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Die wöchentliche HSV-Kolumne von Daniel Jovanov – jeden Mittwoch exklusiv auf Goal.com.

Liebe Leser,

die Enttäuschung über das Ergebnis in Nürnberg mag zwar immer noch groß sein – in der Nachbetrachtung teile ich die zum Teil sehr kritischen Beurteilungen nicht mehr. Dass die erste Halbzeit noch sehr weit weg von dem war, was man sich vielerorts vom HSV im neuen Jahr verspricht, steht außer Frage. Dennoch gibt es ausreichend Anhaltspunkte, um der Mannschaft einen tadellosen Willen zu attestieren. Phasenweise bot der HSV in der zweiten Hälfte sehr guten Fußball, dominierte das Spiel mit über 70 Prozent und kreierte einige gute Gelegenheiten.

Besonders gefallen hat mir dabei Per Skjelbred. Der Norweger macht seine Sache bisher gut, legt eine hohe Laufbereitschaft an den Tag und bietet sich dadurch immer wieder als Anspielmöglichkeit an. Skjelbred hat sich in seiner Zeit als Bankdrücker oder Tribünengast nie unterkriegen lassen. Ich habe ihn stets als sehr freundlichen, fröhlichen und höflichen Spieler erlebt, der trotz seiner geringen Einsatzzeiten immer ein Lächeln auf den Lippen hatte. Dafür gab es von uns Journalisten meist nur Spott. „Der Skjelbred kann maximal vierte Liga spielen und lacht sich hier ins Fäustchen, weil das vorher scheinbar niemand gemerkt hat“.

Zum Glück bestimmen Journalisten nicht die Aufstellung. Doch auch außerhalb der Expertenkreise ist mir die Kritik an den Spielern manches Mal zu hart. Heung-Min Son steht hierbei in besonderem Fokus. Jede Aktion wird genau unter die Lupe genommen, man wartet förmlich auf einen Fehler um dann loszubrüllen: „Den würde ich für zehn Millionen persönlich nach England fahren!“. Vielleicht ist es aber auch ratsam, sich derartige Sätze ins Gedächtnis zu rufen, wenn das Geschimpfe über die Nachwuchsarbeit beim HSV wieder losgeht. Ich frage mich, ob zum Beispiel die Dortmunder Kevin Großkreutz zum Mond schießen würden, wenn der zwei Aktionen in Folge verdaddelt?

Zum Thema Struktur empfehle ich das Interview von Günter Netzer im Hamburger Abendblatt. Seine Analyse ist äußerst treffend. Auf die Frage nach dem Strukturproblem sagt er: „Nein, das wäre ja auch zu einfach. Dann müsste man ja nur die Strukturen ändern, und der Erfolg wäre da. Der HSV hat leider in der Vergangenheit versäumt, wesentliche Dinge rechtzeitig zu installieren. Etwa in der Nachwuchsarbeit. Wir hatten damals auch kein großes Talentprogramm. Aber wir haben dann die richtigen fertigen Spieler geholt, die einfach gepasst haben.“

Welches Konzept der Verein in Zukunft verfolgen wird, ist nicht ganz klar. Mit dem Verkauf seiner jungen und talentierten Spieler würde der HSV zumindest ein sehr fragwürdiges Zeichen setzen. Wobei ich die Summe, die im Zusammenhang mit Son genannt wird, noch immer für sehr unrealistisch halte. Liverpool hat Daniel Sturridge für 15 Millionen verpflichtet, Tottenham hat mit Gareth Bale und Aaron Lennon auf den Außenpositionen absolut keinen Handlungsbedarf. Und in der Sturmspitze müsste sich Son mit Dempsey, Adebayor und Defoe messen. Auch für den Spieler wäre ein Verbleib in Hamburg daher äußerst ratsam.

Mit den hoffentlich bald zunehmenden Temperaturen dürfte bei vielen Spielern die Lunte jedoch bald anfangen zu brennen. Dass ausgerechnet Rudi Rudnevs und Per Skejlbred schon jetzt voll auf Betriebstemperatur hochgefahren sind, verwundert angesichts ihrer Herkunft kaum. Zum Glück soll es ab Sonntag wieder wärmer werden.

Bis dahin und auf drei Punkte im Nordderby,

Nur der HSV

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