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Wöchentlich nehme ich die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im BORUSSIA-PARK, was geht ab? Meine befangene Meinung findet ihr hier.

Mönchengladbach. Wenn Borussia Mönchengladbach am Samstag die Saison gegen den frischgebackenen deutschen Meister Bayern München abschließt, dann gilt es, diese Partie einfach nur zu genießen. Es geht eine Spielzeit zu Ende, in der man das vorgegebene Ziel eines einstelligen Tabellenplatzes erreicht hat. Die Chance auf die Europa League ist vor dem letzten Spieltag lediglich eine theoretische, weshalb ich meinen Keller erst gar nicht nach dem Rechenschieber abgesucht habe. Dennoch bleibt es ein Spiel mit nonchalanter Note, denn am Samstag können wir nicht nur den Rekordmeister beim Schaulaufen für das Finale in der Champions League beobachten, sondern wir werden auch die letzten 90 Arbeitsminuten des Edelmannes und Borussen-Urgesteins Jupp Heynckes in der Bundesliga miterleben.

Undankbare Idioten vergessen machen

Zuletzt habe ich mich ja häufiger bei der Vorstellung erwischt, dass der Jupp auf seine alten Tage noch einmal bei der Borussia anheuert und seine große Karriere in der Heimatstadt ausklingen lässt. Das wird natürlich nicht passieren und es wäre auch Lucien Favre gegenüber nicht fair, der ja seine Vorgaben zweimal erreicht und einmal gar übererfüllt hat. Außerdem hat Jupp Heynckes sicher den Winter 2006/2007 noch vor Augen, als er nach Morddrohungen und Spielen unter Polizeischutz seinen Dienstwagen gewaschen vor der Geschäftsstelle parkte und trotz aller Umstimmungsversuche der Verantwortlichen seinen Hut nahm. Dieses schwarze Kapitel in Borussias Historie ließ mich damals fassungslos zurück und treibt mir noch heute die Schamesröte ins Gesicht.

Leider gibt es diese Vollidioten ja überall und so ist es nicht verwunderlich, dass auch der Verein Borussia Mönchengladbach missbraucht wurde, um die eigene geistige Flatulenz der breiten Öffentlichkeit zu demonstrieren. Jedenfalls ist diese Geschichte für alle im BORUSSIA-PARK ein guter Grund, dem Jupp einen besonders warmen Empfang inklusive eines stimmungsvollen anschließenden Bundesliga-Abschieds zu bereiten. 308 Spiele und 218 Tore für die Fohlen (der dreijährige "Betriebsunfall" Hannover 96 sei ihm an dieser Stelle gerne verziehen) als Aktiver, dazu seine langjährige Trainertätigkeit in Gladbach und die immer enge Bindung zum Verein hat ihm hier niemand vergessen.

Leider war es nicht immer so entspannend bei Heynckes` zweiter Amtszeit

Dreier, Neuer, Kölner

Der Samstag soll für alle ein Festtag werden und so wäre es schön, wenn die Bayern die Punkte bei uns im Park lassen. Denn auch wenn es der Borussia für Europa nichts mehr bringen wird, wäre es mir ein inneres Gänseblümchenpflücken, nach den sechs Zählern aus der Vorsaison diesmal wenigstens derer vier gegen den Rekordmeister mitzunehmen. Jupps Jungs treten damit zwar nicht ganz in die Fußstapfen des Punktelieferanten Köln, aber da wollen wir mal nicht so sein. Auf jeden Fall setze ich wieder auf Manuel Neuer, der wahrscheinlich vor der Partie gegen die Elf vom Niederrhein mehr Angst haben wird als vor dem Champions-League-Finale in Wembley und sich deshalb gerne wieder einige Aussetzer leisten darf.

Heynckes macht selbst die Bayern sympathisch

Im Gegenzug für den Dreier bin ich dann sogar bereit, den Bayern im deutsch-deutschen Endspiel gegen Dortmund die Daumen zu drücken. Das mache ich wirklich gerne, bin aber auch froh, dass Jupp Heynckes anschließend abdankt und ich denen nichts mehr gönnen muss. Und überhaupt: Wenn ich mir das Gebaren um die Steuer-Jongleure Hoeneß und Rummenigge, den ewig motzenden Chef-Miesepeter Sammer, der Aufsichtsrat-Nervensäge Markwort, den Autobiografen Lahm und dazu den Kommentar von Reif reinziehen muss, wird mir ja normalerweise kotzübel. Und genau deshalb muss der Jupp da auch weg, denn es kann ja nicht sein, dass man seine Aversionen wegen eines verdienten Ex-Borussen aufgeben muss.

Champions-League-Finalisten

Apropos Champions-League-Finale: Dort werden mit Reus und Dante zwei entscheidende Akteure auf dem Platz stehen, die ihr Handwerk im BORUSSIA-Park gelernt oder zumindest verfeinert haben. Ohne die beiden Abgänge hätte Gladbach Kiew damals geschlagen und stünde nun gegen sich selbst im Finale. Und ich bin mir sicher - wir hätten gewonnen! Oder wie jetzt?

Egal, was interessieren mich Titel, ich habe Borussia! Und wem das heute zu viel Nostalgie und zu wenig Tagesgeschäft war, der bleibe weiter am Ball, denn die nächsten Wochen versprechen Spannung. Aber zunächst gilt es, einen großen Borussen zu würdigen: Jupp Heynckes!

Schwarzweißgrüne Grüße

Euer

Gregor Becker


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