thumbnail Hallo,

Die wöchentliche HSV-Kolumne von Daniel Jovanov – aus gegebenem Anlass einen Tag früher als gewohnt.

Liebe Leser,

wer meine Beiträge regelmäßig verfolgt hat, wird hoffentlich festgestellt haben, dass ich in meiner Betrachtungsweise möglichst rational und unvoreingenommen zu bleiben versuche. Dennoch reagiere ich mit großem Unverständnis für die heftigen Reaktionen, die dieses Spiel nach sich zieht. Die Sensationsgierigen nutzen die Gunst der Stunde, um wieder einmal über Symptome, statt über Ursachen zu schwadronieren. Und wir, die Medien, geben ihnen dazu eine Plattform.

Zunächst möchte ich einige allgemeine Gedanken loswerden, bevor ich auf das Spiel in Düsseldorf eingehe. Seit Jahren wird das Thema Sicherheit in deutschen Stadien diskutiert – und meiner Meinung nach völlig falsch bewertet. Aufgrund des immer wiederkehrenden Fehlverhaltens einiger weniger, ein Bruchteil der Stadionbesucher, wird eine Grundproblematik abgeleitet, die mit Vorschriften, Verboten und Strafen gelöst werden soll. Unbeteiligte machen das Thema zum Politikum, missbrauchen es für ihre eigenen Interessen und nutzen die große Bühne des Fußballs, um Gehör zu finden.

Nichts anderes tun die, die in den Stadien Bengalos zünden, sich prügeln oder vermummt über das Spielfeld laufen und Werbebanden eintreten. Dabei ist zum Beispiel das Anzünden der Bengalos nicht das eigentliche Problem – es ist ein Symptom. Ein Ausdruck von Protest, Frustration und Unzufriedenheit. Dabei muss dieser Ausdruck nicht einmal etwas mit dem Sport zu tun haben. Es ist eher ein Spiegelbild des gesellschaftlichen Unmuts über Ungerechtigkeit und ein Zeichen der Resignation. Weil nur über- statt miteinander gesprochen wird. Der Generalverdacht, unter dem gewisse Stadionbesucher stehen, verschärft diese Angelegenheit.

Wenn ich auf dem Weg zum Fußballspiel am Hauptbahnhof von einer Hundertschaft behelmter und beknüppelter Polizisten empfangen werde – ich bin mir sicher, dass auch meine Stimmung in eine negative Richtung kippt. Die mediale Hysterie tut ihr übriges, um die eigentlichen Zustände zu dramatisieren. Doch nicht nur die Medien springen auf diesen Zug – Innenminister, Vertreter der Polizei oder der deutschen Fußball-Liga erschaffen ein wirklichkeitsfremdes Bild, wenn sie von einer grundsätzlichen Gewalt-Problematik sprechen. Ihnen sei gesagt: Selbst dann, wenn wir wirklich eine Gewalt-Problematik hätten – mit seitenlangen Konzeptpapieren wäre sie ohnehin nicht zu lösen.

Wie komme ich nun vom Feuer im Fanblock zurück zum HSV? Das Thema Feuer zog sich bekanntlich wie ein roter Faden durch das Wochenende der Profis. Dass man mit Feuer nicht spielen sollte, scheint Thorsten Finks Mannschaft verinnerlicht zu haben. Dabei hätte den Spielern auf dem Platz ein wenig Feuer unterm Hintern, wie der Volksmund sagt, gut getan. Stattdessen gab es eine sehr schmerzhafte 0:2-Niederlage, die allerdings nicht bedeuten soll, dass jetzt plötzlich alles schlecht ist. Mit drei Punkten hätte der HSV Anschluss zu den internationalen Plätzen gewahrt – nun beginnt allerdings in Kreisen der Fans eine Grundsatzdiskussion.

Wir dürfen nicht ständig den Fehler machen und unsere Ambitionen nach oben schrauben, nur weil der HSV nach dem FC Bayern das meiste Geld in Neuverpflichtungen gesteckt hat. Das Leistungspotenzial ist nicht in Zahlen auszudrücken und ich glaube fest daran, dass wir bei unseren jungen Spielern in Zukunft Entwicklungsschritte feststellen können. Die Kunst liegt darin, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wurde.

Auf ein erfolgreiches Spiel.

Nur der HSV!

EURE MEINUNG: Wie sicher fühlt ihr euch im Stadion?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal.com auf oder werde Fan von Goal.com auf !

 

Dazugehörig