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Die wöchentliche HSV-Kolumne von Daniel Jovanov – ab sofort jeden Dienstag exklusiv auf Goal.com.

Liebe Leser,

selten habe ich mich nach einem Spiel des HSV so geärgert. Doch dieser Ärger richtet sich weniger gegen das Resultat, sondern eher den Kommentaren und Urteilen, die man von allen Seiten zu hören und lesen bekommt. „Scheiß Millionäre“, „der Trainer ist ahnungslos“, „am besten gleich verkaufen“ – ich kann es nicht mehr hören. Steht man so zu seinem Verein? Ist das die Art, wie man diese junge Truppe unterstützt? Meiner Vorstellung entspricht das nicht. Doch leider muss ich feststellen, dass mir die Argumente ausgehen.

Es nicht mehr von der Hand zu weisen: die Berufseinstellung einiger Spieler ist weit von dem entfernt, was man professionell nennen kann. Es begann Anfang der letzten Woche mit Maxi Beisters lustlosem Gedaddel im Training, später soll er sich auch noch darüber aufgeregt haben, im Test gegen Valerenga Oslo über 90 Minuten zum Einsatz gekommen zu sein. Dass er dann durch eine derart dämliche Situation vom Platz fliegt und nun fünf Spiele zugucken muss, setzt dieser Geschichte die Krone auf.

Der Verein wird dem Urteil definitiv nicht widersprechen, wie Mediendirektor Jörn Wolf bestätigte. Beister wird das nicht gefallen, könnte einen fehlenden Rückhalt seitens des Vereins bemängeln. Es riecht doch sehr nach Abschied. Doch wem ist hier ein Vorwurf zu machen? Dem 22-jährigen, der den Blick für die Realität offensichtlich verloren hat? Oder dem Verein, der seine Spieler dermaßen in Watte packt? „Die heutigen Fußballer leben doch wie Gott in Frankreich. Wenn du mit 18 schon Millionär bist, von wem lässt du dir dann noch etwas erzählen?“, erklärte mir ein Ehemaliger.

Mir geht es weniger um den Aspekt des Geldes – dieser Kritikpunkt ist zu einfach. Denn die Gehälter bestimmen immer noch die Vereine. Und die leben davon, dass Millionen in die Stadien strömen und die Spiele vor dem Fernseher schauen. Daraus einen Anspruch auf konstant gute Leistungen abzuleiten, ist doch ziemlich grotesk. Ich verstehe auch nicht, wie man Leistungsfähigkeit in Relation zum Etat setzen kann. Die Spieler des HSV können doch nichts dafür, dass man in Hamburg das fünffache Gehalt eines Freiburgers oder Mainzers bekommt. Es ist jedoch legitim, für mehr Geld auch mehr Leistung zu fordern. Im Sport ist das allerdings nicht so einfach.

Es geht vielmehr um Identifikation, Demut und Selbstlosigkeit. Im Team haben persönliche Eitelkeiten nichts zu suchen. Ungewohnt konkret gingen einige Spieler nach der Niederlage auf genau dieses Problem ein. „Wir sollten jetzt mal kleine Brötchen backen und nicht so sehr über irgendwelche Dinge reden, zum Beispiel von Europa“, bemängelt zum Beispiel Marcell Jansen. Sein Kollege René Adler dazu: „Wenn man von Europa spricht, muss man wissen, dass man jeden Tag dafür arbeiten muss. Das bekommt man nicht auf dem Silbertablett. Da muss sich jeder selbst hinterfragen“.

Das Spiel an sich habe ich nicht so schlecht gesehen. Bei einigen Spielern war sehr deutlich zu spüren, dass der Einsatz gestimmt hat. Es fehlte vor dem Tor einfach das nötige Glück. Ich bin sicher, dass Rudnevs an einem anderen Tag mindestens eine der beiden Großchancen gemacht hätte. Solche Spiele gibt es, wird es auch in Zukunft geben. Die Frage ist, wie viel Geduld bringt man als „Fan“ auf, um den Weg einer sehr jungen Mannschaft zu folgen? Andererseits: Was tun die Spieler für den Erfolg? Leben sie die Philosophie des Vereins? Gibt es überhaupt eine?

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