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Neunfacher deutscher Meister und Fahrstuhlmannschaft zugleich - so was gibt es nur beim 1. FC Nürnberg. Meine wöchentliche Kolumne berichtet rund um die „Glubberer“.

Servus liebe Glubberer!

Die englische Woche ist durch und durch enttäuschend verlaufen für den 1. FC Nürnberg. Acht Tage, acht Gegentore, null Punkte - doch nicht nur die Ausbeute bereitet Trainer Dieter Hecking Kopfschmerzen. In zwei der drei Partien präsentierten sich die Franken nach vorne ideenlos und hinten fehleranfällig. Ein Rückfall nach einem starken Saisonstart - der FCN ist vorerst auf dem harten Boden der Realität angekommen.

Eine rabenschwarze Woche


Man könnte sagen, die DFL hat sich einen schlechten Zeitpunkt für die Ansetzung einer englischen Woche ausgesucht. Eine Woche, die dem 1. FC Nürnberg nicht wohlgesonnen war. Vor einer gefühlten Ewigkeit trat der FCN in einem Flutlichtspiel gegen Eintracht Frankfurt an - und war 90 Minuten von der Tabellenspitze entfernt. Nun fehlen zu Platz 1 elf Punkte, Relegationsplatz 16 ist gerade einmal zwei Punkte entfernt. Selbst dem Rivalen aus Fürth fehlt nur ein Dreier, um mit dem großen Nachbarn auf einer Stufe zu stehen. Schuld ist eine rabenschwarze Woche, die rabenschwarze Woche der beiden Innenverteidiger Per Nilsson und Marcos Antonio. Gewiss, es wäre nicht fair zu sagen, dass diese Beiden allein schuld an den Pleiten gegen Hannover und Stuttgart sind. Mit ihren groben Schnitzern hatten sie aber doch einen Löwenanteil. Marcos Antonio, der den in Hannover schwachen Nilsson ersetzen sollte, patzte gegen Stuttgart gleich zweimal verheerend und musste bereits nach 15 Minuten wieder vom Feld.

Nun gilt es, die beiden Innenverteidiger wieder aufzubauen und „in die Mitte des Kollektivs zu holen“, wie Trainer Dieter Hecking nach dem Spiel behauptete. In einem Interview mit dem kicker äußerte sich Kapitän Raphael Schäfer in die gleiche Richtung: „Wir unterstützen sie voll und ganz. Es geht doch darum, dass beide nicht etwa seit Wochen patzen, sondern dass jeder der beiden in einem Spiel einen schwarzen Tag hatte. Sie sind gestandene Spieler und wissen, wie sie mit so einer Situation umzugehen haben.“

Wir haben einen Giganten - aber keine Lösung

Die einzelnen Situationen sind diskutiert und aufgearbeitet. Was wohl unweigerlich bleibt, ist die Verunsicherung bei Per Nilsson und Marcos Antonio. Da der FCN bislang aber nur diese beiden Spieler als zweite Option neben Timm Klose in Betracht gezogen hatte, wird es nun eng in der Innenverteidigung. Kurz: Die Franken haben einen Giganten in der Innenverteidigung, aber keine Lösung, wer daneben spielen könnte. Timm Klose ist bislang klar die Überraschung der laufenden Saison. Der Innenverteidiger, der im letzten Jahr eine ähnliche Situation wie nun Antonio und Nilsson mitmachte und von Trainer Hecking auf die Bank beordert wurde, hat sich zum Abwehrchef entwickelt und glänzte mit einer enormen Präsenz in der Luft wie am Boden. Auch nach vorne ist Klose gefährlichster Verteidiger, vor allem bei Standards.

Doch wer soll neben Timm Klose für Sicherheit in der Zentrale der Viererkette setzen? Dass Trainer Hecking nach 16 Minuten gegen Stuttgart Hanno Balitsch statt Per Nilsson brachte und so Timmy Simons in die Innenverteidigung beorderte, war gewiss ein Zeichen. Nach einem gebrauchten Tag Nilssons in Hannover wollte Hecking kein Risiko eingehen und die sichere Variante wählen. Nur: Langfristig ist Führungsspieler Simons in der Innenverteidigung wohl nicht haltbar. Seine Zweikampfstärke und Laufbereitschaft sind im defensiven Mittelfeld unverzichtbar, er harmoniert bestens mit Nebenmann Balitsch. Bleiben Nilsson, Marcos Antonio und der junge Noah Korczowski, der aber für die Startelf noch kein Thema sein wird, wie auch Hecking bestätigte. Klar ersichtlich ist also, dass sich Hecking einen Umgang wie mit Klose letztes Jahr nicht erlauben kann. Damals stand mit Dominic Maroh ein erprobter Ersatz bereit und spielte eine ordentliche Saison. Für Nilsson kam Antonio und patzte noch heftiger als der Schwede selbst, was den 30-jährigen Abwehrrecken wohl unweigerlich in die Startelf zurückbringen dürfte.



Das Standardproblem des 1. FC Nürnberg


Doch nicht nur die Defensive gibt aktuell Anlass zum Grübeln, auch das Spiel nach vorne ist ein bisschen ins Stocken geraten. Die bisher größte Waffe, der ruhende Ball, zündete gegen den VfB Stuttgart nicht mehr. Neun Ecken, kein Tor - im Vergleich zum Saisonstart eine beinahe enttäuschende Bilanz. Doch Sorgen macht dem FCN die Produktion aus dem Spiel heraus. Fünfmal trafen die Franken nach Ecken oder Freistößen von Neuzugang Hiroshi Kiyotake. Zudem gab es einen Sololauf mit anschließendem Abschluss von eben jenem Kiyotake und einen Ehrentreffer von Timothy Chandler in Hannover. Zwei Treffer aus dem Spiel in 450 Bundesliga-Minuten. Der FCN hat ein Standardproblem - er ist bislang zu abhängig von diesen und kann sich wohl nicht darauf verlassen, dass Kiyotake in selber Regelmäßigkeit wie an den ersten vier Spieltagen die Köpfe von Klose, Nilsson oder Pekhart findet. Kapitän Schäfer findet die Offensivdiskussion zum jetzigen Zeitpunkt müßig: „Nach dem Start mit sieben Zählern hat das keiner thematisiert, jetzt soll es plötzlich ein Problem sein. Veilleicht haben sich einige auch schon zu viel von der Mannschaft versprochen.“ Gut möglich nach diesen ersten drei Spielen. Doch nun ist der FCN in der Realität zurück und muss an seinen zwei großen Problemen arbeiten.

Ruhmreiche Grüße

Euer

Patrick Reichardt

EURE MEINUNG: Die englische Woche war eine schwarze Woche. Wie geht es weiter?
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