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Die wöchentliche HSV-Kolumne von Daniel Jovanov – jeden Dienstag exklusiv auf Goal.com.

Liebe Leser,

diese Saison ist schon ziemlich verrückt. Nun ist doch wahr geworden, was nicht mehr für möglich gehalten wurde: der HSV kann am letzten Spieltag sein Ticket für Europa einlösen. Zwar ist man dafür auf die Hilfe der Wolfsburger in Frankfurt angewiesen, doch ich halte es ohnehin für die schwierigere Aufgabe, das Heimspiel gegen Leverkusen zu gewinnen. Aus diesem Grunde hält sich meine Euphorie in Grenzen.

Auf eine andere Sache lege ich mich allerdings schon heute fest: Heung-Min Son wird seinen Vertrag beim HSV nicht verlängern. Das ist keine exklusive Info, sondern eher eine Mischung aus einer objektiven Betrachtungsweise und dem Bauchgefühl. Denn die Gerüchte nehmen immer konkrete Formen an. Wie Goal.com bereits vor einiger Zeit berichtete, scheinen die englischen Klubs aus dem Rennen zu sein.

Und diese Entwicklung im Transferpoker macht durchaus Sinn. Längst ist überall zu lesen, dass es Son bei der Vertragsverlängerung nicht um das große Geld geht. Darüber sei man sich bereits im Frühjahr einig gewesen. Es geht vielmehr darum welche sportliche Perspektive, welche Möglichkeit der Weiterentwicklung ihm der Verein bieten kann. Ich sehe sie nicht. Daran ändert auch der internationale Wettbewerb nichts.

Denn für eine sportliche Weiterentwicklung ist entscheidend, dass der Verein, aber insbesondere der Trainer und die sportlichen Verantwortlichen, eine klare Philosophie und Ausrichtung vorgeben. Auch in dieser Hinsicht fehlt mir der Ansatz. Wenn es beim HSV heißt, man möchte nur auf Spieler setzen, die Gras für den Verein fressen, muss auch die Frage erlaubt sein, warum der Trainer das nicht hinbekommen hat. Ist das nicht seine Aufgabe?

Genau so, wie der Geschäftsführer eines Unternehmens seine Leute dazu motivieren muss, die vorgegeben Zahlen zu erreichen oder gar zu übertreffen. So stelle ich mir den Idealfall vor. Doch das Gras scheint in Freiburg oder Dortmund einfach besser zu schmecken. Schon seit längerer Zeit frage ich mich, wofür der HSV sportlich eigentlich steht. Früher wurde versucht dieser Frage mit großen Namen wie zum Beispiel Ruud van Nistelrooy auszuweichen. Heute fehlt dem HSV dafür das Geld. Und deshalb wird Son gehen.

In Dortmund, wenn es denn tatsächlich etwas mit diesem Transfer werden sollte, kann sich der 20-jährige zumindest sicher sein unter einem Trainer zu spielen, der seine Spieler tatsächlich besser macht. Thorsten Fink hat im Ansatz bewiesen, dass auch er dazu in der Lage ist. Denn Sons Torausbeute ist auch darauf zurückzuführen, wie Fink spielen lässt. Und mittlerweile sollte jeder begriffen haben, dass Son in der Spitze am besten funktioniert. Doch der HSV ist noch auf der Suche nach dem Schlüssel zum Erfolg.

Ich würde auch eine weitere Saison ohne internationalen Wettbewerb verkraften, wenn der Verein die Zeit dafür nutzt, das Spiel zu entwickeln. Ähnlich wie es Markus Gisdol in Hoffenheim formulierte: „Ich möchte die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, entwickeln und umsetzen und sehe nicht nur die reine Qualität eines Spielers“, erklärte er. Ob diese Idee auch in Hamburg funktioniert? Ich kann es mir nicht vorstellen. Hier geht es um Aufsichtsrat, Vereinsstrukturen und die ewige Suche nach dem Schuldigen.

EURE MEINUNG: Sollte Son beim HSV verlängern?

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