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Die wöchentliche HSV-Kolumne von Daniel Jovanov – jeden Mittwoch exklusiv aus dem Volkspark.

Liebe Leser,

zwischen Champions League und Niemandsland liegen manchmal nur ein paar Tage. Beim HSV lag sogar nur eine Bahnfahrt dazwischen. Trotz der Kontrolle über das Spiel und einiger Tormöglichkeiten blieb unsere Mannschaft in Leverkusen chancenlos. Im Vergleich zur Statistik wirkt das eindeutige Ergebnis paradox. Vor den Bildschirmen und auch im Stadion erweckte der HSV jedoch nie den Eindruck, als dass man der Werkself Paroli bieten könnte. Ehrlich gesagt finde ich das letztlich nicht so dramatisch, wie es sich für den einen oder anderen angefühlt haben muss.

Schauen wir dazu doch einfach in die jüngere Vergangenheit. Eine überalterte und überteuerte Mannschaft ohne Teamgeist, ohne Identifikation und ohne Perspektive. Das war der Status Quo, als Frank Arnesen seine Arbeit in Hamburg aufnahm. Heute stellen wir Woche für Woche eines der jüngsten Teams der Bundesliga, auch wenn wir in Sachen Gehälter noch immer in der falschen Dimension unterwegs sind. Der Etat für die Profiabteilung wird allerdings mit großer Sicherheit schon in diesem Winter heruntergefahren werden können.

Es geht in Zukunft um die Details. Ich bin überzeugt, dass wir mit Adler, Westermann und van der Vaart eine erfahrene Achse haben, hinzu kommen Aogo, Badelj und Jansen. Das Grundgerüst steht also. Drum herum haben unsere jungen Spieler die Möglichkeit wichtige Erfahrungen zu sammeln, um sich stetig weiterzuentwickeln. Und dass sich tatsächlich etwas bessern kann, sieht man – von dem Spiel in Leverkusen mal abgesehen – an Diekmeier, Mancienne, Arslan, Beister und sogar Son.

Schwieriges Jahr gemeistert - die Mannschaft ist enger zusammengerückt

Einige Dinge bleiben den Zuschauern leider verborgen. So erkennen viele nicht, dass sich Heung-Min Son im Defensivverhalten verbessert hat. Er traut sich eher, zum Kopfball zu gehen, gewinnt auch Zweikämpfe und macht die Meter auch wieder zurück in die eigene Hälfte. Ich betone, dass ich nicht vom letzten Spiel spreche. Ich betrachte eher die Gesamtentwicklung, nämlich seit seinen ersten Schritten in der Bundesliga. Vielleicht vergessen wir auch zu oft, dass man von einem 20-Jährigen keine konstanten Leistungen über Wochen hinweg erwarten kann. Und bitte stützt euch nicht auf das Argument, dass es sich doch um Profis handelt, die jeden Tag nichts Anderes zu tun haben. So einfach ist das nicht.

Irgendwann nervt dieser Satz, aber es ist vieles dran: Man braucht Zeit. Eine Mannschaft wächst an gemeinsam Erfolgen und Niederlagen – der HSV hatte im vergangenen Jahr eine gute Mischung. Gemeint ist die Negativserie im Frühjahr, der Klassenerhalt, die Rückkehr von van der Vaart und die sportliche Konsolidierung mit letztlich 24 Punkten auf dem Konto. Ich glaube, dass man eine gute Grundlage für das neue Jahr geschaffen hat, wobei man die Zielsetzung nicht zwangsläufig korrigieren muss. Ein gesicherter Platz im Mittelfeld ist durchaus akzeptabel, alles darüber hinaus ist ein Bonus. 

Unglücklich finde ich hingegen die Äußerungen des Trainers zur besagten Bahnfahrt, wobei dies auch ein Versuch gewesen sein kann, den Druck von der Mannschaft zu nehmen. Wenn das tatsächlich seine Intention gewesen ist, dann ziehe ich den Hut. Denn schaut man sich die Berichte der letzten Tage an, so gibt es wenig zur Leistung der Mannschaft zu lesen. Klar, dass man aus diesen Zitaten ein Problem, gar einen Streit zwischen Trainer und Vorstand zaubert.

Zum Glück liegt Weihnachten vor der Tür. Ein paar Tage, an denen man nicht an Fußball denken wird. Und das ist gut so.

Ich wünsche euch und euren Familien ein besinnliches, gesegnetes und glückliches Weihnachtsfest!

Nur der HSV!

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