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Mit der Raute im Herzen – die wöchentliche HSV-Kolumne von Daniel Jovanov. Jeden Mittwoch exklusiv auf Goal.com.

Liebe Leser,

ist es nicht schön, auf die Tabelle zu schauen? Platz acht, fünf Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz – das hat es lange nicht gegeben. Und dennoch ist diese Wahrheit auch ein wenig bitter. Denn das Potenzial, das in einem Verein wie dem Hamburger SV steckt, wurde in den letzten Jahren nur unzureichend ausgeschöpft. Dabei wird leider allzu oft vergessen, dass genau diese Erwartungshaltung die größte Last darstellt. Mit der Stadt im Rücken, den wirtschaftlichen Möglichkeiten und der riesigen Anhängerschaft sollte der HSV doch Jahr für Jahr in der Spitzengruppe mitspielen, glaubt man vielerorts. Jeder, der dem Verein nichts Böses will, tut jedoch gut daran, in den nächsten Jahren kleine Brötchen zu backen.

Die Mannschaft scheint es zumindest verstanden zu haben. Man muss nur genau hinhören. „Ein typisches Zweitligaspiel, da gab’s keinen Schönheitspreis“, meinte Tolgay Arslan. „Wir sind nicht so weit, dass wir unter die Top sechs gehören“, glaubte Trainer Thorsten Fink. Und Rafael van der Vaart hatte das Spiel gegen Fürth mit einem Wort beschrieben, dass ich an dieser Stelle nicht verwenden werde. Diese nüchterne und absolut realitätsnahe Selbsteinschätzung gefällt mir äußerst gut. Denn nur beim Spiel in Gladbach konnte man behaupten, dass der HSV spielerisch überzeugen konnte. Die übrigen Punkte wurden zum Teil mit mehr Glück als Verstand erkämpft – im Endeffekt spielt es jetzt keine Rolle mehr. Aber schon in der letzten Saison haben wir hier nach ein paar ungeschlagenen Spielen in Folge von Europa geträumt, und sind dann beinahe abgestiegen.

Erwischte gegen Fürth keinen guten Tag - der HSV gewinnt trotzdem, ohne dabei zu glänzen

Eine weitere wichtige Erkenntnis ist, dass man auch ohne eine Top-Leistung van der Vaarts wieder Spiele gewinnen kann. Der 29-Jährige wurde von Greuther Fürth komplett aus dem Spiel genommen. Dafür gebührt dem Aufsteiger auch Anerkennung. Für den HSV ist es sogar vorteilhaft, wenn die Mannschaft das Vertrauen hat, ohne van der Vaart gewinnen zu können. Schade finde ich allerdings, dass sich ein Mann mit derartigem internationalen Renommee dazu verleiten lässt, seinen Kollegen auf dem Spielfeld im Vollsprint anzugehen und vor laufenden Kameras und zahlreichen Zuschauern anzupöbeln. Das muss er in dieser Situation nicht tun, wenngleich man die Chance liegen ließ, den Sack zu zumachen. Doch dem Rudnevs hat er damit sicherlich keinen Gefallen getan. Wobei der auch keine Zeit dafür gefunden haben wird, darüber nachzudenken. Denn der läuft jetzt nach jedem Training zig Mal allein auf den Torhüter zu – und versucht, den Ball reinzuschießen. Wer erfolgreich sein will, braucht außergewöhnliche Methoden. Und das Wichtigste: Erfolg heilt alle Wunden.

So geschehen auch bei Dennis Aogo, der uns von seiner dreiwöchigen Abwesenheit erzählte. „Ich habe in der Vergangenheit Krankheitssymptome festgestellt, die ich immer vor mir her geschoben habe. Ich habe das nicht wirklich ernst genommen, denn besonders oft krank war ich in den letzten Jahren nicht. Und wenn, dann habe ich mich durchgekämpft. Irgendwann kam der Punkt, wo es nicht weiter ging.“ In Innsbruck ließ sich der 25-jährige anschließend professionell behandeln und pflegen. Zu den Spekulationen um einen Burn-Out sagte Aogo folgendes: „Die Ursache war nicht die Seele, sondern der Körper. Wenn der Körper nicht mehr funktioniert, aus welchen Gründen auch immer, dann ist es klar, dass man irgendwann auch mental niedergeschlagen ist. Jetzt freue ich mich wieder morgens aufzustehen und zum Training zu fahren.“ Dem ist auch nichts hinzuzufügen. Ob Aogo nun eine mentales oder physisches Problem hatte, ist für uns nicht von Belang. Wichtig ist nur, dass er gesund ist und bald wieder auf den Platz zurückkehrt.

Endlich wieder an Bord: Dennis Aogo kehrt ins Mannschaftstraining zurück

Besonders Frank Arnesen scheint sich dabei um den ehemaligen Nationalspieler gesorgt zu haben, obwohl es auch vielerlei Gründe gegeben hätte, sich Sorgen um den Sportchef zu machen. Arnesen hat in letzter Zeit viel einstecken müssen – völlig zu Unrecht. Doch dass die späten Transfer nicht an seiner Unfähigkeit sondern an den Vorgaben des Aufsichtsrates gescheitert sind, das erwähnen heute nur noch die wenigsten. Andererseits wurde auch vergessen zu betonen, dass der Däne mit Milan Badelj schon Anfang August und nicht erst am letzten Tag der Transferperiode den versprochenen Spielmacher präsentierte. Und zu der „Spielervermittleraffäre“, die sogar dem DFB und der FIFA zur Prüfung vorgelegt wurde, erzählte mir Badeljs Berater Dejan Joksimovic: „Ich habe nie behauptet, dass dieser Transfer ein schlechtes Geschäft für den HSV gewesen ist. Aus meiner Sicht war es nicht notwendig, neben der Pro Profil Agentur und mir einen weiteren Agenten hinzuzuziehen. Aber wenn der HSV meint, dass man das tun müsse, dann ist das ihre Entscheidung.“

Zumal sich jeder, der den Finger erhebt und anklagt, dass man nicht-lizenzierte Vermittler zu Rate zieht, lächerlich macht. Schon vor einigen Jahren deckte der kicker auf, dass man sich die Prüfungsfragen für 2000 Euro kaufen kann. „Die Durchfallquote bei diesen Prüfungen ist enorm. Deshalb ziehen es viele Berater vor, mit Anwälten zusammen zu arbeiten“, erklärt ein Spielerberater aus Deutschland. „Diese Lizenz hat in der Branche aber ohnehin so gut wie keinen Stellenwert.“ Angesichts des derzeitigen Erfolges in der Hansestadt dürfte sich in dieser Angelegenheit auch der letzte Rauch verflüchtigt haben. Bleibt zu hoffen, dass sich die Berichterstattung wieder in eine faire Richtung bewegt.

Bis zur nächsten Woche,

Nur der HSV

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