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Neunfacher deutscher Meister und Fahrstuhlmannschaft zugleich - so was gibt es nur beim 1. FC Nürnberg. Meine wöchentliche Kolumne berichtet rund um die „Glubberer“.

Servus liebe Glubberer!

Zeit vergeht schnell, im Alter immer schneller. Der 1. FC Nürnberg ist 112 Jahre alt - und die Chance, an einem Freitag Abend im Spiel gegen Eintracht Frankfurt die Tabellenführung zu erobern, ist gefühlt mehrere Monate her. Tatsächlich sind es gerade einmal 18 Tage - noch nicht einmal drei Wochen also. Doch die Situation hat sich um 180 Grad gedreht. Der FCN hat zuletzt vier Mal in Folge verloren. Nach dem 0:3 beim SC Freiburg schrillen am Valznerweiher die Alarmglocken. Zu allem Überfluss gibt es auch noch internen Ärger. Robert Mak hat Trainer Dieter Hecking via Twitter als „verdammten Trainer“ beschrieben.

Ein Blick auf die Tabelle hilft

1:2, 1:4, 0:2 und 0:3 - macht vier Spiele, vier Niederlagen und ein verheerendes Torverhältnis von 2:11. Der FCN befindet sich aktuell auf steiler Talfahrt mit Tendenz Richtung Abstiegsplätze. Doch abseits der letzten Ergebnisse ist gerade die Tabelle aktuell das Einzige, worüber man sich zumindest kurzzeitig erfreuen kann, wenn man Fan des 1. FC Nürnbergs ist. Das nackte Zahlengitter ergibt: Der FCN befindet sich auf Rang 14, würde nach Stand der Dinge nicht absteigen, während sich auf dem 18. und letzten Platz ein Team befindet, welches man in Nürnberg gerne dort sieht. Die Spielvereinigung Greuther Fürth hat die wenigsten Siege (einen), die wenigsten Punkte (vier) und die wenigsten erzielten Tore (vier) und ist damit klar auf Abstiegskurs. Zuhause konnte der Rivale bislang gar weder einen Punkt einfahren, noch ein Tor erzielen. Ein Blick auf die Tabelle hilft aus Fansicht - zumindest kurzzeitig.

Hecking poltert - ist aber nicht schuldlos

Warum diese Randnotiz hier auftaucht? Nun, vom ersten bis zum letzten Wort zu fluchen, zu kritisieren und zu schimpfen würde ja auch nicht helfen, auch wenn es in der derzeitigen Situation wohl nicht verkehrt wäre. Nach der 0:3-Pleite in Freiburg polterte Trainer Dieter Hecking los: „Die Mannschaft hat all das verloren, was sie in den ersten drei Spielen ausgezeichnet hat. Wir müssen das jetzt kritisch analysieren. So geht es natürlich nicht. Leider sind die Nationalspieler nun weg - aber sie werden froh sein, dass sie nicht da sind.“ Doch Hecking, dem die Alibi-Ausreden zu wenig sind, hat Brandherde, wohin man nur blickt. Nach vorne nicht entschlossen genug und planlos, hinten fehleranfällig und außerhalb des Platzes nun auch noch mit Disziplinlosigkeiten. „Vielleicht brauchen wir eher ein Reizklima“, stellt Hecking fest. Maks Twitter-Aussetzer nahm Hecking dabei noch eher gelassen hin, anders reagierte Martin Bader gegenüber dem kicker: „Robert Mak wird eine Strafe bekommen.“

Ein Reizklima also - vielleicht wäre etwas mehr Konstanz in der Aufstellung ein wesentlich unkomplizierterer Anfang. Nach der Pleite gegen Frankfurt gab Hecking seinem Team noch eine Chance, das 1:4 von Hannover war dann aber doch zu viel für den Fußballlehrer. Auf vier Positionen stellte Hecking gegen Stuttgart um, änderte unter anderem Innenverteidigung und zentral-defensives Mittelfeld. Der Anfang vom Ende? Nun, das würde Hecking, der mit seinen einzelnen Kritikpunkten sicher nicht unrecht hat, nicht gerecht werden. Doch der Trainer verlor schnell den Glauben an das Team, das einen starken Saisonstart und schnell sieben Punkte bescherte. Nilsson und Balitsch aus der Startaufstellung zu nehmen, waren schwerwiegende Veränderungen - und wirkten sich eklatant aus. Gegen Stuttgart war es Marcos Antonio, der gleich zweimal grob patzte und bereits nach 16 Minuten wieder gehen durfte. Nun hat Nürnberg eine Baustelle in der Innenverteidigung, wechselnde Besetzungen für die Doppelsechs und eine ständige Rotation auf den Flügeln. Zumindest die ersten beiden Punkte hätten sich vermeiden lassen, für die Unkonstanz der Außenspieler kann Hecking wenig. Mit Mak, Frantz, Gebhart und Esswein hat Hecking vier Spieler für die Außenbahnen. Überzeugen konnte bislang keiner.



Eine Spitze - viele Zuarbeiter

Dass Hecking beim desolaten Auftritt in Hannover in seiner Verzweiflung Sebastian Polter brachte und auf 4-4-2 umstellte, ist ihm nicht vorzuwerfen. Die ersten 45 Minuten wirkte der FCN ratlos nach vorne und fehleranfällig in der Defensivbewegung. Zum Dauersystem darf das Schema mit zwei Angreifern in vorderster Front aber nicht werden. Dies hat zwei Gründe. Zum Einen hat der 1. FC Nürnberg in diesem Jahr eh nur zwei Stoßspitzen und könnte so bei Rückstand kaum mehr offensiv reagieren, zum Anderen sind die beiden Akteure wohl zu ähnlich. Sowohl Pekhart, als auch Polter sind groß und kopfballstark, können Bälle halten und abschirmen. Dass die beiden Angreifer nebeneinander agieren, kann in der Not und unter Druck versucht werden, sollte aber nicht zur alltäglichen Situation werden. Viel mehr sollte Trainer Hecking versuchen, die Flügel mit etatmäßigen Außenspielern zu besetzen und aus der Dreierreihe möglichst viel Gefahr zu erzeugen. Dies ist bislang verhältnismäßig wenig gelungen. Zu Buche stehen zwei aus dem Spiel heraus erzielte Tore - ein Solo und ein Distanzschuss. Der FCN tut sich schwer in der Offensive, doch ein 4-4-2 stellt vieles, nur keine Lösung für die derzeitigen Schwächen dar.

Ruhmreiche Grüße

Euer

Patrick Reichardt


EURE MEINUNG: Vier Niederlagen in Folge - Woran liegts?
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