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Mit der Raute im Herzen – die wöchentliche HSV-Kolumne von Daniel Jovanov. Jeden Mittwoch exklusiv auf Goal.com.

Liebe Leser,

die Vorfreude war groß, die Ernüchterung wahrscheinlich umso größer. Viele, darunter zähle ich mich auch, haben gehofft, dass der Hamburger SV einen „Lucky Punch“ gegen den FC Bayern München setzen kann. Aber sobald man die Vereinsbrille absetzt, sieht man die Dinge wieder ein wenig klarer als vorher. Und es tut wirklich gut, dies hin und wieder einmal auszuprobieren. Wenn man den nötigen Abstand zu einem Thema gewonnen hat, das einem sehr am Herzen liegt, dann lässt man sich davon nicht so leicht aus der Bahn werfen.

Nichtsdestotrotz hat man den „Schleier über der Stadt“, von dem Rene Adler vorige Woche sprach, gespürt. Mit dem Aufstehen tat man sich ein wenig schwerer, der Verkehr auf den Straßen geriet häufiger als üblich ins Stottern. Wirklich voran ging es kaum. Man muss neidlos anerkennen: der FC Bayern ist mindestens eine Klasse besser als der HSV. Und es spricht derzeit auch nicht viel dafür, dass sich daran in Zukunft schnell etwas ändern könnte. Geduld ist gefragt. Doch hat Hamburg so viel Geduld mit dem HSV?

Zum Spiel selbst sei zu sagen, dass man durchaus geteilter Meinung sein kann, ob die taktische Marschroute erfolgversprechend gewesen ist. Im Nachhinein waren wir alle schlauer, aber im Vorfeld kann man nie genau sagen, welche Aufgaben der Trainer seinen Spielern mit auf den Weg gegeben hat. Deshalb ist es auch müßig darüber zu streiten, ob Thorsten Fink das Richtige getan hat. Entscheidend ist, wie die Spieler es auf dem Platz umsetzen. Und 20 Minuten reichen gegen eine Spitzenmannschaft einfach nicht.

Es ist kein Weltuntergang, wie Heiko Westermann nach dem Spiel zu uns gesagt hatte. Damit hat er absolut recht. Lassen wir das Spiel doch einfach mal nur ein Spiel sein. Ich höre viel zu häufig den Satz: „Mit dieser Mannschaft muss man international spielen.“ Ach, muss man das? Woran lässt sich das messen? Am überdurchschnittlichen Gehalt der Spieler? Der Preis ist kein Gradmesser für Qualität. Und der FC Bayern ist kein Gradmesser für das, was wir von unserer Truppe erwarten dürfen.

Die Fakten sprechen nämlich eine andere, aber sehr unmissverständliche Sprache. Milan Badelj, 23, ist ein hervorragender Spieler. Kommt aber aus einer zweitklassigen Liga, mit dem Tempo hat er noch seine Schwierigkeiten, wie er selbst erzählt. Maxi Beister, 22, in der zweiten Liga gehypt, ist jetzt auf dem Platz mehr mit sich selbst beschäftigt und wirkt unzufrieden. Bringt trotzdem viele Voraussetzungen für einen guten Bundesligaspieler mit. Heung-Min Son, 20, ist Toptorjäger der Mannschaft und hat ein Angebot von Liverpool. Verteidigt teilweise wie ein Jugendspieler, hat sich aber seit seinem Aufstieg in den Profikader gebessert. Ein Ruud van Nistelrooy würde ihm gut tun.

Gute Arbeit und Geduld zahlen sich im Leben irgendwann aus. Der HSV ist mit seinen Vorhaben auf einem vielversprechenden Weg irgendwann dorthin zu kommen, wovon man seit Jahren träumt. Es ist schön zu sehen, dass man wieder mehr Spieler auf dem Platz hat, die sich mit dem Verein identifizieren können und dies auf dem Platz auch vorleben. Und wenn für unsere jungen Spieler irgendwann Angebote reinflattern, dann sollten wir uns nicht über die ärgern, die uns dann zum „Ausbildungsverein“ oder „Durchlaufstation“ schmähen, sondern darüber freuen, dass beim HSV doch nicht alles falsch läuft.

Bis dahin eine schöne Woche,

Nur der HSV!

EURE MEINUNG: Wohin geht die Reise des HSV?
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