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Nur der HSV, nur die Kolumne – Daniel Jovanov fasst für euch wöchentlich seine Gedanken und Eindrücke rund um den Volkspark zusammen.

Liebe Leser,

es gibt auf der Welt wohl kaum eine andere Sportart, die so spannende und emotionale Geschichten schreibt. Der Hamburger SV, vor mehr als einer Woche noch als größte Lachnummer und Kandidat auf den Abstiegskampf gehandelt, hat innerhalb weniger Tage drei wichtige Schritte aus dem Tal der Tränen gemacht. Die anschließende Gala war mit einigen wenigen Ausnahmen ein großartiges Event. Doch der Versuch, auch die anderen Sportarten in den Glanz ehemaliger Meistermannschaften zu rücken, misslang meiner Meinung nach völlig. Im Gegenteil: es machte umso mehr deutlich, dass der Fußball trotz ausbleibender Erfolge in den vergangenen Jahren alles andere in den Schatten stellt. Deshalb sollten die Überlegungen der Mitglieder und Verantwortlichen konkretisiert werden, wie der Profifußball-Abteilung mehr Autonomie eingeräumt werden kann.

Und plötzlich läuft's - der HSV kann wieder jubeln

Darin sehe ich eine Herausforderung sowohl für den Fußball, als auch für alle anderen Sportarten. Die „kleinen“ müssen versuchen auf eigenen Beinen zu stehen, gleichzeitig profitieren sie von der Kraft des Fußballs als starkes Zugpferd. Die wiederum können sich ganz auf sich und ihre vielschichtigen Probleme fokussieren. Wer auf einer der letzten Mitgliederversammlungen dabei war, wird sicher verstehen was ich meine. Die Idee eines Gesamtvereins mag sympathisch klingen, in einem Geschäft wie dem Profifußball braucht man „einfach kürzere Entscheidungsprozesse und weniger Störfaktoren von Außen“, erzählte mir einst ein ehemaliges Vorstandsmitglied. „Schauen Sie sich die erfolgreichen Fußballvereine an. Auf der Führungsebene werden Sie von autoritären Persönlichkeiten vertreten. Oder glauben Sie, dass ein Hoeneß erst die Meinung aller befragt? Wenn was nicht passt, haut er auf den Tisch und sagt, wo es zukünftig lang zu gehen hat. Die Mitglieder beim HSV sind in der besonderen Position, sehr viel Macht ausüben zu können“

Aber das soll nicht das primäre Thema sein. Es läuft ja jetzt, deshalb gibt es vorläufig keinen Grund zur Sorge. Beeindruckend finde ich nicht nur die Ergebnisse gegen vermeintliche Angst-Gegner, sondern auch die Art, wie der HSV Fußball spielt. Umso verwunderlicher ist es, was sich mit zwei, drei Neuverpflichtungen alles verändern kann. Und Rafael van der Vaaart möchte ich an dieser Stelle nicht die alleinige Verantwortung des Erfolges zuteilen. Er ist viel eher der Tatsache geschuldet, dass mehrere Schultern eine Last zu tragen haben. Und genau das scheint sie so sehr zu beflügeln, wobei es sich im Windschatten eines Adlers auch einfacher arbeiten lässt. Der sportlichen Führung ist hierbei ein Coup gelungen, der sich schon jetzt bezahlt macht.

René Adler greift sich seine Vorderleute, schüttelt sie, umarmt sie, schnauzt sie kräftig an. „Ich bin regelmäßg heiser nach dem Spiel“, hatte Adler uns gegenüber erzählt. Er interpretiert seine Rolle auf eine Art und Weise, die ganz großen Stil hat. Beim HSV hat sich eine Achse heraus gebildet, von der auch Spieler wie Tolgay Arslan ernorm profitieren. Der 21-jährige hat für mich eines seiner besten Bundesligaspiele gegen Hannover gemacht. Zudem ist sein Partner Milan Badelj ein genialer Kicker, der sich eindrucksvoll an das Tempo der Bundesliga angepasst hat. Die erste Halbzeit gegen Hannover war von der gesamten Mannschaft einfach nur super, da konnte man als HSV-Anhänger wirklich stolz sein.


Die Achse: Auf Westermann, Adler und Van der Vaart ist Verlass

Aber es ist auch noch nicht alles Gold, was in dieser Woche geglänzt hat. Die sieben Punkte haben wir auch der Glücksgöttin Fortuna zu verdanken. Der eindeutige Schwachpunkt im Spiel des HSV ist die Rückwärtsbewegung auf den Außenpositionen. Besonders die rechte Seite war gegen Hannover ein offenes Tor für den Gegner. „Gerade unsere Außenspieler, in diesem Fall Sony, Ivo und Maxi, müssen enorm viel nach hinten arbeiten. Das sind Wege, die schmerzhaft sind. Aber sie sind für uns als Mannschaft unglaublich wichtig“, fasste Adler treffend zusammen. An ihnen, also an der Entwicklung der Außenspieler, wird sich Thorsten Fink messen lassen. Für mich und viele andere auch wird sich die Qualität des Trainers an diesen Personalien erkennbar machen.

Zum Abschluss noch eine Geschichte aus dem Stadion. Zufällig konnte ich am Montag beim Training der zweiten Mannschaft zuschauen, die in der Arena übte. Bis auf einen, fiel keiner der jungen Spieler wirklich auf. Gemeint ist Slobodan Rajkovic. Der 191 Zentimeter große Verteidiger fällt nicht nur durch seine körperliche Statur und seine Größe ins Auge, sondern auch dadurch, dass er ständig mit gesenktem Kopf über den Platz läuft. Das Übel hat er sich durch ein unüberlegtes Interview selbst eingebrockt. Ich habe mich gefragt, warum er nicht den Schritt gewagt hat, sich öffentlich für seinen Aussetzer zu entschuldigen. Ist es Scham? Gut vorstellbar. Zumal ich allerdings der Meinung bin, dass junge Menschen immer eine neue Chance verdienen. Wenn der Spieler sich nicht traut, dann könnte doch die sportliche Leitung auf den Jungen zugehen und ihm ein offenes Gespräch anbieten. Ob das je geschehen ist, weiß ich nicht. Aber auch Fink würde durch so eine Aktion in meinen Augen Größe zeigen. Gerade jetzt, wo es besser läuft.

In diesem Sinne,

Nur der HSV

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