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Die wöchentliche HSV-Kolumne von Daniel Jovanov – jeden Mittwoch exklusiv auf Goal.com.

Liebe Leser,

ich bin ein großer Freund von Statistiken. Nach den Bundesligaspielen schaue ich mir die Auswertungen an, die in den Pressekonferenzräumen allen Medienvertretern und den Trainern mitgegeben werden. In einer Sache haben wir wahrscheinlich einen der Besten in unseren Reihen – Michael Mancienne. Gegen den FC Schalke 04 war er mit 88 Prozent gewonnener Zweikämpfe einer der wichtigsten Faktoren im Spiel des HSV. Von Klaas-Jan Huntelaar war hingegen so gut wie nichts zu sehen. Dass sich die britischen Medien und vor allem der englische Fußballverband mit Mancienne auseinandersetzen, verwundert deshalb nicht. Auch gegen Wolfsburg war der 24-jährige ob seiner Kopfballhoheit und seines Stellungsspiels ein Fels in der Brandung. Eine Einladung der „Three Lions“ dürfte nach unseren Informationen nur noch eine Frage der Zeit sein.

Dass Statistiken jedoch nicht immer das widerspiegeln, was wir auf dem Spielfeld letztlich sehen und wahrnehmen, zeigte das Spiel in Wolfsburg. 119,2 Kilometer ist die Mannschaft des HSV in dieser Partie gelaufen, drei Kilometer mehr als der Gegner. Ein genauerer Blick macht allerdings deutlich, dass diese Zahl allein nicht allzu viel wert ist. In Sachen schnelle und intensive Läufen hatten die Wölfe die Nase vorn – insbesondere in der zweiten Hälfte. Denn was das Team von Lorenz-Günther Köstner in der letzten halben Stunde investierte, war beeindruckend und mit Sicherheit auch auf die Arbeit von Felix Magath zurückzuführen. „Er hat eine Mannschaft hinterlassen, die topfit ist“, hatte Köstner nach dessen Entlassung gesagt.

Mancienne könnte 2013 erstmals für die englische A-Nationalmannschaft berufen werden

Nun wird bekanntlich schon länger – hinter vorgehaltener Hand natürlich – darüber getuschelt, ob die Mannschaft von Thorsten Fink fit genug sei. Zumindest bei einigen Spielern kann man sich darüber streiten. Schon in der vergangenen Saison fiel mir zum Beispiel bei Gökhan Töre auf, dass seine Kraft nur für 70 bis maximal 80 Minuten reichte, ehe er mit Krämpfen in den Waden vorzeitig aus dem Spiel genommen wurde. Auch bei Mancienne (wobei er das Problem mittlerweile in den Griff bekommen hat), Arslan, Bruma, Jansen und zuletzt Skjelbred konnte man das sehr deutlich erkennen. Dennis Aogo bestätigte diese Theorie nach dem Spiel zumindest teilweise: „Ich habe gegen Ende gemerkt, dass mir die Luft gefehlt hat. Unser Spiel ist sehr laufintensiv, wir versuchen alles in allerhöchstem Tempo“, erzählte er uns.

Hinzu kommen die häufigen Muskelverletzungen in der letzten Zeit. Klar kann man von „Pech“ sprechen, aber es ist wiederum schon erstaunlich, dass Spieler wie Heiko Westermann oder David Jarolim in den vergangenen Jahren so gut wie nie, ich erinnere mich nicht an ein einziges Mal, verletzt ausgefallen sind. Westermann spielte vor einigen Wochen sogar mit einem Muskelfaserriss im Gesäß, andere setzten schon wegen eines Muskelkaters mit dem Training aus. Allein daraus eine saloppe Berufsauffassung einiger Herren abzuleiten, wäre jedoch ungerecht. Dazu hat die Mannschaft in dieser Saison auch schon bewiesen, dass sie bereit ist, über ihr Schmerzlimit hinaus zu gehen. Andererseits gibt es in Sachen Fitness augenscheinlich noch Steigerungspotenzial.

Kapitän Westermann - auf und neben dem Platz höchst professionell

Es soll auch keinesfalls darüber hinwegtäuschen, dass die Mannschaft auf einem durchaus guten Weg ist. Wer hätte uns vor der Saison oder nach dem Pokal-Aus zur Winterpause 21 Punkte zugetraut? Mit ein wenig Glück könnten am Freitag drei weitere hinzukommen, wobei ein Trainerwechsel erfahrungsgemäß einen positiven Schub nach sich zieht. Die Verunsicherung der Hoffenheimer gilt es jedoch auszunutzen und vor heimischem Publikum für einen versöhnlichen Abschluss des Jahres zu sorgen. Ich hätte nach diesem durchaus schwierigen Jahr keine Einwände. Doch auch nach einem Sieg sollte der Fuß ruhig auf der Euphoriebremse bleiben, ungeachtet derer, die bemängeln, dass Vorstand und Spieler sich (noch) nicht zu mutigen Aussagen hinreißen lassen.

Bis dahin,

Nur der HSV!

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