscheidender ist, dass der Verein im Sommer vor Herrn Kühne auf die Knie gefallen und dem Druck nicht standgehalten hat. Denn sportlich, und das hört man immer wieder aus unterschiedlichen Ecken, haben sich Fink und Arnesen nicht für seine Verpflichtung ausgesprochen. Nach dem verkorksten Saisonstart und der öffentlichen Kritik von Herrn Kühne, blieb ihnen jedoch keine andere Wahl.

Zur Erklärung: Fink und Arnesen haben an einer Mannschaft gebastelt und mit Milan Badelj die erhoffte Lösung für das Problem im zentralen Mittelfeld gefunden. Mit der Verpflichtung van der Vaarts ist die Spielidee jedoch über Bord geworfen worden. Er sagte ja bereits über sich selbst, dass er zu einem Typus von Spieler gehört, den es im modernen Fußball nicht mehr gibt. Wer die Spiele des HSV aufmerksam verfolgt hat, wird festgestellt haben, wie schwer es Fink gefallen ist, van der Vaart in das Spiel zu integrieren.

Gute Miene zum bösen Spiel: Der Knackpunkt in der Amtszeit von Frank Arnesen

Dennoch soll das nicht heißen, dass es ein Fehler war, ihn zurückzuholen. Im Gegenteil: Fink muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er es trotz zweier Kreativspieler in der Zentrale nicht geschafft hat, der Mannschaft ein gepflegtes Aufbauspiel beizubringen. Es sieht eher nach Not aus, was dort versucht wird. Lange Bälle auf kleingewachsene oder technisch schwache Spieler in die Spitze waren nicht der Schlüssel zum Erfolg. Daran wird das Team arbeiten müssen.

Klar ist auch, dass Arnesen seit letzten Sommer angeschossen ist und kopflos durch die Gegend läuft. Es wundert daher nicht, dass ein Spielerberater wie Jochen Kientz schwere Vorwürfe gegen den Dänen erhebt. Angeblich soll Kientz dem HSV mehrere, zum Teil ablösefreie Spieler aus Spanien angeboten haben. Doch er erhielt nicht einmal eine Antwort. Und irgendwie kann ich diese Reaktion auch verstehen. Ich finde, dass man mit Arnesen nicht fair umgegangen ist und seine Arbeit viel zu negativ bewertet.

Der Aufsichtsrat steht nicht hinter ihm. Andreas Rettig soll bereits als sein Nachfolger im Gespräch sein. Kann man seinen Job noch mit voller Überzeugung angehen, wenn man weiß, dass man im Grunde nicht mehr viel zu sagen hat und eh ausgetauscht werden soll? Das erinnert mich an die Worte von Frank Rost im Frühjahr 2011. Die Fehler der vergangenen Jahre wiederholen sich. Und sie sind hausgemacht. Auch die Mitglieder stehen in der Pflicht und tragen eine Mitverantwortung, wenn in den nächsten Monaten die Köpfe rollen. Ich halte eine Entlassung von Arnesen nicht für ausgeschlossen.

Man muss hinter seinen Leuten und seinen eigenen Ideen stehen. Ich denke, dass Arnesen das tut. Mit Calhanoglu und Demirbay hat er zwei hoffnungsvolle Talente aus Deutschland zum HSV gelotst. Genau das war der Auftrag. An diesem Weg sollte man festhalten.Es erfordert Zusammenhalt, wenn der Verein den nächsten Entwicklungsschritt machen will. Auf allen Ebenen.

EURE MEINUNG: Wie bewertet ihr die Saison des HSV?

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