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Die wöchentliche HSV-Kolumne von Daniel Jovanov – jeden Mittwoch exklusiv aus dem Volkspark.

Liebe Leser,

ich muss gestehen, dass ich derzeit sehr zufrieden bin. Vorbei sind die Zeiten, als man sich über Spiel und Mannschaft den Kopf zerbrach, dem Absturz entgegenblickte und es wenig Grund zur Hoffnung gab. Schon jetzt könnte der HSV ein sehr positives Zwischenfazit ziehen: van der Vaart zurückgeholt, den besten deutschen Torhüter verpflichtet, die Talente entwickeln sich, und Rudi weiß, wo das Tor steht. In Leverkusen könnte die Mannschaft von Thorsten Fink das i-Tüpfelchen setzen – wenn es jedoch nicht klappt, muss keiner traurig sein.

Gesund, aber ein wenig verschlafen kam der HSV gestern schon früh am Morgen an der Arena an. Die Reise nach Brasilien dürfte sich aus vielerlei Hinsicht gelohnt haben. Das eingenommene Geld kann der Verein derzeit gut gebrauchen, die Reservisten durften vor 60.000 Zuschauern Matchpraxis sammeln, die Menschen in Porto Alegre haben die Truppe mit großer Begeisterung empfangen und es gibt jetzt jede Menge zu erzählen.

Die brasilianischen Kollegen bestätigen - der HSV genießt große Anerkennung

Schon am vergangenen Freitag, kurz nach dem 2:0-Sieg gegen Hoffenheim, startete das Team mit dem Flieger Richtung Südamerika. Es war allen Beteiligten anzumerken, dass die Vorfreude groß war. „Ich freue mich auf die warme Dusche und kann es kaum erwarten, dass es losgeht. Wir werden viel Spaß haben“, freute sich Dennis Diekmeier. Und offensichtlich – abgesehen von dem einen oder anderen organisatorischen Problem der Gastgeber – hatten sie das auch. Doch das Wichtigste an dieser Geschichte dürfte die Erkenntnis sein, dass der HSV auch außerhalb der eigenen Grenzen ein großer Name ist.

Ich hoffe, dass es denjenigen Spielern, die sich dessen bislang noch nicht bewusst waren, jetzt klar ist. Und hoffentlich bedenken sie dies beim nächsten Vertragsgespräch oder wenn ein mittelklassiger, aber zahlungskräftiger Verein mit einem Angebot um die Ecke kommt. Gleichzeitig muss jeder begreifen, dass es noch ein langer und steiniger Weg ist, bis man an die glorreichen Zeiten vergangener Tage anknüpfen kann. Der Weg stimmt, doch wir müssen noch viel Geduld aufbringen.

Für die Mannschaft ist es dennoch eine wichtige Erfahrung. 1983 unterlag der HSV, als europäischer Champion wohlgemerkt, Gremio Porto Alegre mit 1:2 nach Verlängerung vor ausverkauftem Stadion in Tokio. Viele teilen die Meinung, dass der HSV seitdem in der Zeit stehen geblieben ist. Zu sehr wird sich mir an diese Zeit geklammert und damit verdeckt, was in den vergangenen Jahren versäumt wurde. Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn wir die Vergangenheit nach dieser Reise einfach Vergangenheit sein lassen. Der Blick geht nur nach vorne.

Kein Glück: Marcus Berg steht vor einem Abschied aus Hamburg

Apropos freuen: Dazu hat Marcus Berg derzeit leider nicht allzu viele Gründe. Erst in der 90. Minute für den zweifachen Torschützen Artjoms Rudnevs eingewechselt, ist der Schwede sehr weit davon entfernt, sich in diese Mannschaft zu spielen. Insgesamt macht er einen sehr traurigen und nachdenklichen Eindruck. Das Abenteuer Hamburg – es ist ein großes Missverständnis. Dass er kürzlich seinen Berater gewechselt hat, ist zumindest für mich ein Indiz, dass Berg zukünftig neue Wege gehen wird.

Schade, denn ich hätte ihm den Durchbruch allemal gegönnt. Weil ich grundsätzlich zu jedem Spieler stehe, der die Raute auf der Brust trägt. Auch wenn ich in meiner Rolle als Journalist die Distanz wahren muss, schlägt in meiner Brust noch immer ein Fan-Herz. Deshalb ist es auch jedes Mal aufs Neue ein einmaliges Gefühl, wenn die Mannschaft zu „HSV - Forever and ever“ einläuft. Man lernt mit der Zeit allerdings auch, das Spiel einfach Spiel sein zu lassen.

In diesem Sinne,

Nur der HSV!

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